nahelegt, Arnulf habe die Übertragung des Rektorats an Eberhard veranlaßt, und
was die These von einer Einbindung Eberhards 1. in das Herrschaftssystem Arnulfs
geradezu unterstreicht.
Unter Arnulf von Kärnten erfolgte indes auch eine Neuorganisation der politischen
Struktur im Elsaß. Während seiner Regierungszeit tauchen zum ersten Mal die
Begriffe 'Sundgau' und 'Nordgau' für das Ober- und Unterelsaß auf29, so daß
Michael Borgolte zu Recht vermuten konnte, daß diese politische Neueinteilung des
Elsaß auf eine Maßnahme Arnulfs von Kärnten zurückzuführen ist30, deren Ursache
in der gesamtpolitischen Situation nach Arnulfs Übernahme der Macht im
Ostfrankenreich zu suchen ist. So waren in den übrigen Teilreichen des
Frankenreiches nach 887 einige Große zu selbständigen Königen erhoben worden,
denen sich Arnulf nun gegenüber sah, so im Westfrankenreich der Robertiner Odo,
in Hochburgund der Welfe Rudolf, in Italien zuerst der Markgraf Berengar von
Friaul, später Wido von Spoleto und in Aquitanien Ramnulf31. Arnulf ließ sie
weitgehend gewähren, er reagierte nur auf die Ansprüche Rudolfs von
Hochburgund, der seine Hand nach Lotharingien ausstreckte und so mit
Erbansprüchen Arnulfs in Konflikt geriet, der Lotharingien als Erbe seines
Großvaters Ludwig des Deutschen betrachtete32. Rudolf, der sich unmittelbar nach
dem Tod Karls III. in Saint-Maurice zum König hatte erheben lassen, erschien kurz
nach diesem Ereignis in Lotharingien und ließ sich in Toul von Bischof Amald zum
König salben33. Ob Rudolf auch in das Elsaß vorgedrungen war und es besetzt
hatte, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen34. Jedoch war Amulf gezwungen,
gegen die umnittelbare Bedrohung seiner Ansprüche durch Rudolf zu reagieren und
geeignete Vorkehrungen zu treffen, um dem Vorgehen Rudolfs wirksam entgegentreten
zu können. So erschien er persönlich am Oberrhein, um sich ein Bild
29 Frühester Beleg für den Nordgau in einem am 3. Februar 891 in Regensburg
ausgestellten Diplom Arnulfs, in dem er der Bischofskirche in Speyer die Kirche des
elsässischen Ortes Jebsheim schenkt: ... ul quandam ecclesiam in comitatu Nordgauuensi
consistentem in villa Yebinesheim cum omnibus ibidem adiacentiis vel pertinendis {D
Arn. 84, S. 125 f., Zitat, ebda., S. 125); frühester Beleg für den Sundgau im Jahr 898 in
der Urkunde des Herimuodt für das Kloster Münster im Gregoriental, abgedruckt bei
BRUCKNER, Regesta Alsatiae, Nr. 650, S. 387 f : ... trado ad monasterium sancti
Gregorii, quod est constructum in pago Helisacensi et in parte ipsius pagi, que vocatur
Sundgeuui (Zitat, ebda, S. 387), siehe dazu Borgolte, Grafengewalt, S. 36 ff.
30 Siehe Borgolte, Grafengewalt, S. 36-41.
31 Annales Fuldenses sive Annales regni Francorum Orientalis, ed. F. Kurze, MGH Script,
rer. Germ., Hannover 1891, ad 888, S. 116; siehe dazu die zusammenfassende
Darstellung bei Hlawitschka, Frankenreich, S. 89 f.
32 Siehe dazu Hlawitschka, Lotharingien, S. 70 f.
33 Annales Vedastini, ed. B. v. Simson, MGH Script, rer. Germ., Hannover u. Leipzig 1909,
ad 888, S. 64 f.; At hi qui ultra lurum atque circa Alpes consistunt, Tullo adunati
Hrodulfum nepotem Hugonis abbatis per episcopum dictae civitatis benedici in regem
petierunt, qui et ita egit.
34 ln den Annales Fuldenses, ad 888, S. 116, heißt es: Rex contra Rodulfum Elisaciam
progreditur Borgolte, Grafengewalt, S. 41, möchte es offenlassen, ob damit
ausgesagt ist, Rudolf sei ins Elsaß eingefallen gewesen und Arnulf deswegen ins Elsaß
eingerückt, oder ob das Elsaß von Arnulf lediglich als Operationsbasis benutzt
wurde.
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