Full text: Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft

Politik der Westintegration. Zum anderen sah er in seinem saarpolitischen Engagement 
lange Zeit auch die Perspektive, Rheinland-Pfalz durch eine Eingliederung des Saar¬ 
landes als Regierungsbezirk Saarbrücken mit seinem hohen Katholikenanteil zu einer 
CDU-Festung auszubauen.344 Welche Motive Adolf Ludwig leiteten, kann aus den 
Quellen nicht ersehen werden. Möglicherweise dachte er als Sozialdemokrat und 
Gewerkschaftler eher daran, daß der hohe Arbeitnehmeranteil an der Saar doch ein 
Weg sein könnte, im Falle einer Angliederung des Saarlandes an Rheinland-Pfalz, 
langfristig sozialdemokratische Wähler schichten in größerem Maße gewinnen zu 
können. Bis in die fünfziger Jahre belastete die rheinland-pfälzischen Genossen ihre 
kritische Einstellung zum künstlich geschaffenen Land Rheinland-Pfalz, eine Anglie¬ 
derung des Saarlandes könnte auch hier neue Perspektiven eröffnen und eine positive 
parteipolitische Dynamik entwickeln.345 Möglicherweise könnte auch Ludwig über die 
wirtschaftlichen Nachteile der bestehenden Situation für die Pfalz zu seinem saar¬ 
politischen Engagement bewegt worden sein. Die in Zweibrücken ansässigen Ding- 
lerwerke waren z.B. zu Betriebseinschränkungen und Stillegungen gezwungen, weil 
die Schwerindustrie des Ruhrgebietes keine Kontingente für das bisher von saarlän¬ 
dischen Firmen gelieferte Walzeisen zur Verfügung stellen wollte. Sie ging davon aus, 
daß nach Inkrafttreten des Schumanplans diese Firmen als Kunden wieder ausfallen 
würden.346 
7. Christliche Gewerkschaften und Opposition 
7.1 Primat der parteipolitischen vor der gewerkschaftlichen Opposition 
CDU-Saar als "notwendige Vorleistung" 
Auch in den Reihen der christlichen Gewerkschaften ist eine nahezu kontinuierlich 
wachsende Opposition zu beobachten. Markus Gestier sieht sie wohl sogar als Wurzel 
und Vorläufer der CDU-Saar:"Zu Beginn der fünfziger Jahre zeichnete sich schon ab, 
daß die Spaltung des christlichen Lagers vollzogen war, noch bevor oppositionelle 
Männer und Frauen christlicher Weltanschauung sich in einer Partei, der CDU Saar, zu 
organisieren begannen."347 Man wünscht sich, Gestier hätte seine Bewertung näher 
ausgeführt. Im Gegensatz zu Conrad, der den Aufbau der DSP mit der Gewerkschafts¬ 
arbeit systematisch verknüpfte, scheint zumindest ein Teil der oppositionellen christli¬ 
chen Gewerkschaftler zunächst vorrangig ihre Aufgabe im Aufbau der CDU-Saar 
gesehen zu haben. Das deutet daraufhin, daß im christlichen Lager Parteiopposition vor 
gewerkschaftlicher Opposition stand und im Gegensatz zur oppositionellen Sozialde¬ 
mokratie keine Verzahnung beider Komponenten zu beobachten ist. 
344 Küppers, Staatsaufbau , S.250, 252, 256, 264, 265 mit Anm.479, S.269, 270-274. 
345 Vgl. Kusch, Die Wiedergründung der SPD, S.300. 
346 BA KO, B 137, Nr.3410. Vermerk zur Dienstreise nach Zweibrücken am 5./6.6.51, III-1/769/51 AZ 70. 
347 Markus Gestier, Die christlichen Parteien, S.156. 
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