Zu den angeblichen Söhnen Alberts II. von Dagsburg
In der Forschungsliteratur zu den Dagsburger Grafen findet sich seit Johann Daniel
Schöpflin702 immer wieder die Behauptung, Albert II. habe zwei Söhne mit Namen
Wilhelm und Heinrich gehabt, die im Jahre 1200 einen gemeinsamen Unfalltod
erlitten hätten. Allerdings beinhaltet die überlieferte Geschichte des Todes von
Wilhelm und Heinrich, die im folgenden Absatz referiert werden soll, mehrere
Elemente, die so unglaubwürdig scheinen, daß der Wahrheitsgehalt der Erzählung
angezweifelt werden muß. Es ist in der neueren Forschung die Geschichte vom
Ableben der angeblichen Söhne des Dagsburger Grafen oftmals nicht kritisch
geprüft und als der Wahrheit entsprechend übernommen worden, wie zum Beispiel
in der Dissertation von Elisabeth Tritscheller geschehen, die sich dabei auf
Schöpflins Angaben stützt703, oder in der Arbeit von Michel Bur über die Grafen
von der Champagne704. Michel Parisse hegt zwar Zweifel am Wahrheitsgehalt der
Geschichte um Heinrich und Wilhelm, möchte aber die Existenz der beiden Söhne
Alberts II. nicht ganz ausschlicßen705. Einzig N. Donnet geht von der Nichtexistenz
der Söhne Alberts II. aus706.
Untersuchen wir nun die Überlieferung der Erzählung vom Tod Heinrichs und
Wilhelms. Die früheste Erwähnung der beiden Söhne Alberts II. dürfte - soweit
zumindest ich die Genese der Behauptung von der Existenz der Söhne eruieren
konnte - bei dem im 14. Jahrhundert schreibenden Jean d'Outremeuse zu finden
sein707. Er erzählt, daß Albert II. mit seinen beiden vierzehn- und dreizehnjährigen
Söhnen das Turnier in Andenne, das zur Verabschiedung Balduins von Flandern
gegeben wurde, besucht habe708. Nach der Rückkehr in die väterliche Grafschaft
Moha haben beide Söhne, beeindruckt von den Tumierspielen und die Ermahnungen
des Vaters nicht beachtend, selbst einen Tjost nachgespielt und sich dabei
702 Schöpflin, Alsatia illustrata, S. 489.
703 Tritscheller, Markgrafen von Baden, S. 91, Anm. 2.
704 M. Bur, Les relations des comtes de Champagne et des ducs de Lorraine au début du
XIIIe siècle, in: Bulletin philologique et historique (jusqu'à 1610) du Comité des travaux
historiques et scientifiques, 1964, Paris 1967, S. 76.
705 Siehe Parisse, Albert, comte de Dabo, S. 162. - Ders., La noblesse Lorraine, 2. Bd., S.
857 - Ders., Noblesse et chevalerie, S. 94. Parisse, Albert, comte de Dabo, S. 162,
bringt zwar Argumente, die gegen die Existenz der beiden Söhne Alberts II. sprechen,
möchte aber dennoch die Frage nach der Existenz dieser Söhne offenlassen (ebda ).
In seinen beiden obengenannten Publikationen von 1976, S. 857, Tafel 3 und von 1982,
S. 94 u. S. 375, Tafel 27, hingegen hegt er keine Zweifel an der Existenz der beiden
Söhne des letzten Dagsburger Grafen.
706 N. Donnet, Les origines de läbbaye du Val Notre-Dame, in: Cîteaux. Commentarii
Cistercienses, 12. Bd., Westmalle 1961, S. 134-139.
707 Ly myreur des Histors, Chronique de Jean des Preis dit d'Outremeuse, Tom. IV, ed. S.
Bormans , Bruxelles 1877, S. 566 ff.
708 Ebda., S. 566: En chesti an tneismé, à Andenne, en leebour XIIII de tnay, oit jostez; li
conte de Flandre Balduin y fut, et Henris li conte de Lovain, Guilhearnez ses freres, et
Atbers leur freres, li conte de Muhat et d'Albort. Et deveis savoir que Waleve et toute le
terre entour astoit li conteit de Albort. Chis Albers avoit dois fis jovenez qui astoient
nommeis Guilhearnez et Henris, qu'il menât avecque luy as jostes\ zum Alter der beiden
Söhne siehe folgende Anm.
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