Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

und zwei Männerzisterzen7 die wirtschaftliche Funktion von Klosterhöfen in Trier, 
Metz und Luxemburg sowie das personale Beziehungsgeflecht zwischen Stadt, 
Stadthof- und Klosterpersonal untersuchte8, gelangte unter dem Aspekt der wirt¬ 
schaftlichen Ausrichtung zu einer detaillierten Schwerpunktsetzung. Besonders für 
die Stadthöfe der Männerklöster stellte er auf die Dauer vom 12. bis zum 14. Jh. 
drei Phasen heraus, die sich zwar überlagerten, in ihrer Abgrenzung voneinander 
aber charakteristisch blieben. Als Ergebnis formulierte er: "Idealtypisch gesehen 
fungierten sie im 12. Jahrhundert als »Grangie« in der Stadt, im folgenden Säkulum 
vorwiegend als »Handelshof« und spätestens seit dem 14. Jahrhundert hauptsäch¬ 
lich als lokale Zinshebestelle."9 Wenngleich diese These in ihrer allgemeinen For¬ 
mulierung diskussionswürdig bleibt, unterstreicht sie die vielseitige Nutzungsmög¬ 
lichkeit der klösterlich-städtischen Außenstelle. Auf Metz bezogen macht Bender 
das, was er als "Grangienfunktion" bezeichnet, am Wingertbesitz fest, der bis ins 
14. Jahrhundert mit dem Übergang zum Pachtsystem in Eigenwirtschaft genutzt 
wurde10. Für das 13. Jh. charakterisiert er den Stadthof als "Handelshof'11, über 
den der Salz- und Eisenhandel, daneben der Tierhandel v.a. mit Schweinen, nicht 
zuletzt aber das Geschäft mit sämtlichen Klosterwaren ablief12. Problematisch ist 
die Bewertung als "Renthof' seit dem späten 14. Jh.13 Durch das Voranschreiten 
des Pachtsystems nahm zwar die Zahl der Zinsleistungen stetig zu, da aber im Falle 
Weiler-Bettnachs die Abgaben nahezu ausschließlich zu den Festtagen Johannes 
des Täufers (24. Juni), des hl. Martin (11. November), des hl. Remigius (1. Okto¬ 
ber) oder des hl. Stephanus (26. Dezember) eingefordert wurden14, bleibt die Frage 
nach der Beschäftigung während der anderen Tage des Jahres. Der Stadthof war 
trotz temporärer Absatzkrisen und zahlloser kriegerischer Auseinandersetzungen, in 
die Metz verwickelt war und die das städtische Leben beeinträchtigten, vorrangig 
auf den Handel konzentriert. Daneben wird man die Kontrolle der verpachteten 
7 Es handelt sich um die Klöster Himmerod, Weiler-Bettnach, St. Thomas, Petit-Clairvaux, Claire- 
fontaine, Differdange und Bonnevoie. 
8 Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit BENDER, S. 13f. Er konzentriert sich jedoch nahezu aus¬ 
schließlich auf den Stadthof, der dem jeweiligen Kloster am nächsten lag, im Falle Weiler- 
Bettnachs also auf den Hof in Metz. 
9 BENDER, S. 36, 
10 BENDER, S. 37f. Im Stadthof wurde gewiß auch der überschüssige Wein verkauft. 
STEINWASCHER, S. 79-81, weist die nahezu ausschließliche Fixierung der Wörschweiler Klo¬ 
sterhöfe in Köln und Oberwesel auf den Weinhandel nach und fragt, ob sich Weiler-Bettnach nicht 
dieser Niederlassung bediente, um Rheinwein abzusetzen. Zu Recht hält er den Transport mo- 
selaufwärts bis nach Trier für zu kompliziert, doch fiel der Weiler-Bettnach gehörende Rhein- und 
Moselwein praktisch nicht ins Gewicht. 
11 BENDER, S. 39. 
12 BENDER, S. 41 f. 
13 BENDER, S. 43. 
14 BENDER, S. 43f., nennt des weiteren Weihnachten, Ostern und die vier Marienfeste am 2. Februar 
{Mariae Lichtmeß), 25. März (Mariae Verkündigung), 15. August (Mariae Himmelfahrt) und 8. 
September (Mariae Geburt), die aber allesamt hinter den übrigen Zinstagen in ihrer Bedeutung weit 
zurückstanden. 
178
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.