Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Betrachtet  man  die  angegebenen  Quellenstellen  unter  besitzgeschichtlichem
Aspekt,  so  zeigt  sich,  daß  die  Besitzungen  der  Adelheid,  welche  durch  ihre
Begabungen  an  das  Kloster  Blaubeuren  sichtbar  werden,  wohl  fast  alle  durch  ihren
Mann  auf  sie  gekommen  sind853.  Sigiboto  von  Ruck  schenkt  dem  Kloster  ja  den
pagum  Süssen854,  in  dem  der  Großteil  der  späteren  Schenkungen  der  Adelheid  liegt.
Auch  die  Schenkungen  zusammen  mit  ihren  Söhnen  sprechen  für  diesen  Umstand,
so  daß  mit  Hilfe  der  besitzgeschichtlichen  Bestimmung  keine  Familienzugehörigkeit
  festgestellt  werden  kann855.  Ebenso  läßt  sich  keine  dieser
Besitzungen  der  Gräfin  Adelheid  in  der  Familie  der  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim
nachweisen,  so  daß  man  von  daher  keine  Aussage  ableiten  kann.
Auch  Überlegungen  im  Zusammenhang  mit  dem  Namen  „Adelheid“  führen  hier
nicht  weiter.  Zwar  taucht  der  Name  Adelheid  in  der  Familie  der  Dagsburg-Egisheimer
  öfters  auf,  aber  diese  Familie  ist  nicht  die  einzige  im  Elsaß,  in  der  der  Name
Adelheid  heimisch  ist.  In  diesem  Zusammenhang  sei  nur  die  These  Heinz  Bühlers
angeführt,  der  ja  -wie  oben  erwähnt856-  mutmaßt,  die  Gräfin  Adelheid  vom  Elsaß
sei  eine  Enkelin  Werners,  des  Stifters  der  elsässischen  Benediktinerabtei  Hugshofen857.
  Als  Eltern  Werners  möchte  er  Lütold  von  Mömpelgard  und  Willibirg  von
Wülflingen  sehen858.  Eines  der  Kinder  aus  dieser  Ehe  trägt  den  Namen  Adelheid,
welche  den  Grafen  Rudolf  von  Achalm  ehelichte.  Aus  der  Ehe  der  Adelheid  von
Wülflingen  mit  Rudolf  von  Achalm  ist  uns  ein  Sohn  namens  Berengar  bekannt,  den
wir  1048  in  einem  Diplom  Heinrichs  III.  als  Graf  im  elsässischen  Sundgau
finden859.  Diese  genealogische  Verbindung,  wie  Bühler  sie  sehen  will,  würde
zumindest  den  Namen  von  einem  der  Söhne  unserer  Adelheid,  nämlich  Werner,
erklären.  Er  findet  sich  ja  bei  ihrem  mutmaßlichen  Großvater,  dem  Stifter  von
Hugshofen860.

Gemahlin,  sind  aber  durch  die  direkt  gegenüberliegende  Anordnung  und  die  Inschriften
einander  eindeutig  zugeordnet.
853  Dies  vermutet  schon  Gertrud  Brösamle  im  Anhang  zur  Ausgabe  der  Chronik  von
Tubingius,  Burrensis  Coenobii  Annales,  S.  299.
854  Ebda,  S.  34.
855  Die  obengenannten  Schenkungen  liegen  alle  in  der  Nähe  von  Blaubeuren.  Zu  Seißen,
Treffensbuch  und  Sontheim  siehe  die  Karte  bei  Lonhard,  Kloster  Blaubeuren  im
Mittelalter,  S.  159;  Kälblinsbuch  ist  ein  abgegangener  Ort  bei  Suppingen  (Eberl,  Die
Edelfreien  von  Ruck,  S.  13,  Anm.  56;  zur  Lage  von  Suppingen  vgl.  die  Karte  bei
Lonhard,  Kloster  Blaubeuren  im  Mittelalter,  S.  159);  Waldstetten  (=  Ödenwaldstetten)
liegt  in  der  Nähe  von  Münsingen  (siehe  dazu  die  Angaben  in:  Tubingius,  Burrensis
  Coenobii  Annales,  S.  50,  Anm.  63).
856  Vgl.  oben,  Anm.  837.
857  Bühler,  Schwäbische  Pfalzgrafen,  Stammtafel  auf  S.  137.
858  Ebda.,  Stammtafel  auf  S.  137.
859  D  H  III  219,  S.  292:  ...  in  pago  Elyzazen  in  Villa  Kembyz  in  comiialu  Beringen  comitis-,
vgl.  Bühler,  Schwäbische  Pfalzgrafen,  S.  129,
860  Eberl,  Die  Edelfreien  von  Ruck,  S.  35,  äußert  an  Hand  des  Namenmaterials  der  Kinder
Sigibotos  und  Adelheids  die  Vermutung,  daß  die  Namen  der  Familie  Sigibotos
entstammen  und  somit  Sigiboto  von  Ruck  kein  Bruder  der  Grafen  Anselm  und  Hugo  von
Tübingen  sein  kann,  sondern  ein  Neffe  von  deren  Stiefmutter.

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