Full text: Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft

Dezember 1945 ein selbständiger knappschaftlicher Versicherungsträger für das 
Saarland, die Saarknappschaft, errichtet worden.27 
3. Ausgangssituation in der Sozialversicherung nach 1945 
3.1 Finanzielle Probleme 
Wie die Sozialversicherung in den übrigen Teilen des ehemaligen Deutschen Reiches 
standen auch die Sozialversicherungsträger im Saarland vor dem Problem weitgehend 
leerer Kassen, an noch vorhandene Vermögenswerte außerhalb des Landes war kaum 
heranzukommen.28 Die Finanzsituation war besorgniserregend, gestaltete sich aber in 
den einzelnen Versicherungsbereichen unterschiedlich. Die finanzielle Ausgangs¬ 
situation in der Angestelltenversicherung war günstiger als in der Invalidenversiche¬ 
rung, die gewerbliche und die landwirtschaftliche Unfallversicherung waren mittellos 
geworden, katastrophal war die Lage bei der Saarhüttenknappschaft.29 Insgesamt 
verfügte die LVA am 31. Dezember 1945 theoretisch über ein Reinvermögen von 168 
Millionen Reichsmark, wovon allerdings 140 Millionen wertlos waren, weil es sich um 
Wertpapiere des Reiches handelte.30 Der Saarknappschaft fehlten Ende 1945 im Be¬ 
reich der Kranken- und Rentenversicherung 23 Millionen Reichsmark.31 
Peter Zimmer, nach 1945 in leitender Position im Beirat und Vorstand der Saarknapp¬ 
schaft, schilderte die Situation sehr anschaulich: "Als ich die Knappschaft übernommen 
habe, haben mir die Beamten mitgeteilt:' Kein Pfennig Geld ist da, wir haben 3 Millio¬ 
nen fällige Bankschulden'. Ich sollte aber monatlich 5 Millionen Mark Renten auszah¬ 
len und hatte ein Beitragsaufkommen von monatlich 200.000 Mark."32 
Die geleerten Kassen innerhalb der Sozialversicherung wurden letztlich mit Hilfe der 
französischen Besatzungsmacht gefüllt, so erhielt die Saarknappschaft pro Monat einen 
Zuschuß von 2,5 Millionen RM.33 Für die anderen Sozialversicherungsträger dürfte 
dies nicht anders gewesen sein. 
Vor diesem Hintergrund wurden Rentenhöchstgrenzen für alle Sozialversicherungs¬ 
bereiche eingeführt, die für viele de facto eine Rentenkürzung bedeuteten. Die Knapp- 
schaftlichen Versicherungsempfänger erhielten im Mai 1945 ihre Renten bis maximal 
80 Mark ausbezahlt. Von Juni bis August 1945 wurden keine Renten ausgezahlt und ab 
27 Abi.1945, S.61. 
28 K 1 e i n, Die Entwicklung der Sozialversicherung, S.341. 
29 Archiv des Saarländischen Landtages Saarbrücken (LTA SB), Niederschrift zur Sitzung des Ausschusses 
für Sozialpolitik vom 4.2.48. 
30 Geschäftsbericht der LVA , S.10. 
31 
Knappschaft Saarbrücken (KSB), Niederschrift über Sitzung des vorläufigen Vorstandes der 
Saarknappschaft vom 10.10.46. 
32 Landtag des Saarlandes (LTS), Drucksachen (DS), I. Wahlperiode (WP), Nr.28, Niederschrift zur Sitzung 
vom 3.7.48, S.6. 
33 LA SB, MifAS, Bü.8, Niederschrift über Sitzung des Beirates der Saarknappschaft vom 22.10.45. 
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