Full text: Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft

ländische Sozialdemokraten" zu typisieren340, obwohl das besondere saarpolitische 
Engagement Adolf Ludwigs grundsätzlich zunächst eher dafür spricht. Ludwig unter¬ 
stützte auch die Bemühungen Conrads zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen 
DGB und oppositionellen Saargewerkschaftlern. Dabei nutzte er seine Möglichkeiten, 
stellte - wie schon erwähnt - das Gewerkschaftshaus in Elmstein zur Verfügung, 
obwohl Albin Karl vom DGB-Bundesvorstand sich in der Frage der Schulungsunter¬ 
stützung von Saargewerkschaftlern restriktiv verhielt. Ludwig bemühte sich über das 
rheinland-pfälzische Innen- und das Sozialministerium, "die Kaiser-Achse" zu akti¬ 
vieren und so das Verhältnis zwischen oppositionellen Saar-Gewerkschaftlern und 
DGB-Bundesvorstand zu verbessern. In diesem Zusammenhang versuchte dann das 
Kaiser-Ministerium Herrn von Karp, der die parlamentarische Verbindungsstelle des 
DGB leitete, zwischenzuschalten. Er sicherte zu, mit Ludwig Rosenberg zu sprechen, 
um das Verhältnis des DGB-Bundesvorstandes zur DSP zu verbessern und den DGB 
zu veranlassen, über die Neuauflage einer finanziellen Unterstützung der Jugendarbeit 
der oppositionellen Saargewerkschaftler nachzudenken.341 Ludwig bemühte sich im 
Sinne Conrads, die Verflechtung zwischen DSP, Gewerkschaftsopposition und SPD in 
die Praxis umzusetzen, so veranlaßte er, daß bei der "Allgemeinen Zeitung" für Nord¬ 
baden und die Pfalz für die DSP anläßlich des Wahlkampfes im November 1952 
30.000 Flugblätter und 20.000 Klebezettel hergestellt wurden, ein Beispiel für die 
Koordinierung der Oppositionsarbeit, denn die finanziellen Voraussetzungen hatte das 
Ministerium für gesamtdeutsche Fragen geschaffen.342 Nicht zuletzt vor dem Hinter¬ 
grund des guten Einvernehmens zwischen Conrad und Ludwig wurde für die DSP und 
die gewerkschaftliche Opposition das angrenzende Rheinland-Pfalz zur Hauptopera¬ 
tionsbasis zur Abstimmung gemeinsamer Aktionen, vor allem Kusel und Zweibrücken 
sowie Bruchmühlbach-Miesau.343 
Die Sonderrolle regionaler Eliten wie des rheinland-pfälzischen DGB ergänzt sich mit 
den Ergebnissen Heinrich Küppers zur Landespolitik. Ministerpräsident Altmeier 
(CDU) unterstützte den Deutschen Saarbund mit öffentlichen Mitteln und wünschte 
gegenüber Adenauer eine stärkere Akzentuierung der Saarfrage. Im Gegensatz zu 
Jakob Kaiser war er mehr Pragmatiker als Dogmatiker und unterstützte Adenauers 
340 
Küppers, Staatsaufbau, S.l 18-120. W o 1 f r u m, Französische Besatzungspolitik, S.22. 
341 BA KO, B 137, Nr.3478, Schreiben des DGB-Rheinland-Pfalz an den Minister des Innern, Schreiben 
des Sozialministers von Rheinland-Pfalz an Jakob Kaiser vom 30.11.53; ebd., III/1-079-1030/54, Vermerk 
vom 26.4.54. DGB-Archiv, 24/348, Notiz zu Besprechung zwischen Karl und Conrad vom 27.1.53. Ebd., 
24/351,von Karp an A. Karl vom 4.5.54. 
342 Ebd., Bl. 19, Notiz. 
343 MAE Nantes, HCS, Cab. Polit,, Doss.69, Bl. 15, Vermerk von A. Harnist vom 20.11.53 über Treffen im 
"Weißen Rössel" in Bruchmühlbach-Miesau. Siehe auch die Treffen von Vertretern der IG Bergbau und 
des verbotenen I.V. Bergbau in Kusel seit 1951, vgl. ebd. Mission Juridique, Questions econom. 
(M.J./Q.E.), E VI 4 / E VI 5, Telegramm an Miss. Dipl. Sarre. Auch: Kotthoff und Ochs, 
Mitbestimmung, S.45. 
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