hatte. Laut jener zweiten Quelle habe Adelha de Elezase ecclesiam sancti Nicolai
Suissen pro predio <ad> Niderhoffen quod dominus Udalscalcus dedit et clivum
contra Suissen. Insuper mansum Sunthaim et apud Suissen unum850 geschenkt. In
allen diesen Quellenstellen bezeichnet Tubingius Adelheid als elsässische Gräfin
und nennt keinen Familiennamen. Außerdem tritt sie uns - ebenfalls in der Chronik
des Tubingius - noch in einer Schenkung von ihrem Sohn Siegfried entgegen, der
sie zustimmt: Nam Sigefridus vel Sifridus, Sigibotto/nis de Rugga filius patris loco
ut supra auditum succedens, fundator fuit dimidiae partis huius ecclesiae deditque
cum matris et fratrum assensu Treffenesbuch, Waldstetten, Calminesbuch in dotem
ecclesiae et ecclesiam Süssen cum decimis* 851. In anderen Quellen ließ sich die
Gräfin Adelheid nicht nachweisen. Auch an dem 1493 geschnitzten Chorgestühl der
Blaubeurer Klosterkirche ist sie unter den anderen Stifterfiguren nicht zu finden852.
Ebda., S. 54.
851 Ebda, S. 50.
852 Beschreibung sämtlicher Stifterfiguren und der beigeftlgten, auf ältere urkundliche
Vorlagen zurückgehende, Inschriften bei Eberl [Hrsg ], Kloster Blaubeuren, S. 28 f.;
Grundrißschema des Chores mit Angabe der Plazierung der Figuren bei Wilhelm, Chor
der Blaubeurer Klosterkirche, S. 816 f. Allerdings ist durch die falsche Zuordnung der
Ziffern im Grundrißschema zu den in der Legende genannten Personen die korrekte
Anordnung der Figuren nicht genau erkennbar. Wilhelm gibt aber im Text, S. 843 f., die
richtige Position der Adelheid-Figur an, wie ich durch eigene Inaugenscheinnahme des
Chorgestühls feststellen konnte. Wilhelm behauptet unter anderem, daß die Gemahlin
Sigibotos von Ruck im Chorgestühl der Blaubeurer Klosterkirche dargestellt sei, und
zwar sei sie als Einzelbüste von den übrigen Stifterdarstellungen abgehoben und in
Entsprechung zu den Prophetenbüsten zu sehen (ebda., S. 843 f.), weil ihr „wohl das
Kloster so verpflichtet war, daß für eine Darstellung dieser Stifterin eine Abweichung im
Programm in Kauf genommen wurde“ (ebda., S. 844). Wilhelm hat zwar ganz recht mit
seiner Annahme, daß diese herausgehobene Positionierung im Chorgestühl auf eine
besonders wichtige Funktion dieser Person bei der Stiftung oder als Wohltäterin des
Klosters schließen läßt. Er zieht jedoch aus einer an sich richtigen Überlegung eine
falsche Schlußfolgerung, denn er behauptet, es handele sich bei der dargestellten Person
um die Gemahlin Sigibotos von Ruck (ebda., S. 843 f. u. die dazugehörige Anm. 81 auf
S. 869). Es gibt aber bekanntlich zwei Frauen namens Adelheid, die in der
Frühgeschichte des Klosters Blaubeuren eine wichtige Rolle spielten, zum einen besagte
Adelheid vom Elsaß, die Gemahlin Sigibotos von Ruck, und zum anderen Adelheid von
Enzberg, die Schwiegertochter des Grafen Anselm von Tübingen. Daß Gräfin Adelheid
vom Elsaß bei der Stiftung einen besonders hervorzuhebenden Beitrag geleistet hat, der
ihre herausgehobene Stellung im Chorgestühl rechtfertigen würde, läßt sich aus den
vorhandenen Quellenzeugnissen nicht ableiten. Wohl aber kann man bei Adelheid von
Enzberg eine herausiagende Handlung mit besonderer Bedeutung für das Blaubeurer
Kloster erkennen, nämlich durch ihre Romreise und durch das Erwirken der päpstlichen
Schutzbulle von Urban II. (vgl. dazu Tubingius, Burrensis Coenobii Annales, S. 40; auch
in Wirtembergisches Urkundenbuch, 1. Bd., Nr. 253, S. 313 f ), so daß die Büste der
Adelhait comitissa mit Sicherheit die Gräfin Adelheid von Enzberg darstellt. Für diese
These spricht auch, daß sie eben nicht im räumlichen Zusammenhang mit Sigiboto von
Ruck und dessen Nachkommen abgebildet ist, sondern auf der Seite - wenn auch etwas
separiert - auf der die Familie ihres Schwiegervaters, Graf Anselm von Tübingen,
angebracht ist. Die einzigen zusammengehörigen Figuren, die sich nicht auf jeweils
einer Seite des Chorgestühls finden, Pfalzgraf Friedrich von Tübingen und dessen
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