Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

Zehnten befaßte sich gesondert eine Bulle vom 17. Januar 1260, die erneut von 
Versuchen sprach, Weiler-Bettnach bestehende Privilegien streitig zu machen42. 
Honorius III. hatte 1224 festgelegt, alle Zisterzienserklöster seien von Zehntabga¬ 
ben befreit für: Besitz, den sie bereits vor dem Konzil - gemeint ist damit das 4. 
Laterankonzil 1215 - hatten; von Gärten und Sträuchem; von Fischereirechten; vom 
Tierzehnten43, d.h. von Leistungen aus der klostereigenen Viehzucht. Diesen Ka¬ 
talog bestätigte Alexander IV. Weiler-Bettnach wortgetreu. Auch das fünf Tage 
später verfaßte Privileg griff eine weitverbreitete Begünstigung des Ordens auf44, 
die zu den Kernstücken der inneren Verfassung gehört. Es behandelte die Berechti¬ 
gung, die Abteien des Ordens zu visitieren, behielt diese den Zisterzienseräbten 
oder den von diesen dazu bestellten Vertretern vor und verhinderte so die Einflu߬ 
nahme des Episkopats oder anderer Orden. 
Den Abschluß der Urkundenserie Alexanders bildete eine zwar genuin auf Weiler- 
Bettnach anzuwendende Privilegierung, die jedoch durchaus gängiger Praxis ent¬ 
sprach. Im Klosterareal war eine Kirche erbaut worden, die bald zu Ehren der hl. 
Katharina geweiht werden sollte. Alexander gewährte allen, die am Jahrestag dieser 
Weihe oder innerhalb der Oktav die Kirche als Bußfertige und Bekenner besuchten, 
einen Ablaß von hundert Tagen45. Solche Gunsterweise nutzten die Klöster, um ei¬ 
ne große Besucherzahl zur Wallfahrt zu motivieren, was für die Abteien eine be¬ 
trächtliche Komponente in ihrer Wirtschaftsführung bedeuten konnte. Bei den Zi¬ 
sterziensern steht dies jedoch im Gegensatz zum Ideal der Weltabgeschiedenheit; 
zudem läßt sich ein ins Gewicht fallender Pilgerstrom nach Weiler-Bettnach nicht 
nach weisen. Möglicherweise profitierte man hier von Wallfahrten am Festtag des 
Kirchenpatrons in Orten, in denen man begütert und präsent war46. Ein von J.B. 
ante concilium generale ante quod susceperunt eiusdem ordinis instituta, quas propriis manibus 
aut sumptibus excolunt, seu nutrimentis animalium suorum spretis apostolice sedis privilegiis ex¬ 
torquere, si de hiis vobis manifeste constiterit, canonica monitione premissa, si laici fuerint, publi¬ 
ce candelis accensis singuli vestrum in diócesi et ecclesiis vestris excommunicationis sententiam 
percellatis, si vero clerici vel canonici regulares seu monachi extiterint, eos appellatione remota 
ab officio et beneficio suspendatis ... 
42 ADM H 1714, fol. 425r-426v. 
43... de nutrimentis animalium; der Wortlaut dieses Formulars bei TANGL, S. 230; POTTHAST Nr. 
7313. 
44 ADM H 1714, fol. 569v-570v; TANGL, S. 256f. Nr. 16; vgl. bei POTTHAST die Nummern 
11.636 [1245 IV 26], 11.646 [1245 V 2], 11.976 [1245 XII 23] u.ö. 
45 ADM H 1714, fol. 568v-569r; WOLFRAM: Regesten, S. 204 Nr. 82; vgl. auch DORVAUX, S. 
481 Anm. 3. BOULANGÉ, S. 214, spricht davon, der Ablaß habe nur ftlr diejenigen gegolten, die 
zuvor gebeichtet und die Kommunion empfangen hatten (Air qui confessi et sacra sinaxi muniti vi¬ 
sitabunt capellam Sanctae Catharinae in die dedicationis ipsius omnibus vere penitentibus et con¬ 
fessis). Zu weiteren Ablaßprivilegien dieser Art s, das Incipit "Vite perennis gloria" im Initienver- 
zeichnis zu POTTHAST. 
46 In das nur wenige Kilometer vom Kloster entfernte St.-Jacques (Gde. Charleville-sous-Bois, Ktn. 
Vigy), wo Weiler-Bettnach nach ALTE TERRITORIEN II, S. 344, einen Hof besessen haben soll, 
fllhrte jährlich am 25. Juli eine Wallfahrt zu Ehren der Kirchenpatrone Jakobus und Christophorus 
(REL III, S. 968). 
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