Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

frühestens  1189  geschlossen  worden  sein,  Albert  wäre  schon  Mitte  Dreißig
gewesen,  relativ  alt  für  eine  erste  Ehe  bei  einem  mittelalterlichen  Dynasten.  Auch
das  Geburtsjahr  des  einzigen  Kindes  aus  dieser  Ehe,  1206,  spricht  für  einen
Eheschließungstermin,  der  sehr  nahe  an  der  Wende  zwischen  dem  12.  und  dem  13.
Jahrhundert  liegt.  Die  hier  angeführten  Gründe  legen  den  Schluß  nahe,  daß  die
Mutter  Gertruds  eine  zweite  Ehefrau  Alberts  II.  gewesen  sein  könnte.
Es  gibt  aber  durchaus  Indizien,  die  gegen  eine  zweimalige  Eheschließung  sprechen.
So  ist  eine  Güterschenkung  Alberts  II.  für  seine  Memorialstiftung  Val-Notre-Dame
zum  Seelenheil  von  ihm  selbst,  seiner  Frau,  seiner  Tochter,  seines  Bruders,  seiner
Eltern  und  für  alle  seine  Vorfahren  und  Nachkommen  erfolgt674.  Eine  verstorbene
erste  Ehefrau  läßt  er  aber  unerwähnt,  was  zum  Aufhorchen  Anlaß  gibt.  So  bliebe
nur  noch  die  Möglichkeit,  daß  die  erste  Ehe  geschieden  worden  wäre.  Die  lange
Zeit  der  Kinderlosigkeit  Alberts  II.  bietet  durchaus  Raum  für  solche  Überlegungen.
Wenn  auch  Kinderlosigkeit  nicht  als  offizieller  Grund  bei  Scheidungen  angegeben
werden  konnte,  so  war  sie  doch  häufig  aus  dynastischen  Gründen  Anlaß  zu
Scheidungen675.  Allerdings  fehlt  auch  der  kleinste  Hinweis  in  den  Quellen,  der
bezüglich  einer  Ehe  Alberts  II.  in  diese  Richtung  weist.  Es  muß  letztendlich
offenbleiben,  wie  oft  Graf  Albert  II.  von  Dagsburg  wirklich  verheiratet  gewesen  ist.

Gertrud,  die  Gemahlin  Graf  Ludwigs  I.  von  Saarwerden
Die  wahrscheinlich  nach  ihrer  Großmutter  benannte  Tochter  Hugos  VIII.  und
Luitgarts,  Gertrud,  wurde  mit  dem  Grafen  Ludwig  I.  von  Saarwerden  verheiratet.
Der  Name  dieser  Tochter  erschließt  sich  uns  nicht  direkt,  d.  h.  es  wird  nirgends  eine
Gertrud  als  Tochter  Hugos  und  der  Luitgart  genannt,  wohl  können  wir  aber  aus
ihrer  Eheverbindung  mit  dem  Grafen  von  Saarwerden  ilire  Abstammung  und  ihren
Namen  erkennen676.
Zu  ihrer  Abstammung  berichtet  uns  eine  Metzer  Chronik  aus  dem  15.  Jahrhundert
folgendes:  Lan  mil  iic  faillir[ent]  les  conte  de  Metz  et  tombit  a  la  maison  de
Lhorraine  par  une  seulle  fille  que  Abert  conte  de  Metz  et  Dabor  avoit  nommee
Katherinne  qui  fust  femme  a  Thiebault  duck  de  Lorraine  filz  de  Ferry  duck  de
Lorraine  icelluy,  et  le  conte  de  Sarwerden  espuse  sa  taute  qui  donnait  le  patronaige

674  Siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  14:  ...  pro  remedio  anime  mee  et  parentum  tneorum
Jratrisque  mei  Henrici  et  uxoris  mee  ac  filie  et  antecessorum  cum  meis  successoribus
contuli.
675  Man  vergleiche  dazu  nur  die  Behauptung  bei  Richeri  gesta  Senonensis  ecclesiae,  ed.  G.
Waitz,  MGH  SS  XXV,  lib.  IV,  cap.  23,  S.  312,  die  Ehe  zwischen  der  Tochter  Alberts
II., Gertrud  von  Dagsburg,  und  Graf  Theobald  IV.  von  der  Champagne  sei  wegen
Unfruchtbarkeit  Gertruds  aufgelöst  worden:  Comes  vero  Campanie  adhuc  adolescens
audiens  comitatum  illum  tam  opulentum,  relictam  ducis  Lotoringie  accepit  in  uxorem,  et
hoc  causa  comitatus.  Set  cum  eam  aliquandiu  habuisset,  quia  sterilis  erat,  eam
repudiavit.
676  Siehe  dazu  unten,  S.  122.

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