Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Klosterchronik  des  Christian  Tubingius,  Gertrud  Brösamle,  beschäftigt  sich
ausführlicher  mit  der  Problematik,  stellt  aber  die  These  auf,  Gräfin  Adelheid  vom
Elsaß  sei  selbst  eine  Schwester  der  Grafen  Anselm  und  Hugo  von  Tübingen
gewesen  und  Sigiboto  von  Ruck  folglich  nur  der  Schwager  dieser  beiden  Brüder
und  nicht,  wie  bisher  angenommen  wurde,  deren  Bruder835.  Allerdings  leitet  sie
von  dem  Namen  Hugo,  der  sowohl  im  Tübinger  als  auch  im  Dagsburg-Egisheimer
Grafenhaus  als  Leitname  in  Gebrauch  ist,  eine  mögliche  eheliche  Verbindung
zwischen  beiden  Häusern  her,  die  aber  zeitlich  in  einer  vorangegangenen
Generation  anzusetzen  sei836.  In  seinem  Aufsatz  „Schwäbische  Pfalzgrafen,  frühe
Staufer  und  ihre  Sippengenossen“  schlägt  Heinz  Bühler  eine  andere  Identifizierung
jener  Adelheid  vom  Elsaß  vor.  Er  möchte  sie  an  die  Familie  von  Werner,  dem
Stifter  der  elsässischen  Benediktinerabtei  Hugshofen,  angliedem837.  Jürgen  Sydow
hingegen  nennt  in  dem  1974  erschienenen  ersten  Band  seiner  „Geschichte  der  Stadt
Tübingen“  die  Heiratsverbindung  zwischen  Sigiboto  von  Ruck  und  der  Gräfin
Adelheid  nicht,  sieht  aber  ebenso  wie  Brösamle  eine  verwandtschaftliche
Verbindung  der  Tübinger  Grafen  mit  den  Dagsburg-Egisheimem,  welche  nach
seiner  Meinung  „vielleicht  anders  einzuordnen  ist,  als  es  in  der  früheren  Forschung
erfolgte,  die  aber  grundsätzlich  nicht  angezweifelt  werden  kamt  und  vielleicht  den
Leitnamen  Hugo  in  die  Familie  der  Tübinger  brachte,  wenn  man  auch  diese  nicht
unbedingt  als  Seitenlinie  der  Elsässer  betrachten  muß“838.  Immo  Eberl  bezeichnet
in  seinem  Aufsatz  aus  dem  Jahre  1979  „Die  Edelfreien  von  Ruck  und  die  Grafen
von  Tübingen“839  die  Gemahlin  Sigibotos  nur  als  „Adelheid  vom  Elsaß“840  und
legt  sich  nicht  auf  eine  Familienzugehörigkeit  fest.  Allerdings  vermutet  auch  er  -
ebenso  wie  Sydow  -  wegen  der  Verwendung  des  Leitnamens  Hugo  in  beiden
Familien  eine  Verbindung  zwischen  den  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim  und  den
Grafen  von  Tübingen,  die  er  nicht  näher  charakterisiert841.  Diese  These,  die  wohl
allein  auf  der  Koinzidenz  des  Namens  Hugo  in  beiden  Familien  beruht,  entbehrt
ansonsten  jeglicher  Quellengrundlage,  was  auch  Helmut  Maurer  zu  Recht
einwendet842,  denn  es  kamt  keine  dafür  in  Frage  kommende  Heirat  genannt  werden,
die  zeitlich  in  irgendeiner  der  jenem  Hugo  von  Tübingen  -  der  uns  als  einer  der

835  Christian  Tubingius,  Burrensis  Coenobii  Annales.  Die  Chronik  des  Klosters  Blaubeuren,
hrsg.  v.  G.  Brösamle  mit  dt.  Übertragung  v.  B.  Maier,  Stuttgart  1966,  S.  305-308,  vor
allem  S.  307  f.
836  Ebda,  S.  305  f.
837  H.  Bühler,  Schwäbische  Pfalzgrafen,  frühe  Staufer  und  ihre  Sippen  genossen,  in:
Jahrbuch  des  Historischen  Vereins  Dillingen  an  der  Donau,  77.  Jg.  1975,  Dillingen  a.  d.
Donau  1975,  S.  118-156,  Stammtafel  auf  S.  137.  Diese  These  Bühlers  ist  aber  zum
Großteil  auf  Vermutungen  aufgebaut  und  kann  somit  nicht  als  letztgültiger  Beweis
angesehen  werden.
838  J.  Sydow,  Geschichte  der  Stadt  Tübingen.  1.  Teil:  Von  den  Anfängen  bis  zum  Übergang
an  Württemberg  1342,  Tübingen  1974,  S.  99.
839  I.  Eberl,  Die  Edelfreien  von  Ruck  und  die  Grafen  von  Tübingen.  Untersuchungen  zu
Besitz  und  Herrschaft  im  Blaubeurer  Raum  bis  zum  Ausgang  des  13.  Jahrhunderts,  in
ZWLG  38,  1979,  S.  5-63  u.  Stammtafel.
849  Ebda,  S.  6  ff.
841  Ebda.,  S.  11  f.
842  H.  Maurer,  Eberhard,  der  »Bruder«  des  Papstes,  S.  293,  Anm.  51.

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