Volltext: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Auch in der letzten lothringischen Urkunde von Ludwig dem Kind vom 15. Oktober 
910 wird Hugo genannt, wobei eberhardinischer Besitz im Albegau südwestlich des 
Quellgebietes der oberen Saar sichtbar wird77. Die Nähe zu dem ostfränkischen 
Königtum blieb also unter Hugo I. bestehen. Im Elsaß gab es in den Anfangsjahren 
des 10. Jahrhunderts wohl keine großen machtpolitischen Auseinandersetzungen 
der einzelnen miteinander konkurrierenden Könige. Rudolf I. von Hochburgund 
und auch der westfränkische König, Karl der Einfältige, scheinen keine Anstalten 
gemacht zu haben, die Minderjährigkeit Ludwigs auszunutzen, um das Elsaß in 
ihren jeweiligen Einflußbereich zu bringen78. Welche Gründe und Umstände 
mögen dafür den Ausschlag gegeben haben? Es fällt auf, daß Ludwig das Kind 
mehrmals im Elsaß weilte79. Die Präsenz des jungen Königs im Elsaß dürfte jedoch 
nicht der Grund für seine relativ unangefochtene Herrschaft in diesem Gebiet 
gewesen sein, sondern eher die Folge der ruhigen politischen Lage, vor allem im 
Nordgau, letzteres ein Resultat der erstarkten gräflichen Gewalt unter Graf 
Eberhard I. und unter dessen Sohn, Hugo I. Die machtvolle Position Hugos konnte 
auch in Zeiten der Schwäche des Königtums eine wirksame Abwehrfunktion 
gegenüber einem Zugriff anderer Gewalten auf das Elsaß darstellen. Die von Arnulf 
von Kärnten eingeleitete Zusammenarbeit mit den Eberhardinern hat sich 
anscheinend auch noch unter Ludw ig dem Kind bewährt. 
Die Auseinandersetzungen an der Westgrenze des Reiches nach dem Tod 
von Ludwig dem Kind 
Am 24. September 911 verstarb König Ludwig das Kind80. Unmittelbar nach dem 
Ableben Ludwigs erfolgte die Besetzung Lotharingiens durch den westfränkischen 
König, Karl den Einfältigen. Anfang des Jahres 912 marschierte er in Lotharingien 
ein und süeß bis ins Elsaß vor81. Der neue König im Ostfrankenreich, Konrad L, 
77 D LdK 76, S. 212 f.; siehe dazu auch oben, S. 18 f. 
78 Vgl. Büttner, Geschichte des Elsaß I, S. 146; vgl. auch Borgolte, Grafengewalt, S. 46. 
79 Ludwig ist im Elsaß an folgenden Daten nachzuweisen: 31. Oktober 900 in Straßburg (D 
LdK 7, S. 103 ff.) - 5. Februar 902 in Straßburg (D LdK 13, S. 115 f.) - zwischen 20. 
Oktober u. 4. November 906 in Straßburg, wo er einen Streit zwischen den Straßburgern 
und deren neuen Bischof Otbert schlichtet (Reginonis abbatis Prumiensis chronicon, ad 
906, S. 152) - 4. November 906 in Nordhausen bei Erstein (D LdK 51, S. 175 ff.); vgl. 
Büttner, Geschichte des Elsaß 1, S. 146, der diese Aufenthalte Ludwigs im Elsaß im 
Sinne eines häufigen Erscheinens des Königs in dieser Gegend interpretiert; Th. 
Schieffer, Die lothringische Kanzlei um 900, in: DA 14 (1958), S. 110, konstatiert 
hingegen nur eine „periphere Berührung“; dazu jedoch relativierend Hlawitschka, 
Lotharingien, S. 186. 
80 Annales Alamannici, ed. G. H. Pertz, MGH SS I, ad 911, S. 55: Hludowicus filius 
Arnolfi regis moritur. 
8S Das Vordringen Karts des Einfältigen kann man anhand der ausgestellten Diplome, 
abgedruckt bei F. Lot u. Ph. Lauer, Recueil des actes de Charles III le simple, roi de 
France (893-923), Paris 1949, recht gut verfolgen. Am 1. Januar 912 urkundet Karl in 
Metz (ebda, Nr. 69, S. 154-157) am 10. Januar 912 in Toul (ebda., Nr. 70, S. 157 ff.) und 
am 12. Februar 912 in Ruffach (ebda., Nr. 71, S. 159 ff.). Bei der noch von Büttner, 
Geschichte des Elsaß I, S. 147, heran gezogenen Urkunde Karls vom 3. Februar 912 für 
171
	        

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