Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Ein  weiteres  auffallendes  Faktum  stellt  der  Name  des  Dagsburger  Grafen  dar.
Durch  eine  Urkunde  Hugos  VIII.,  ausgestellt  1146  für  die  Abtei  Neufmoustier  in
Huy,  auf  die  zuerst  Ferdinand  Tihon  hingewiesen  hat529,  erfährt  man,  daß  Hugo
VIII. einen  Doppelnamen  trug,  wie  er  selbst  von  sich  behauptet:  Ego  Heinricus,
cognotnine  Hugo  vocatus,  dei  gratia  Dazburgensis  comes53°.  Der  Graf  wird  auch  in
allen  übrigen  bekannten  Urkunden  unter  dem  Namen  Hugo  angeführt,  lediglich  im
Nekrolog  von  Floreffe  taucht  er  noch  unter  dem  Namen  Heinrich  auf531.
Hugo  VIII.  ist  in  den  fünfziger  Jahren  relativ  häufig  am  Hof  Friedrichs  I.  zu  finden532.
  Er  beteiligte  sich,  wenigstens  zum  Teil,  am  ersten533  und  ebenfalls  partiell

Alter  von  fünf  Jahren  (D  K  III  80)  und  als  Siebenjähriger  am  23.  Februar  1144  (D  K  III
97)  und  im  Juni  1144  (D  K  III,  107).  Es  sei  zudem  noch  bemerkt,  daß  Heinrich  erst  1147
zum  König  gewählt  worden  ist  (vgl.  Otto  von  Freising  in:  Ottonis  et  Rahewini  Gesta
Friderici  I.  imperatoris,  lib.  I,  cap.  45,  S.  63),  somit  also  in  den  genannten  Urkunden
seines  Vaters  nicht  kraft  des  Königsamtes  als  Zeuge  auftreten  konnte,  was  seiner
Zeugenschaft  eine  andere  rechtliche  Qualität  gegeben  hätte,  ein  Umstand,  der  die
Beweiskraft  dieser  Argumentation  zweifellos  gemindert  hätte.  Als  weiteres  Beispiel  für
die  Minderjährigkeit  von  Zeugen  kann  Friedrich  der  Rothenburger  angeführt  werden.  So
ist  der  etwa  achtjährige  Herzog  als  Zeuge  in  Diplomen  König  Friedrichs  I.  nachweisbar,
so  in  D  F  I  61  und  62,  beide  vom  Juni  1153;  die  Behauptung  in  D  F  I,  1.  Bd.,  Register,  S.
397,  Friedrich  der  Rothenburger  sei  am  27.  Januar  1153  in  D  F  I  45,  S.  75,  Zeile  23
genannt,  ist  irrig.  Bei  der  angegebenen  Person  handelt  es  sich  indes  um  dessen
Urgroßvater,  Herzog  Friedrich  I.  von  Schwaben;  vgl.  dazu  auch  Hofmeister,  Puer,  S.
297.  Die  allerdings  von  Hofmeister  behauptete  Zeugenschaft  des  siebeneinhalbjährigen
Rothenburgers  in  dem  am  12.  Dezember  1152  ausgestellten  Diplom  des  Königs  beruht
auf  einem  Irrtum,  denn  der  in  der  Zeugenreihe  genannte  Fridericus  dux  (ebda.,  S.  66)  ist
niemand  anders  als  Friedrich  Barbarossa  selbst,  wie  von  Th.  Mayer,  Das  Diplom
Friedrichs  I.  vom  12.  Dez.  1152  (St.  3654)  und  die  Gründung  des  Klosters  Altenburg-Arnsburg,
  in:  MIÖG  Ergänzungsbd.  14,  Innsbruck  1939,  S.  235-248,  schlüssig  bewiesen
worden  ist.  Die  Urkunde  ist  in  der  Zeit  der  Thronvakanz  im  Februar  1152,  nach  dem
Tode  Konrads  III.  und  noch  vor  Barbarossas  Regierungsantritt,  angefertigt  worden,  der
Herrschername,  das  rex  augustus  und  das  Eschatokoll  wurden  nachträglich  eingefügt
(vgl.  die  Vorbemerkung  zu  D  F  I  38,  S.  64).  Zur  politischen  Interpretation  der  Urkunde
siehe  neuerdings  den  Aufsatz  von  G.  Althoff,  Die  merkwürdige  Urkunde  aus  Kloster
Arnsburg,  in:  Damals.  Das  Geschichtsmagazin  24,  1992,  S.  1030-1049,  der  auch  die
wichtigste  Literatur  dazu  verzeichnet.
529  Tihon.  Dissertation,  S.  254.
530  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  de  Neufmoustier,  boîte  de  chartes  1,  n°  4;  Druck:  DE
Marneffe,  Recherches,  S.  262  f.;  Regest:  G.  Hansotte,  Inventaire  des  archives  de
l'abbaye  de  Neufmoustier,  T.  1,  Bruxelles  1960,  Nr.  4.
531  Siehe  unten,  S.  96  u.  Anm.  538.
532  1153:  30.  Januar  in  Colmar:  Zeuge  in  D  F  I  46;  11.  Juni  in  Worms:  Zeuge  in  D  F  I  58;
12. Juli  in  Erstein:  als  Vogt  von  Erstein  in  D  F  I  65  genannt.  -  1154:  17.  Januar  in
Speyer:  Zeuge  in  D  F  I  69;  kurz  nach  dem  23.  Juni  in  Maastricht:  als  Intervenient
zusammen  mit  seiner  Mutter  in  D  F  I  83.  -  1155:  7.  September  in  Trient:  Zeuge  in  D  F  I
123.  -  1156:  25.  Januar  in  Straßburg:  Zeuge  in  D  F  I  133;  20.  Februar  in  Frankfurt:
Zeuge  in  D  F  I  134;  wahrscheinlich  im  Februar  in  Frankfurt:  Zeuge  in  D  FI  136.  -  1157:
14.  November  in  Montbarrey:  Zeuge  in  D  F  I  191;  Zeuge  in  drei  am  18.  November  in
Arbois  ausgestellten  Urkunden,  DD  F  I  192-194;  Zeuge  in  zwei  am  23.  November  in
Besançon  ausgestellten  Urkunden,  DD  F  I  195/196;  25.  November  in  Besançon:  Zeuge
in  D  F  I  197.

95
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.