Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Zugehörigkeit zu den Erchangarcn schließen kann, mag dahingestellt bleiben. Es 
scheint jedoch sicher zu sein, daß Arnulf im Sundgau, der geographisch zwischen 
dem von Eberhard I. beherrschten Nordgau und dem Somegau liegt, in dem die 
Liutfriede - etichonenblütige Verwandte Eberhards68 - die politisch einflußreichste 
Lokalgewalt waren, einen Gegenpart zu den mächtigen Etichonennachfahren 
schaffen mußte. 
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß der Aufstieg Eberhards eng mit dem 
Machtwechsel von Karl III. zu Arnulf von Kärnten verbunden war. Im Zuge von 
Arnulfs Auseinandersetzung mit Rudolf von Hochburgund hat sich der Einflu߬ 
bereich Eberhards enorm ausgedehnt - der Aktionsradius des Grafen war nun weit 
ausgreifend. Er erstreckte sich im Südwesten vom Gebiet der burgundischen Pforte 
mit dem Mittelpunkt Lüders bis in den heutigen Schweizer Raum, dort von 
Besitzungen im oberen Aareraum im Westen bis nach Zürich im Osten, wo mit der 
Kontrolle über St. Felix und Regula die Besetzung eines ehemals karolingisch¬ 
kaiserlichen Stützpunktes erreicht werden konnte. Weiter nördlich dehnte sich sein 
Einfluß über vereinzelte Besitzungen im Sundgau vor allem über den Nordgau und 
die rechtsrheinische Ortenau aus. Auch zeugen die Epitheta in den verschiedenen 
Quellen, die Eberhard beigegeben wurden - man bezeichnte ihn als bellipotens69 
oder sprach von ihm als einem illustrissimo comite70 - von der enormen Machtfülle, 
die dieser Etichonennachfalire auf sich vereinigen konnte, und von der politischen 
Vonnachtstellung im südwestlichen Raum des Reiches, die er unter dem Karolinger 
Arnulf von Kärnten erhalten hatte. 
Politische Wirksamkeit Hugos I. 
Nachfolger Eberhards I. im Grafenamt war sein Sohn Hugo I. Ob er sich uns 
wirklich als ein „zielstrebiger und machthungriger Besitzpolitiker“ zeigt, wie es 
Franz Xaver Vollmer ausgedrückt hat71, mag dahingestellt bleiben, denn dieses 
Bild Hugos I. speist sich gänzlich aus der Schilderung seiner Person und seines 
Charakters, welche die Vita S. Deicoli liefert72. Die wenigen urkundlichen Quellen, 
die wir zu seiner Person besitzen, verraten indes nichts Außergewöhnliches, was ihn 
68 Zu den Liutfrieden siehe oben, S. 31. 
69 Ex Vita S. Deicoli, MGH SS XV,2. S. 677. 
70 Bruckner, Regesta Alsatiae, Nr. 650, S. 387 f. 
71 Vollmer, Etichonen, S, 178. 
72 Vollmers Charakterisierung von Hugo 1. bezieht sich anscheinend auf folgende Passage 
der Vita S. Deicoli: Eodem vero comite [= Eberhard I ] in tanta /nentis obstinantia vita 
decedente, filius eius Hugo nomine, qui et ipse iam comes effectus fuit, omnia quae patris 
sui esse videbantur sive iure sive iniuria potestative invasit tenacilerque sibi aduncavit, 
inter quae omnia et locum sancti patris Deicoli. Qui cum tnasculae prolis fortitudine in 
omnibus propemodum regnis famosus haberetur et in multis negociis acsi miles 
castrensis invictus existeret, aliqua/ndiu inpune potitus est praedio sancti Deicoli (Vita S. 
Deicoli, MGH SS XV,2, S. 677). Ein solches Verhalten des Grafen ist im Sinne der 
hagiographischen Schilderung geradezu vonnöten, damit anschließend durch ein 
sogenanntes Wunder des im Mittelpunkt der Vita stehenden Heiligen ein für den Grafen 
wirksames Bekehrungserlebnis stattfinden kann. 
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