Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Vater  Gertruds  gewesen  sei800.  Hingegen  billigt  er  Dobbertins  Aussage,  Gertrud  als
eine  Stiefschwester  Leos  IX.  anzusehen,  wenig  Wahrheitswert  zu.  Er  verweist
darauf,  daß  zu  solch  einer  angenommenen  Erstehe  Heilwigs  von  Dagsburg  die
Quellen  gänzlich  schweigen,  und  daß  der  Name  Gertrud  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  in
der  Egisheimer  Grafenfamilie  nicht  belegt  ist801.  Hlawitschka  hält  die  These  von
Hermann  Jakobs  für  plausibler  und  meint,  daß  Gertrud  und  Leo  IX.  durch  die  Salier
als  Bindeglied  zwar  verwandt  gewesen  sind,  jedoch  bestehe  die  Verwandtschaft
nicht  über  Judith,  die  angebliche  Ahnfrau  der  Rheinfeldener,  wie  Jakobs  glaubt802;
vielmehr  habe  der  Chronist  Albert  von  Stade  speziell  das  Verwandtschaftsverhältnis
zwischen  Kaiser  Heinrich  III.  und  Papst  Leo  IX.803  im  Auge  gehabt  und  die
Darstellung  von  Idas  Herkunft  durch  den  Hinweis  auf  die  Verwandtschaft  zu  Leo
IX.  in  der  uns  vorliegenden,  zugespitzten  Fonn  ergänzt804.
Zusammenfassend  kann  man  feststellen,  daß  die  'Hiese,  Gertrud  sei  eine  Schwester
bzw.  eine  Halbschwester  Leos  IX.,  eher  abzulehnen  sei.

Richilde
Eine  gewisse  Richilde,  die  in  erster  Ehe  mit  dem  Grafen  Hermann  von  Mons  und  in
zweiter  Ehe  mit  Graf  Balduin  von  Rändern  verheiratet  gewesen  ist,  wird  in  zwei
nicht  zeitgenössischen  Quellen  als  Schwester  Leos  IX.  bezeichnet,  in  der  Handria
Generosa805  und  einer  genealogischen  Passage  der  Continuatio  Aquicincta806,  die
jedoch  von  der  Randria  generosa  abhängt807.  Es  müssen  erhebliche  Zweifel  an
dieser  Nachricht  angemeldet  werden.  Zum  einen  wissen  Quellen,  die  zeitlich  vor
der  Randria  generosa  liegen,  nichts  von  der  Verwandtschaft  Richilde  mit  Leo
IX.808,  zum  anderen  besitzt  die  Randria  generosa  wenig  Quellenwert,  wie  schon
Ernst  Steindorff  angemerkt  hat809.  Zudem  weist  die  Passage,  die  das
Verwandtschaftsverhältnis  zwischen  Leo  IX.  und  Richilde  beinhaltet,  viele
Unwahrscheinlichkeiten  auf,  die  wohl  ins  Reich  der  Fabel  gehören.  So  wird  dort  die
Ehe  zwischen  Richilde  und  Graf  Balduin  von  Rändern,  die  wegen  zu  naher
Verwandtschaft  von  kirchlicher  Seite  angefochten  worden  war,  von  Leo  IX.
angeblich  unter  der  Bedingung  sanktioniert,  daß  keine  fleischliche  Vereinigung  der

800  Hlawitschka,  Untersuchungen,  S.  146.
801  Ebda,  S.  146  f.
802  Zur  Auffassung  von  Jakobs  siehe  Anm.  781  u.  792.
803  Zur  Verwandtschaft  der  Eberhard!ner/Egisheimer  Grafen  mit  den  Saliern  siehe  oben,
S.  36  ff.
804  Hlawitschka,  Untersuchungen,  S.  146.
805  Randria  generosa,  ed.  L.  C.  Bethmann,  MGH  SS  IX,  S.  320:  sed  a  domno  papa  Leone
nono,  eiusdem  Richeldis  avunculo,  hanc  meruerunt  indulgentiam,  ut  in  coniugo  quidem
sed  absque  carnali  comtnixtione  numerent.
806  Continuatio  Aquicincta,  MGH  SS  VI,  ed.  L.  C.  Bethmann,  S.  433:  Balduinus
Hasnoniensis  duxit  uxorem  Richeldam,  relictam  Herimanni  comitis  Montensis,  que
erat  de  sanguine  imperiali,  et  soror  sancti  Leonis  pape  noni.
807  Siehe  ebda.,  Randbemerkung.
808  Genealogia  comitum  Randriae  Bertiniana,  MGH  SS  IX,  ed.  L.  C.  Bethmann,  S.  306  -
Lamberti  genealogia  comitum  Randriae,  ebda,  S.  309.
809  Steindorff,  Heinrich  III.,  2.  Bd.,  S.  152  f.,  Anm.  5.

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