Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

diese Begebenheiten mit eingeflossen sein. Denkbar wäre auch, daß im Zusammen¬ 
hang mit der Reise zum Generalkapitel Abt Johann von Viktring im Laufe seines 
mehr als drei Jahrzehnte dauernden Abbatiats Weiler-Bettnach und das Umland 
kennenlemte. Fichtenau verweist in Anlehnung an F. Schneider und M. Roscher 
auf einen 1308 in Viktring urkundlich belegten Johans der chastnefö, der mit dem 
späteren Historiographen identisch sein dürfte. Die Tatsache, daß generell das Amt 
des Cellerars beste Voraussetzungen bot für eine zukünftige Wahl zum Abt, unter¬ 
mauert diese Ansicht. Die Argumentation allein mit dem Wissensstand Johanns 
über das Pays Messin reicht nicht aus, um eine Herkunft aus Weiler-Bettnach zu 
postulieren. 
Die Bedeutung der Zisterzienserabtei Viktring im Ordensverband stand hinter der 
für den Handelsverkehr weit zurück. Aufgrund ihrer Lage in der Nähe der Verbin¬ 
dung zwischen Kärnten und dem Balkan sollte sie in Absprache mit den Herzögen 
im Abschnitt zwischen Sapotnica und dem Loiblpaß den Schutz der Reisenden ge¬ 
währleisten. Auf der Paßhöhe betrieb Viktring ein Hospiz. Seit dem Jahre 1239 
hielt sich ständig jemand aus dem Kloster in St. Leonhard auf, um den Vorüberzie¬ 
henden Hilfe und Rat anzubieten46 47. 
b) Eußerthal 
Von den Tochterklöstem Weiler-Bettnachs war Eußerthal zweifellos zumindest für 
eine geraume Zeit das mit Abstand bedeutendste48. Trotz den dürftigen Überliefe¬ 
rungslage49 werden die engen Verbindungen zu den Staufern sichtbar, die vorwie¬ 
gend geographisch aus der Lage Eußerthals am Fuße der Burg Trifels resultierten50. 
Mit dem Jahre 1168 setzten die staufischen Gunsterweise für das Zisterzienser¬ 
kloster ein51. Analog zum Aufstieg des Trifels zur wichtigsten Reichsburg52 wuchs 
auch die Bedeutung Eußerthals. Vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jh. wurden 
der Abtei als besondere Gunst die geistliche Betreuung der Burg und die Hut der 
Reichskleinodien übertragen53. Der geistliche Burgdienst währte bis zum Jahre 
46 FICHTENAU, S. 39. 
47 Zu dieser offenbar weitgehend unbekannten Komponente der Viktringer Geschichte s. KREUZER, 
S. 77. 
48 Zur Geschichte Eußerthals vgl. SCHERER; LUTZ; WERLE; DOLL; RÖDEL. 
49 Es existieren fast nur noch Güterurkunden. 
50 Bei der Gründung soll allerdings Konrad III. zugegen gewesen sein; vgl. Anm. 57. 
51 MGH DF I. Nr. 548 (1168 XI 26, Worms). 
U.a. wurde auf der Burg Trifels 1193/94 König Richard I. von England gefangengehalten; nach 
seiner Hochzeit mit Konstanze von Sizilien brachte 1195 Heinrich VI. den normannischen Königs¬ 
schatz hierhin; im 12./13. Jh. beherbergte die als uneinnehmbar geltende Burg über weite Phasen 
die Reichskleinodien. 
53 RÖDEL, S. 43, nennt in Anlehnung an ältere Literatur das Jahr 1233. Unklar ist, wie er zu diesem 
Datum gelangt. SCHULZ: Zisterzienser, S. 189 Anm. 30, geht bis ins Jahr 1186 zurück. Erstmals 
wird ein solches Privileg Eußerthals in einer Urkunde König Adolfs von Nassau vom 26. Juli 1296 
erwähnt (WÜRDTWEIN: Nova Subsidia, Bd. XII, S. 266-271 Nr. 129; BÖHMER/SAMANEK Nr. 
49
	        

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