Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

EINLEITENDE  BEMERKUNGEN

1.  Überblick  über  die  Forschung
Es  gibt  bis  heute  keine  zusammenfassende  und  wissenschaftlich  befriedigende
Darstellung  der  Geschichte  der  die  Politik  in  einem  Kemraum  des  frühen  und  hohen
Mittelalters  in  wesentlichen  Aspekten  mitgestaltenden  Hochadelsfamilie  der  Grafen
von  Dagsburg-Egisheim.  Dieser  Mangel  resultiert  zum  einen  daher,  daß  die
Mitglieder  dieses  Grafenhauses  Inhaber  mehrerer  Grafschaften  gewesen  sind  -  zum
Beispiel  der  Grafschaft  Dagsburg,  der  Metzer  Grafschaft  imd  der  Grafschaft  Moha  -
und  über  großen  Streubesitz  verfügten,  der  vom  schweizerischen  Aargau  im  Süden
über  den  elsässischen  Sundgau  bis  an  die  Maas  im  heute  belgischen  Hesbaye
reichte,  was  die  Grenzen  einer  lokal  orientierten  Geschichtsschreibung  weitgehend
sprengt  und  bis  heute  hemmend  wirkt.  Auch  die  die  heutigen  Ländergrenzen
überschreitende  -  sich  an  Rhein,  Mosel,  Meurthe,  Seille,  Saar  und  Maas
orienüerende  -  politische  Wirksamkeit  dieser  Familie  mag  dazu  beigetragen  haben,
daß  sich  die  Historiker  der  einzelnen  Lander  nicht  zuständig  gefühlt  haben.  Zum
anderen  mögen  für  das  Nichtzustandekommen  einer  zusammenfassenden
Darstellung  vielschichüge  Probleme  bei  der  Erforschung  der  Genealogie  der
Familie  eine  Rolle  gespielt  haben.
Die  erste  größere  Beschäftigung  mit  dem  in  seinen  Anfängen  Eberhardiner
genannten  Geschlecht  erfolgte  im  18.  Jahrhundert  durch  Johann  Daniel  Schöpflin,
der  sich  in  seiner  „Alsatia  illustrata“1  eingehend  mit  der  Genealogie  der  Grafenfamilie
  befaßte.  Darüber  hinaus  schuf  Schöpflin  mit  seiner  umfangreichen
Quellenediüon  zur  mittelalterlichen  elsässischen  Geschichte,  der  „Alsatia  diplomatica“2,
  die  Grundlage  für  eine  quellenmäßig  abgesicherte  Forschung.  Weitere
wichtige  Quellensammlungen  zur  elsässischen  und  lothringischen  Geschichte  wurden
  -  ebenfalls  im  18.  Jahrhundert  -  durch  Augustin  Calmet  in  den  pièces
justificatives  zu  seiner  „Histoire  de  Lorraine“3,  von  Philippe  André  Grandidier  in
den  preuves  seiner  „Histoire  ecclésiastique  militaire  civile  et  littéraire  de  la
Province  d'Alsace“4  und  von  Stephan  Alexander  Würdtwein5  veröffentlicht.  Diese
vier  Quellensammlungen  bilden  -  obzwar  in  manchem  durch  moderne  und  kritische
Editionen,  z.  B.  Editionen  der  Monumenta  Germaniae  Historica,  überholt  -  noch
heute  den  Grundstock  für  die  Forschungen  zur  elsässischen  und  lothringischen

1  J.  D.  Schöpflin,  Alsatia  illustrata  Germanica  Gallica,  Colmar  1761
2  J.  D.  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica,  2  Bde.,  Mannheim  1772  u.  1775.
3  A.  CALMET,  Histoire  ecclésiastique  et  civile  de  Lorraine,  1.  Aufl.,  3  Bde.,  Nancy  1728
und  als  zweite,  stark  erweiterte  Aufl  unter  dem  Titel:  Histoire  de  Lorraine,  7  Bde.,  Nancy
1745-  1757.
4  Ph.  A.  Grandidier,  Histoire  ecclésiastique  militaire  civile  et  littéraire  de  la  Province
d'Alsace,  Tom  1,2:  Pièces  Justificatives,  u  Tom.  11,2:  Pièces  Justificatives,  Straßburg
1787.
5  S.  A.  WüRDTweN,  Nova  subsidia  diplomatica,  14  Bde.,  Heidelberg  1781  ff.

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