Der Name der Gemahlin Ludwigs I. von Saarwerden, Gertrud, erschließt sich uns
aus zwei Urkunden aus den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts. Am 25. März
1262 stellte Graf Heinrich II. von Saarwerden eine Urkunde aus, in der er dem
Kloster Werschweiler seinen Teil des Allods und des Zehnten zu Lorenzen schenkt,
das einstmals Ludwig I. von Saarwerden und seine Gemahlin Gertrud besaßen683.
Die zweite Urkunde, die Graf Ludwig I. und dessen Gemahlin Gertrud namentlich
nennt, ist vom 22. November 1264 und in derselben Sache ausgestellt. Es
übergaben die Brüder Johannes von Kirkel und Arnold von Siersberg nun ihrerseits
ihren Anteil am ehemalig im Besitz von Ludwig I. und dessen Gemahlin Gertmd
sich befindlichen Allod und Zehnten zu Lorenzen an Werschweiler684.
Einen weiteren Beleg, daß Gertrud aus der Dagsburger Familie stammt, bietet die
Aussage Heinrichs von Kirkel, eines Sohnes der Gertrud, Graf Heinrich von
Blieskastel sei mit ihm blutsverwandt685. Die 'consanguinitas' beider läßt sich leicht
spätestes Datum das Jahr 1153. Dies würde aber zu der biologischen Unmöglichkeit
führen, daß Ludwigs Mutter zum Zeitpunkt der Geburt ihres Sohnes höchstens zehn
Jahre alt gewesen sein dürfte, da sie, wenn sie ein Kind aus der Ehe Hugos VIII. und
Luitgards gewesen ist, frühestens 1143 auf die Welt gekommen sein kann. Es ist jedoch
nicht zwingend notwendig, daß ein Auftreten in einer Zeugenreihe ein handlungsfähiges
Alter des Zeugen, also von mindestens 12 Jahren voraussetzt. Siehe dazu die Belege
oben, S. 94 f. in Anm. 528. Herrmann diskutiert aber auch die Möglichkeit einer
Verschreibung in der Urkunde aus dem Jahre 1165, die uns nicht mehr im Original,
sondern in einer Abschrift aus dem 14. Jahrhundert erhalten ist (Herrmann,
Saarwerden, 2. Bd., S. 52). Herrmann meint, in der Abschrift könnte das filius eine
Verlesung ausfrater sein, was in der Originalurkunde gestanden haben könnte, es wären
also Ludwig I. (= der Ältere) von Saarwerden und sein Bruder Ludwig II. (= der
Jüngere) gemeinsam Zeugen in der Urkunde von 1165 (ebda.). Der gleichnamige Bruder
Ludwigs ist ab 1171 (ebda., 1. Bd., Regest Nr. 52) bis zu seinem Tod in der Lombardei,
der ihn zwischen Dezember 1174 und Dezember 1176 im Heere Friedrich Barbarossas
ereilt hat, nachweisbar (ebda. Regest Nr. 57; vgl. auch ebda., Regesten Nrn 64-66). Die
These Herrmanns, daß Ludwig I. zwei Söhne namens Ludwig hatte, der erste Sohn
namens Ludwig früh verstorben sei (nach 1165), daraufhin ein später geborener Sohn
zur Erhaltung des Namens wieder auf den Namen Ludwig getauft worden sei (ebda., 2.
Bd., S. 52) hat einiges für sich. Als Beispiele für eine gerade in dieser Zeit ausgeübte
Praxis sei an die Namensgebung der Söhne Friedrich Barbarossas erinnert (vgl. Baaken,
Altersfolge, S. 46-78, und Assmann, Friedrich Barbarossas Kinder, S. 435-472).
683 Auszugsweiser Druck der Urkunde bei G. Chr. CROLUUS, Originum Bipontinarum, 1.
Teil, Zweibrücken 1761, S. 135 f.: in allodio ... apud S. Ixiurentium ... cumque eo iure,
quo Dominus Ludovicus quondam Comes in Sanverdie pie memorie maritus Gertrudis
quondam Comitisse ibidem possedit & tenuit; siehe Herrmann, Saarwerden, 2. Bd., S.
52, Anm. 13 und ebda., 1. Bd., Regest Nr. 141, S. 103; A. Neubauer, Regesten des
Klosters Werschweiler, Speier am Rhein 1921, Nr. 221, S. 153 f.
684 Auszugsweiser Druck bei Crollius, Originum Bipontinarum, 1. Teil, S. 147: ... in
allodio & decimis apud S. Laurentium omnique eo iure, quo Dominus Lodewicus
quondam Comes de Sarwerden p. m. maritus Domine Gertrudis quondam Comitisse
ibidem prefata bona tenuit & possedit, siehe Herrmann, Saarwerden, 1. Bd., Regest Nr.
145, S. 104 u. 2. Bd., S. 52 mit Anm. 13; Neubauer, Regesten, Nr. 237, S. 158.
685 München BHStA, Rheinpfälzer Urkunden, Nr. 1924: ... nec non sigillorum dominorum
meorum Th. Treverensis archiepiscopi ac dilecti consanguinei mei H. comitis
Castrensis, quipredicti interfuerunt. Regest bei Herrmann, Saarwerden, 1. Bd., Regest
Nr. 112, S. 95. Die Urkunde ist zwischen 1225 und 1237 ausgestellt (ebda.).
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