Full text: Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft

Manche lehnten es ab, ihren Arbeitern diesen Feiertag zu bezahlen.7 Interessant ist 
dabei, daß das Hohe Kommissariat bei Inkrafttreten der Währungsunion im November 
1947 noch das Ziel verfolgte, im Sinne einer Assimilierungspolitik die saarländische 
Feiertagsregelung der französischen anzugleichen. Es waren aber politische Motive, die 
den französischen Wirtschaftspartner davon Abstand nehmen ließen. In Frankreich 
waren Neujahr, Ostermontag, der 1. Mai und der 14. Juli sowie zwei Weihnachtstage 
als gesetzliche Feiertage anerkannt, als bezahlter Feiertag aber nur der 1. Mai. Eine 
Angleichung an die französische Gesetzgebung wäre also mit erheblichen Nachteilen 
für die saarländischen Arbeitnehmer verbunden gewesen. Alphonse Rieth als Vertreter 
des Hohen Kommissariates betonte, daß die günstigere französische Urlaubsregelung8 
im Saarland schon im November 1947 eingeführt worden sei, und somit bei einer 
Angleichung an die französische Feiertagsregelung de facto für die saarländischen 
Arbeitnehmer keine Verschlechterung eintreten würde. Das Hohe Kommissariat wies 
auf die wirtschaftlichen Probleme hin, die Einführung der französischen Urlaubs¬ 
regelung beschere den Saarländern vier Tage mehr Urlaub. Unter diesen Umständen 
bedeutete eine Beibehaltung der saarländischen Feiertagsregelung eine doppelte Last 
für die Arbeitgeber9, brachte den Arbeitnehmern aber erhebliche Vorteile. 
Die saarländische Seite versuchte im Gegensatz zum französischen Wirtschaftspartner, 
die Feiertagsregelung losgelöst von wirtschaftlichen Fragen zu betrachten und stellte 
kulturelle Aspekte in den Vordergrund, wie dies in der Position von Georg Schulte, 
Mitglied der Verwaltungskommission als Direktor für Inneres, deutlich wird. Es 
bestünden keine Bedenken, neue Feiertage einzuführen, aber die bisherige Feiertags¬ 
regelung müsse im Sinne der "Erhaltung des kulturellen Brauchtums" bewahrt bleiben 
und das hieß, die Feiertagsregelung nicht anzutasten.10 
Wenn einerseits die Urlaubsregelung Frankreich angeglichen wurde und andererseits 
im Saarland die Anzahl der bezahlten Feiertage höher als in Frankreich war, bedeutete 
dies eine erhebliche Besserstellung. Die günstigere saarländische Feiertagsregelung 
sollte nicht nur erhalten bleiben, sondern wurde sogar durch den arbeitsfreien St. 
Barbaratag am 4. Dezember noch ausgebaut. Die heilige Barbara war die Schutz¬ 
patronin der Bergleute und Kanoniere. Während des Kulturkampfes waren im Saarland 
Barbara-Vereine entstanden. Viele saarländische Bergmannsdörfer wählten die Heilige 
zur Ortspatronin, in zahlreichen Kirchen wurden ihr Seitenaltäre geweiht.11 Der Bar¬ 
7 
MAE (Ministère des Affaires Etrangères) Nantes, HC Sarre (HCS), Mission Juridique/Questions Sociales 
(M.J/Q.S.), J I 1, Miss. Jur. an Grandval vom 25.10.48. 
8 Anordnung 47-65 vom 18.11.47, in: Abl.1947, S.704. 
9 MAE Nantes, HCS, M.J./Q.S,, III, Vermerk von Alphonse Rieth vom 8.1. und 14.1.48. 
10 LA SB, VWK, Nr.260, Vermerk von Direktor Schulte vom 13.12.47. 
Klaus-Michael M a 11 m a n n und Horst Steffens, Lohn der Mühen. Geschichte der Bergarbeiter an 
der Saar, München 1989, S.57. 
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