Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

VT. Die Grangien der Abtei 
Die Grangien als in Eigenverwaltung betriebene Höfe waren eines der genuin zis- 
terziensischen Merkmale der Klosterwirtschaft. Ohne auf die Entwicklung dieser 
Betriebsform näher eingehen zu können1, sollen zumindest einige grundlegende 
Kennzeichen herausgestellt werden. Daß bereits die erste, um das Jahr 11192 ange¬ 
legte Sammlung von Beschlüssen des Generalkapitels auf die Grangien mehrfach 
Bezug nahm, unterstreicht deren Bedeutung und ihre frühe Institutionalisierung. 
Insgesamt 9 von 85 Entscheidungen enthalten Weisungen, die das Grangienwesen 
betrafen3. Besonders hinzuweisen ist auf den Abschnitt XXXII, der eine Entfer¬ 
nung der Grangien verschiedener Abteien von mindestens zwei Meilen vorschrieb; 
Abschnitt LIX, der u.a. die abendliche Rückkehr in die Grangie anmahnte; und Ab¬ 
schnitt LXVIII, der die Aufsicht durch den Cellerar der Abtei festlegte. Wenn U.M. 
Zahnd die Grangien definiert als "gleichsam die in den ländlichen Siedlungsraum 
hinaus gelegten klösterlichen Filialen, wo die Konversen bei Gebet und Arbeit und 
Beachtung der Klostemormen lebten und, soweit möglich, von der Außenwelt ab¬ 
geschirmt sein sollten"4, so trifft diese Formulierung nur für die Frühphase zu, in 
der - möglicherweise - allein die Laienbrüder die Arbeit auf den Grangien verrich¬ 
teten. Sehr bald mußten aber Lohnarbeiter, die sogenannten mercenarii, den Ar¬ 
beitskräftebedarf ergänzen, was nicht zuletzt an der von den meisten Klöstern ver¬ 
folgten Strategie lag, möglichst viele Grangien zu errichten. Die Formulierung 
Zahnds, es habe sich um Filialen der Abtei gehandelt, bedarf insofern der Korrek¬ 
tur, als hier im Regelfall kein Gottesdienst gehalten wurde. Da in den Grangien 
keine Mönche lebten und die Weltpriester zur Meßfeier in den Klosterhöfen nicht 
zugelassen waren, wurden die Konversen zum sonntäglichen Meßbesuch in der Ab¬ 
tei verpflichtet. Allerdings darf man vermuten, daß bereits im frühen 13. Jh. in 
Grangien wenn schon keine Kapelle5, dann doch zumindest ein Altar errichtet und 
verwaltet wurde. In den Grangien der Primarabtei Clairvaux sind vor 1228 Altäre 
aufgestellt worden; die Absicht, dies zu tun, läßt sich gar bis in die Jahre 1180-82 
zurückverfolgen6. 
1 Die Untersuchungen zur Grangienwirtschaft und zu einzelklösterlichen Verhältnissen sind unge¬ 
zählt. Vgl. auswahlweise RÖSENER: Grangienwirtschaft, mit umfangreichen weiteren Literatur¬ 
angaben, S. 156 Anm. 2 zu Grangien allgemein; RIBBE, v.a. S. 206-208; ZAHND, passim; 
TOEPFER, passim, v.a. S. 186f., mit ausführlichem Literaturverzeichnis auch zu Einzelklöstem; 
FOSSIER: Granges; SALMON: Morimond, 1969; W1SWE; LEKAI: Cistercians, S. 295-298. 
^ RÖSENER: Grangienwirtschaft, S. 137. 
3 CANIVEZ I, S. 14 (V-V1II), S. 18 (XXIV), S. 20 (XXXII), S. 26 (LIX), S. 29 (LXVIII), S. 30 
(LXXII). 
4 ZAHND, S. 60. 
5 RIBBE, S. 206f., verweist analog zu LEKAI: Cistercians, S. 297, auf die erforderliche Genehmi¬ 
gung zur Errichtung einer Kapelle durch den Bischof, der aber aus Rücksicht auf das bestehende 
Pfarrsystem meist sein Veto einlegte. 
6 FOSSIER: Granges, S. 260 mit Anm. 18. 
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