Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Die  betriebene  Intensivierung  seiner  Herrschaft  im  Elsaß  und  in  den  angrenzenden
Gebieten  und  ein  Einmarsch  im  Elsaß  noch  im  Jahre  88850  brachten  Arnulf  vorerst
den  gewünschten  Erfolg.  Rudolf  hat  sich,  nach  eingehenden  Beratungen  mit
alemannischen  Großen,  Arnulf  in  Regensburg  unterworfen  und  dessen  Oberhoheit
anerkannt51.  Das  Verhältnis  zwischen  Arnulf  und  Rudolf  blieb  jedoch  gespannt.
Rudolf  mußte  weiter  in  Schach  gehalten  werden,  und  so  dauerten  die
Auseinandersetzungen  Arnulfs  mit  Rudolf  von  Hochburgund  an.  Im  Sundgau
griffen  die  Maßnahmen  Arnulfs  nicht  so  wie  er  erwartet  hatte.  Hier  gestalteten  sich
die  Verhältnisse  anders  als  im  Nordgau.  Im  Sundgau  scheint  Arnulf  die  Herrschaft
streckenweise  entglitten  zu  sein52,  dort  darf  man  auch  ein  Zentnim  für  den  Aufstand
  von  Bernhard,  dem  Sohn  Karls  III.,  vermuten53.  Der  Bischof  von  Basel,  Iring,
stand  anscheinend  auf  der  Seite  Rudolfs  von  Hochburgund,  da  er  im  Jahre  892
zusammen  mit  seinem  Metropoliten,  dem  Erzbischof  Dietrich  von  Besançon,  der  zu
dieser  Zeit  noch  Rudolfs  Kanzler  bzw.  Erzkanzler  gewesen  ist54,  bei  der  von  Rudolf
I. initiierten  und  durchgeführten  Erhebung  des  Diakons  Boso  zum  Bischof  von
Lausanne  zugegen  war55.  894  hat  Arnulf  seinen  Sohn  Zwentibold  mit  einem  Heer
gegen  Rudolf  geschickt.  Der  erwünschte  Erfolg  stellte  sich  jedoch  nicht  ein56.
Arnulf  hat  aber  auch  den  Druck  auf  Iring  verstärkt,  indem  er  die  Stellung  des
Konstanzer  Bischofs  Salomon  III.  festigte57.  Nach  einem  gescheiterten  Versuch  im
Jahre  894  wurde  895  Zwentibold  als  Unterkönig  in  Lotharingien  anerkannt58.
Bischof  Iring  scheint  sich  seiner  schlechten  politischen  Position  bewußt  gewesen  zu
sein.  Er  nahm  im  Mai  895  an  der  Synode  von  Tribur  teil  und  hat  sich  wohl  wieder
enger  an  Arnulf  angeschlossen59.  Im  Sundgau  konnte  somit  in  der  Folgezeit  die

karolingische  Hofkapelle,  Stuttgart  1959,  S.  200  f.;  vgl.  auch  Borgolte,  Grafengewalt,
S.  39.
50  Annales  Fuldenses,  ad  888,  S.  116:  Rex  contra  Rodulfum  Elisaciam  progreditur.
51  Ebda.:  Rodolfus  enirn  inito  consilio  cum  primoribus  Alamannorum  sponte  sua  ad  regem
urbem  Radasbonam  usque  pervenit  multaque  inter  illos  convenienter  adunata  ipse  a  rege
cum  pace  permissus,  sicuti  venit,  ad  sua  remeavit.
52  Siehe  dazu  Borgolte,  Grafengewalt,  S.  41-44.
53  Ebda,  S.  42.
54  Vgl  dazu  Hlawitschka,  Lotharingien,  S.  93  u.  125  f.  mit  Anm.  42;  Borgolte,  Grafengewalt,
  S.  41.
55  Ch.  Roth,  Cartulaire  du  chapitre  de  Notre-Dame  de  l^ausanne,  Lausanne  1948,  Nr.  17e,
S.  49  f.  Auszug  bei  D  bürg.  Rudolf.  20,  S.  119;  siehe  dazu  auch  Borgolte,  Grafengewalt,
  S.  41  f.
56  Annales  Fuldenses,  ad  894,  S.  125:  Akunanni  cum  magna  valida  super  Rodulfum  regem
cum  Zwentibaldo  filio  regis  de  concubina  transmittuntur.  Ille  se  defendens  obiectione
Alpium,  Alamanni  devastata  magna  illius  regionis  parte  revertuntur  in  sua.
57  D  Arn.  129,  S.  192  f.  Arnulf  bestätigte  Salomon,  dem  Abt  von  Sankt  Gallen,  der
gleichzeitig  das  Amt  des  Konstanzer  Bischofs  innehatte,  einen  Tausch,  bei  dem  der  Abt
Klosterbesitz  in  Schönebürg  im  Rammagau  gegen  die  Kirche  und  sieben  Hufen  zu  Augst
im  Aargau  tauschte,  welche  im  Besitz  eines  gewissen  Anno  waren;  siehe  dazu
Borgolte,  Grafengewalt,  S.  43.
58  Annales  Fuldenses,  ad  895,  S.  126:  Zwentibaldus  ergo  filius  regis  infulam  regni  a  patre
suscipiens  in  Burgundia  et  omni  Hlotharico  regno  receptis  eiusdem  regni  primoribus  rex
creatus  est,  zu  Zwentibolds  Herrschaft  in  Lotharingien  siehe  vor  allem  Hlawitschka,
Lotharingien,  S.  158-184.
59  Vgl.  Borgolte,  Grafengewalt,  S.  44  f.

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