Full text: Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft

Ein weiteres Beispiel für die Distanz der saarländischen Bevölkerung zu den Opfern 
des Nationalsozialismus ist die ablehnende Haltung des Homburger Bürgermeisters zu 
dem Plan, ein Anwesen der Karlsbergbrauerei auf dem Schloßberg in Homburg zu 
einem Sanatorium für Opfer des Nationalsozialismus umzubauen. Die Begründung 
spricht für sich. Auf die Höhengaststätte in Homburg könne wegen der Zerstörung und 
Beschlagnahme einer großen Anzahl öffentlicher Gaststätten nicht verzichtet werden.428 
Angesichts solcher Äußerungen gewinnt man den Eindruck, daß Hoffmann und die 
CVP wohl die Problematik erkannten, daß eine besonders strenge Entnazifizierung und 
eine großzügige Wiedergutmachung das politische Konzept einer autonomen Saar 
gefährden könnten. Ein besonderes Engagement in Wiedergutmachungsfragen beinhal¬ 
tete die Gefahr einer Polarisierung zwischen der Minderheit ehemaliger Emigranten 
und der Mehrheit der saarländischen Bevölkerung. 
Die Aura 'Emigrantenrepublik' erschwerte die Wiedergutmachung 
Eine nach streng moralischen Gesichtspunkten ausgerichtete, großzügige Wieder¬ 
gutmachungspolitik hätte vor dem Hintergrund der zahlreichen Remigranten in der 
politischen Führung, den Eindruck erwecken können, als ob die Regierung sich selber 
bediene. Dieses Problem sprach der SPS-Abgeordnete Hermann Petri bereits in einer 
Landtagsdebatte im Juli 1948 an:"(...) viele Zurückgekehrte (...), die heldenhaft für ihre 
Überzeugungen gestanden haben, denen ist es sehr unangenehm, wenn Sie im Hohen 
Hause dafür eintreten sollen, daß für sie eine Entschädigung gezahlt werden soll".429 
Die Problematik, sich selbst entschädigen zu müssen, zeigt sich auch in ähnlicher 
Weise bei der Frage eines "Mahnmales für die Opfer des Nationalsozialismus." Ein 
entsprechender Gedanke war vom VVN dem Ministerrat unterbreitet worden. Der 
Ministerrat schlug stattdessen vor, ein "Friedensdenkmal" zu errichten.430 Ein Mahnmal 
nur für die Opfer des Nationalsozialismus grenzte die Mehrheit der Saarländer aus, mit 
einem Friedensdenkmal konnte sich ein viel größerer Kreis identifizieren, vor allem 
evozierte der Begriff keine trennenden oder ausschließenden Assoziationen. Die WN 
hielt es für notwendig, den Terminus Friedensdenkmal als "zu allgemein gefaßt" 
abzulehnen.431 
LA SB, RP, Nr.119, Bl.31-35. Das Anwesen erwies sich im übrigen als ungeeignet. Korrespondenz 
zwischen Bürgermeister von Homburg und Regierungspräsidium, Abteilung Arbeit. 
429 LTS DS 1/37, Niederschrift zur Sitzung vom 30.7.48, S.8. 
430 LA SB, StK, Nr.32Q4, VVN an Regierung des Saarlandes vom 29.6.50, VVN an ebd. vom 12.8.50. 
431 
Ebd. In gewisser Hinsicht stellt sich hier auch die Frage nach der Einstellung und Auseinandersetzung 
der saarländischen Öffentlichkeit mit dem Thema Widerstand, denn ein "Mahnmal für die Opfer des 
Nationalsozialismus" wäre auch Mahnmal für den Widerstand gewesen. Siehe für die Bundesrepublik: 
Christiane Toyka-Seid, Der Widerstand gegen Hitler und die westdeutsche Gesellschaft: 
Anmerkungen zur Rezeptionsgeschichte des 'anderen Deutschland* in den frühen Nachkriegsjahren, in: 
Peter Steinbach und Johannes Tuchei (Hrsg.), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bonn 1994, 
S.572-581. 
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