Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Geschwister787  Kinder  der  Heilwig  von  Dagsburg  gewesen  wären.  Wir  lesen  jedoch
überhaupt  nichts  von  irgendwelchen  Streitigkeiten  um  Heilwigs  Erbe.  Die  These
Dobbertins,  Gertrud  sei  die  Tochter  Heilwigs  gewesen,  muß  also  zurückgewiesen
werden.  Davon  unberührt  bleibt  freilich  Dobertins  Behauptung,  Gertrud  sei  mit  der
Tochter  des  Grafen  Ekbert  identisch,  deren  Ehe  mit  einem  Gottschalk  1019
geschieden  wurde788.
Hermann  Jakobs  billigt  zwar  Dobbertins  Thesen  Glaubwürdigkeit  zu789,  doch  er
hält  gegenüber  dem  Bericht  Alberts  von  Stade  eine  gewisse  Skepsis  für
angebracht790.  Er  kommt,  da  in  dem  Bericht  des  Albert  von  Stade  Leo  IX.  auch  als
avunculus  Idas  von  Elsdorf  bezeichnet  wird79*  und  durch  einen  Vergleich  mit  dem
Chronicon  Rosenfeldense,  das  nach  Jakobs'  Meinung  eine  andere  Version  von
Alberts  Text  benutzt  hat792,  zu  der  Vermutung,  daß  Albert  von  Stade  das  Wort
avunculus  einfach  dahingehend  interpretiert  habe,  daß  Ida  von  Elsdorf  eine
Schwestertochter  Leos  IX.  sein  müsse,  also  der  Stader  Annalist  „eine  gutgläubige
Chronistenversion  (eben  für  avunculus)  im  genealogisch  strengen  Sinne“793
geliefert  habe,  „die  darum  aber  nicht  gleich  der  historischen  Wirklichkeit
entsprechen“  müsse794.  Der  Satz,  daß  Ida  eine  Schwestertochter  I^eos  IX.  sei,  wirke
„rhetorisch  zugespitzt“795.  Jakobs  geht  wie  Dobbertin  davon  aus,  daß  Gertrud  die
Tochter  eines  Ekbert  gewesen  sei796;  zu  der  These  Dobbertins,  Gertrud  sei  eine
Halbschwester  Leos  IX.,  wahrt  er  allerdings  Distanz797,  sieht  aber  durchaus  eine
Verwandtschaft  zwischen  Gertrud  und  Leo  IX.798  und  läßt  letztendlich  offen,  ob
Gertrud  eine  Schwester  oder  Halbschwester  Leos  IX.  gewesen  sei799.
Eduard  Hlawitschka,  der  zuletzt  die  Frage  nach  der  Abstammung  Gertruds  eingehend
  untersucht  hat,  schließt  sich  der  These  Dobbertins  an,  daß  Graf  Ekbert  der

787  Zu  den  angeblichen  Geschwistern  Gertruds  siehe  die  Stammtafel  bei  Dobbertin,
Verwandtschaftsverhältnis,  S.  75.  Auf  die  Problematik,  ob  Gertrud  überhaupt
Geschwister  hatte,  soll  hier  nicht  eingegangen  werden.
788  Siehe  oben,  Anm.  784.
789  Jakobs,  Adel,  S.  184;  vgl.  dazu  auch  die  Einschätzung  von  Dobbertins  These  bei  K.
Schmid,  Probleme  um  den  »Grafen  Kuno  von  Öhningen«.  Ein  Beitrag  zur  Entstehung
der  welfischen  HausUberlieferung  und  zu  den  Anfängen  der  staufischen  Territonalpolitik
im  Bodensee,  in:  E£rs.,  Gebetsgedenken  und  adliges  Selbstverständnis  im  Mittelalter,
S.  133  f.
799  Ebda.,  S.  186.
791  Siehe  oben,  das  Zitat  in  Anm.  778.
792  Jakobs,  Adel,  S.  186  f.
793  Ebda,  S.  187  f.
7<*  Ebda,  S.  188.
795  Ebda,  S.  188
799  Ebda,  S.  197.
797  Ebda,  S.  198  ff.
798  Ebda.,  S.  201  f.,  nennt  als  eine  Möglichkeit  der  Verwandtschaftsbeziehung  die  Leo  IX.
und  Gertrud  gemeinsame  Verwandtschaft  zu  den  Saliern,  die  er  Uber  die  angebliche
Ahnfrau  der  Rheinfeldener,  Judith,  als  gegeben  ansieht.  Eine  weitere  Möglichkeit  der
Verwandtschaft  zwischen  Gertrud  und  Leo  IX.  möchte  Jakobs,  Adel,  S.  201  ff.,  in  dem
komplizierten  Vererbungsgang  des  berühmten  Egbert-Psalters  erblicken.
799  Ebda,  S.  204.

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