Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

von  Leo  IX.  in  Donauwörth  zu  der  Vermutung  angeregt  worden,  daß  die  Stifter  -
analog  zu  den  mit  Leo  IX.  wirklich  verwandten  Stiftern  der  Abtei  Hirsau,  die  Ixo
IX.  auch  besucht  hat  -  mit  dem  Papst  verwandt  gewesen  seien.

Adelheid  vom  Elsaß
In  der  einschlägigen  Literatur  zu  den  Pfalzgrafen  von  Tübingen  und  dem  Kloster
Blaubeuren  wird  immer  wieder  auf  die  Verbindung  der  Tübinger  Pfalzgrafen  mit
den  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim  hingewiesen.  So  liest  man  in  der  Einleitung  zu
dem  von  Hans  inartin  Decker-Hauff,  Franz  Quarthai  und  Wilfried  Setzier  herausgegebenen
  Sammelband  „Die  Pfalzgrafen  von  Tübingen“827:  „Ein  glänzendes
Konnubium  vergrößerte  Macht  und  Ansehen  der  Tübinger.  Mit  dem  niederelsässischen
  Herzogshaus  [sic!]  der  Egisheimer  wurde  eine  Heiratsverbindung  gerade
zu  dem  Zeitpunkt  geknüpft,  als  ein  Angehöriger  des  Geschlechtes,  Papst  Leo  IX.
(1048-1054),  als  bedeutender  Reformpapst  wirkte“828.  Weitere  Einzelheiten  zu
dieser  Verbindung  -  vor  allem  wer  wen  geheiratet  hat  -  werden  von  Quarthai  und
von  den  übrigen  Autoren  des  Sammelbandes  nicht  mehr  genannt.  Versucht  man
nun,  mehr  darüber  zu  erfahren,  stößt  matt  sehr  bald  auf  Probleme.  Christoph
Friedrich  Stalin  erwähnt  in  dem  1847  herausgegebenen  zweiten  Teil  seiner
„Wirtembergischen  Geschichte“  keinerlei  Verbindung  der  Tübinger  Grafen  mit
dem  Grafenhaus  von  Dagsburg-Egisheim829.  Nähere  Angaben  zu  dem  besagten
Konnubium  findet  man  indessen  in  dem  1853  publizierten  Standardwerk  von
Ludwig  Schmid  „Geschichte  der  Pfalzgrafen  von  Tübingen“830,  der  zur  Herkunft
der  Gemahlin  des  Grafen  Sigiboto  von  Ruck  namens  Adelheid  äußert,  sie  stamme
„aus  einem  Elsäßischen  Grafenhause,  gewöhnlich  wird  Egisheim  genannt“831.
Schmid  gibt  jedoch  kein  Quellenzeugnis  für  seine  Behauptung  an.  Graf  Sigiboto
von  Ruck  hatte  zusammen  mit  seinen  Brüdern,  den  Grafen  Hugo  und  Anselm  von
Tübingen,  gegen  Ende  des  11.  Jahrhunderts  das  Kloster  Blaubeuren  gestiftet832.
Otto-Günter  Lonhard  geht  in  seiner  Abhandlung  über  „Das  Kloster  Blaubeuren  im
Mittelalter“833  dem  Problem  aus  dem  Weg,  indem  er  für  Sigibotos  Frau  Adelheid
keine  Familienzugehörigkeit  angibt834.  Die  Herausgeberin  der  Blaubeurer

827  H.  Decker-Hauff  -  F.  Quarthal-  W.  Setzler  [Hrsg  ],  Die  Pfalzgrafen  von  Tübingen.
Städtepolitik,  Pfalzgrafenamt,  Adelsherrschaft  im  Breisgau,  Sigmaringen  1981.
828  Einleitung  v.  F.  Quarthal  zu  ebda.,  S.  9,
829  Chr.  F.  STALIN,  Wirtembergische  Geschichte,  2.  Theil:  Schwaben  und  Sudfranken.
Hohenstaufenzeit  1080-1268,  Stuttgart  u.  Tübingen  1847;  zu  den  Pfalzgrafen  von  Tübingen
  ebda.,  S.  425-451.
830  L.  Schmid,  Geschichte  der  Pfalzgrafen  von  Tübingen,  nach  meist  ungedruckten  Quellen,
nebst  Urkundenbuch.  Ein  Beitrag  zur  schwäbischen  und  deutschen  Geschichte,
Tübingen  1853.
831  Ebda.,  S.  35  u.  ebda,  Tafel  1.
832  Zur  Stiftung  von  Blaubeuren  vgl.  ebda.,  S.  31-56  und  O.-G.  Lonhard,  Das  Kloster
Blaubeuren  im  Mittelalter.  Rechts-  und  Wirtschaftsgeschichte  einer  schwäbischen
Benediktinerabtei.  Mit  einem  Beitrag:  Siegel  und  Wappen  des  Klosters  v.  E  Gönner,
Stuttgart  1963.
833  Ebda
834  Ebda,  S.  3  u.  S.  142.
148
            
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