Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

sätzlich  auszugehen.  Einzig  der  Umstand,  daß  Reiner  nach  dem  Weihnachtsstil
schreibt,  läßt  die  Möglichkeit  zu,  daß  die  Geburt  Gertruds  in  die  Woche  von
Weihnachten  bis  zum  31,  Dezember  1205  gefallen  sein  könnte.  Als  Terminus  post
quem  für  das  Geburtsdatum  gilt  also  der  25.  Dezember  1205,  als  Terminus  ante
quem  ist  der  September  1206  anzusehen.  Jedoch  ist  davon  auszugehen,  daß  Gertrud
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  vor  dem  September  geboren  wurde,  da  vor  Abschluß
des  Ehevertrages  sicher  längere  Verhandlungen  zwischen  den  Vertragsparteien
geführt  wurden.
Zeugnisse,  die  uns  von  ihrem  kurzen  Leben  Nachricht  geben,  beziehen  sich  zumeist
auf  ihre  drei  Eheschließungen,  wobei  die  Verhandlungen  bezüglich  ihrer  zweiten
Eheschließung  mit  Graf  Theobald  IV.  von  der  Champagne  am  besten  dokumentiert
sind727.  Es  sind  uns  aber  auch  einige  Urkunden  Gertruds  überliefert,  wobei  die
früheste,  die  sie  allerdings  zusammen  mit  ihrem  Ehemann,  Herzog  Theobald  I.  von
Oberlothingen,  ausstellte,  aus  dem  Jahr  1219  stammt728.  Von  Gertrud  selbständig
ausgestellte  Urkunden  haben  sich  lediglich  aus  ihrer  letzten  Lebensphase  ab  der
zweiten  Hälfte  des  Jahres  1221  erhalten729.

727  Zu  den  drei  Ehen  Gertruds  siehe  ausführlich  unten  das  Kap.  'Gertrud  von  Dagsburg'.  Aus
heutiger  Sicht  für  die  Forschung  unbrauchbar  ist  die  biographische  Skizze  von  CXjgas  de
Beaulieu,  Gertrude  de  Dagsbourg,  S.  385-393.
728  Original  in  Nancy,  AD  M-et-M,  H  608;  siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  16.
729  Insgesamt  sind  zehn  Urkunden  Gertruds  von  Dagsburg  aus  den  Jahren  1223/1224
bekannt,  von  denen  nur  noch  die  Urkunde  vom  Mai  1224  im  Original  vorhanden  ist:
a)  Gertrud  bestätigt  die  Übertragung  des  Zehnten  und  des  Patronatsrechts  der  Kirchen
von  Mantoncourt  und  Ommeray  an  die  Abtei  Haute-Seille.  Abschrift  in  Nancy,  AD  Met-M,
  H  608.  Siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  19.
b)  Undatierter  Brief  Gertruds  an  die  Äbtissin  Aylide  von  Val-Notre-Dame,  wohl  vor
dem  6.  Oktober  1223  geschrieben,  in  dem  sie  die.  Schenkung  ihres  Vaters  an  Val-Notre-Dame
  bestätigt.  Das  Original  ist  verloren.  Es  hat  sich  lediglich  eine  französische
Übersetzung  in  Huy,  AEH,  abbaye  du  Val-Notre-Dame,  Cartulaire  23,  S.  15,  erhalten.
Siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr,  21;  zur  Datierung  des  Briefes  siehe  das  Kap.  'Die
Stiftung  des  Klosters  Val-Notre-Dame  und  der  Tod  Alberts  II.'
c)  Urkunde  vom  6.  Oktober  1223,  in  der  Gertrud  die  Schenkung  ihres  Vaters  an  das
Kloster  Villers  bestätigt.  Unvollständige  Drucke  bei  Eisen,  Historia,  lib.  11,  S.  447  f.,
bei  Butkens,  Trophées  I,  preuves,  S.  235  u.  bei  MlRÆUS  u.  Foppens,  Opera,  2.  Aufl.,  2.
Bd.,  S.  849.  Regesten:  Böhmer-Ficker,  V,2,  Nr  5537  u.  J,  Wolters,  Codex
diplomaticus  Lossensis  ou  Recueil  et  analyse  de  Chartes  servant  de  preuves  à  l'histoire
de  l'ancien  comté  de  Looz,  Gand  1849,  Nr.  186,  S.  103.  In  Huy,  AEH,  abbaye  du  Val-Notre-Dame,
  Cartulaire  23,  S.  12  f.,  findet  sich  eine  im  17.  Jahrhundert  angefertigte
französische  Übersetzung  der  Urkunde.  Siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  22.
d)  Urkunde  vom  6.  Oktober  1223,  in  der  Gertrud  die  Übertragung  der  ursprünglich  an
Villers  gegangenen  Schenkung  durch  ihren  Vater  bestätigt  und  die  Incipits  der  Urkunden
ihres  Vaters  und  des  Abtes  von  Villers  nennt.  Das  Original  ist  verloren.  Es  ist  jedoch
  eine  kopiale  Abschrift  in  Huy,  AEH,  abbaye  du  Val-Notre-Dame,  Cartulaire  22,
fol.  76r  und  76v.  überliefert.  Jedoch  wurde  dieses  Cartulaire  im  Zweiten  Weltkrieg
schwer  beschädigt,  so  daß  ein  Großteil  des  Textes  durch  Brandeinwirkung
verlorengegangen  ist.  Glücklicherweise  hat  sich  eine  französische  Übersetzung  in  Huy,
AEH,  abbaye  du  Val-Notre-Dame,  Cartulaire  23,  S.  14  f.,  erhalten.  Siehe  im  Anhang,
Urkunde  Nr.  23a  und  b.

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