Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

bei  einer  Eheschließung  zwischen  Theoderich  und  der  Tochter  des  Dagsburger
Grafen  vor  dem  März  des  Jahres  1151  beide  Ehekandidaten  noch  minderjährig
gewesen  wären,  Hugos  Tochter  hätte  zu  diesem  Zeitpunkt  bestenfalls  erst  sieben
Jahre  alt  sein  können.  Bader  erklärt  dies  mit  einem  Ehevertrag  zwischen  beiden
Parteien,  mit  dem  die  Braut  schon  rechtlich  in  die  Familie  ihres  zukünftigen
Ehemannes  eintrete695.  Es  hat  sich  aber  in  dem  vorliegenden  Fall  kein  Dokument
solchen  Inhaltes  erhalten.  Nun  ist  zwar  ein  Ehevertrag  nichts  Ungewöhnliches  -
auch  Albert  II.  von  Dagsburg  hat  für  seine  Tochter  Gertrud,  die  gerade  erst  ein
halbes  Jahr  alt  ist,  im  Jahre  1206  einen  solchen  Ehevertrag  abgeschlossen696  -,  aber
diese  Hilfskonstruktion  Baders  erübrigt  sich  natürlich  dadurch,  daß  sich  die
Blutsverwandtschaft  der  Grafen  von  Are  Hochstaden  zu  den  Staufern  nicht  durch
diese  Eheschließung  herleiten  läßt,  sondern  auf  anderem  Wege  zustande  gekommen
ist.  Das  Jahr  1151  als  Terminus  ante  quem  für  die  Heirat  der  Tochter  Hugos  VIII.
mit  Theoderich  I.  fällt  also  weg,  und  es  ist  durchaus  ein  späterer  Zeitpunkt  für  diese
Eheschließung  denkbar.
Aus  dieser  Ehe  sind  zwei  Söhne  und  mindestens  zwei  Töchter  hervorgegangen,  von
denen  die  Söhne,  Lothar  und  Konrad697,  und  eine  Tochter,  Bertha,  welche  den
Ritter  Eustache  von  Donmartin  heiratete698,  namentlich  bekannt  sind.
1194  wird  die  Tochter  Hugos  VIII.  in  einer  Schenkungsurkunde  ihres  Mannes  für
das  Stift  Steinfeld699  und  in  der  Bestätigungsurkunde  von  Erzbischof  Adolf  von
Köln  für  diese  Schenkung  genannt700.  Auch  Lothar  I,  von  Hochstaden  erwähnt

695  Bader,  Grafen  von  Are,  S.  170.
696  Siehe  dazu  unten  das  Kap.  'Der  Ehekontrakt'.
697  Die  Formulierung  pro  salute  anime  nostre,  uxoris,  filiorum  ac  filiarum  nostrarum  in
einer  Urkunde  Theoderichs  I.  von  Hochstaden,  abgedruckt  bei  I.  Joester,  Urkundenbuch
  der  Abtei  Steinfeld,  Köln-Bonn  1976,  Nr.  30,  S.  28,  setzt  mindestens  zwei  Söhne
und  Töchter  voraus.  Daß  Lothar  I.  von  Hochstaden  lediglich  einen  einzigen  Bruder  hatte,
sei  aus  der  Formulierung  Lothars  ...  qua  a  parentibus  tneis  patre  et  matre  et  fratre  meo
in  einer  Urkunde  für  die  Abtei  Steinfeld  (ebda.,  Nr.  33,  S.  30)  zu  schließen,  meint
Joester  (ebda.,  Nr.  22,  S.  19,  Anm.  1).
698  Siehe  Œuvres  de  Jacques  de  Hemricourt  I,  S.  126  ff.  Der  Name  Bertha  und  ihre  Ehe  mit
Eustache  von  Donmartin  wird  uns  durch  eine  vor  dem  12.  April  1229  ausgestellte
Urkunde  des  Lütticher  Bischofs  überliefert,  in  der  der  Bischof  eine  Schenkung  des
Eustache  de  Donmartin  bestätigt.  Eustache  von  Donmartin  hatte  zusammen  mit  seiner
Gemahlin  Bertha  und  seinem  Sohn  Daniel  der  Abtei  Aywières  den  Zehnten  zu  Haneffe
und  A  bée  geschenkt:  Notum  sit  tam  presentibus  quam  futuris  quod  Eustachius  miles  et
Berta,  uxor  ejus,  Daniele  filio  ejus  praesente  et  consentiente,  decimam  quam  habebant
in  Haneffe  et  in  Abée  cum  ejus  pertinentiis  in  manus  nostras  ad  opus  sororum  de  Awiria
sub  testimonio  multorum  reportaverunt  et  in  ecclesiam  libere  contulerunt  (Druck  der
Urkunde  bei  G.  Kurth,  Chartes  de  l'abbaye  de  Saint-Hubert  en  Ardenne,  1.  Bd.,  Brüssel
1903,  Nr.  199,  S.  252  f.);  vgl.  dazu  die  genealogische  Tabelle  bei  Œuvres  de  Jacques  de
Hemricourt  II,  S.  237;  zur  Namenswaht  Bertha  vgl,  Bader,  Grafen  von  Are,  S.  171,  die
darin  eine  Reminiszenz  an  die  Kaiserin  Bertha/Irene  von  Sulzbach,  die  Gemahlin  Kaiser
Manuels  von  Byzanz,  sieht.
699  Joester,  Urkundenbuch,  Nr.  30,  S.  27  f.:  ...  in  Steinueldensem  ecclesiam  pro  salute
anime  nostre,  uxoris,  filiorum  ac  filiarum  nostrarum  pure  propter  deum  transferimus,
donamus  et  supportamus  (Zitat,  S,  28).
700  Ebda.,  Nr.  32,  S.  29  f.

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