Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

in  seinem  Macht-  und  Besitzstreben  über  andere  Politiker  seiner  Zeit  hinausheben
würde.  Immerhin  kann  man  feststellen,  daß  er  eine  große  Machtfülle  auf  sich
vereinigte  und  sein  Aktionsradius  beträchtlich  war.  Allerdings  beruhte  seine
Stellung  weniger  auf  eigenen  Besitzerwerbungen,  sondern  vielmehr  auf  der  von
seinem  Vater  ererbten  Machtposition.  Hugo  konnte  die  politischen  Positionen
seines  Vaters  weitgehend  behaupten.  Die  Stellung  der  Eberhardiner  an  der
Burgundischen  Pforte,  vor  allem  in  Liiders,  blieb  auch  unter  Hugo  I.  weiterhin
unangefochten.  Der  Bericht  der  Vita  S.  Deicoli  läßt  deutlich  werden,  daß  der
Übergang  des  Besitzes  von  Lüders  vom  Vater  auf  den  Sohn  wohl  reibungslos
vonstatten  gegangen  ist73.
Man  findet  Hugo  I.,  ebenso  wie  seinen  Vater,  im  Raum  der  heutigen  Schweiz  aktiv.
So  folgte  er  Eberhard  I.  wohl  als  Laienabt  von  St.  Felix  und  Regula  in  Zürich  nach  -
oder  übte  dort  zumindest  einen  dominierenden  Einfluß  aus  -  wie  aus  seiner
Zeugenschaft  in  einer  am  16.  August  931  ausgestellten  Urkunde  ersichtlich  wird,  in
der  die  Eheleute  Ratpreht  imd  Truhlinde  dem  Kloster  St.  Felix  und  Regula  in  Zürich
ihren  Hof  gegen  die  lebenslange  Nutzung  anderer  Güter  überließen74.  Auch  in
Sankt  Gallen  läßt  sich  der  Einfluß  Hugos  I.  feststellen.  In  einer  Urkunde  Ludwigs
des  Kindes,  am  24.  Juni  903  in  Forchheim  für  das  Kloster  Sankt  Gallen  ausgestellt,
findet  man  ihn  unter  den  Getreuen  des  Königs  genannt75.  In  dem  ostschweizerischen
  Raum  um  Zürich  und  Sankt  Gallen  konnten  also,  ebenso  wie  an  der  Burgundischen
  Pforte,  die  eberhardinisehen  Machtpositionen  behauptet  werden.  Nicht  von
Nachteil  dürfte  es  zudem  gewesen  sein,  daß  mit  dem  Gründer  und  ersten  Abt  des
Klosters  Einsiedeln,  Eberhard  dem  Eremiten,  ein  Verwandter  Hugos  eine
einflußreiche  Position  im  ostschweizerischen  Raum  innehatte.  Somit  kann  in  dem
geographischen  Dreieck  Zürich,  Sankt  Gallen,  Einsiedeln  einer  der  Besitzschwerpunkte
  der  frühen  Eberhardiner  erkannt  werden.  Über  die  Stellung  der  Eberhardiner
im  oberen  Aaregebiet  ist  für  die  Zeit  Hugos  I.  nichts  auszusagen.  Der  Einfluß  der
Eberhardiner  dürfte  dort  jedoch  nach  und  nach  zurückgegangen  sein,  denn  für  die
Zeit  nach  Eberhard  I.  gibt  es  in  diesem  geographischen  Raum  keine  Quellenbelege
mehr,  in  denen  Mitglieder  der  eberhardini  sehen  Familie  genannt  werden.
Einen  weiteren  Schwerpunkt  innerhalb  von  Hugos  Besitzungen  bildete  das  Grafenamt
  im  elsässischen  Nordgau,  welches  Hugo  I.  ebenfalls  in  der  Nachfolge  seines
Vaters  mit  Sicherheit  ausgeübt  haben  dürfte;  davon  zeugt  seine  Beziehung  zum
Straßburger  Bischof  Richwin  und  die  Tatsache,  daß  er  auf  Hohenburg  residierte76.
Die  elsässischen  Besitzungen  bildeten  einen  Schwerpunkt  in  dem  Güterkomplex
Hugos.

73  Siehe  das  Zitat  in  Anm.  72.
74  Druck  der  Urkunde  bei  Escher  u,  Schweizer,  Urkundenbuch,  1.  Bd.,  Nr.  194,  S.  86  f,:
Signum  ...  Huc  comitis  (Zitat,  ebda.,  S.  87).  Zur  Interpretation  der  Urkunde  siehe  oben,
S.  14.
75  D  LdK  20,  S.  125  ff.
76  Siehe  dazu  das  Güterverzeichnis  für  das  Straßburger  Stift  Sankt  Thomas,  abgedruckt  bei
Wiegand,  Urkundenbuch  1,  Nr.  52,  S.  43  ff..  Zitat,  S.  44;  RegBfeStr.  1,  Nr.  130,  S.  244
f.;  siehe  dazu  oben,  S.  20.

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