Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

machte A. Calmet die Ereignisse der Jahre 1552/53 gewissermaßen für den Nieder¬ 
gang der Abtei verantwortlich48. 
Was Abt und Konvent möglicherweise noch mehr als die äußeren Schäden, v.a. 
nachhaltiger, traf, war der Verlust des alten Chartulars, das 1552 abhanden kam49. 
Auf Veranlassung der Herzogin von Lothringen wurde zwar 1560 von Thierry Alix 
ein neues, 36 Seiten umfassendes Inventar angelegt50, doch gingen sicherlich viele 
nur noch kopial erhaltene Rechtstitel verloren. Eine Größenordnung der damit ver¬ 
bundenen Verluste vermittelt ein im 18. Jh. verfaßtes Schreiben, das den Anspruch 
Weiler-Bettnachs auf das gemeinsam mit dem Herzog von Lothringen ausgeübte 
Präsentationsrecht in Bibiche unterstrich51. Der Verfasser verwies auf eine dies be¬ 
zeugende Bulle d'union existante, si elle n'a pas été réduite en cendre, comme 
quantité d'anciens titres, par les incendies des anciennes gueres, malheur que 
l'abbaye a epuyé trois fois ... Er fügte hinzu, der Abtei seien Einkünfte in Höhe von 
25.000 Livres verlorengegangen, weil keine Dokumente mehr existierten, die 
Rechtmäßigkeit der Forderungen nachzuweisen52. Die drei angesprochenen 
Brände, von denen die Abtei heimgesucht wurde, lassen sich zeitlich nicht einord- 
nen. Die dabei entstandenen Zerstörungen scheinen aber nur partiell und ohne 
Auswirkung auf das klösterliche Leben gewesen zu sein. Anläßlich des Neubaus 
der Abteikirche nach dem Einsturz von Gewölbeteilen Ende des 17. Jh. hätte man 
gewiß vermerkt, wenn die alte Kirche von einer Feuersbrunst in Mitleidenschaft 
gezogen worden wäre. 
Kaum zu steigern waren die Schäden, die Weiler-Bettnach Ende des 16. Jh. bei ei¬ 
nem zeitlich nicht näher einzugrenzenden Überfall im Zusammenhang der Religi¬ 
onskriege erlitt. 120 Stück Vieh und 80 Pferde wurden entwendet; die Altäre zer¬ 
stört; die Fenster herausgenommen, um das Blei aus den Scheiben zu lösen; aus 
dem gleichen Grund das Kirchendach abgedeckt, wobei ein Teil des Dachstuhls 
einbrach; insgesamt sechs Glocken beschlagnahmt; alle Zimmer ausgeräumt 
(n'estant reste que les murailles); Ställe und Scheunen zerstört; die Holzvorräte 
weggebracht; ebenso die Kirchenuhr (horologe); schließlich auch mehrere Kloster¬ 
höfe überfallen und dort ebenfalls Vieh und Getreide konfisziert53. Obwohl diese 
Vorfälle über den Untersuchungszeitraum hinausreichen und über die wirtschaftli¬ 
48 CALMET: Histoire, Bd. II, Sp. 75f.: "Cette abbaye étoit autrefois puissante, & avoit acquis de 
grands biens par la libéralité des Empereurs et des Rois, mais elle a beaucoup souffert par les der¬ 
nières guerres, sur-tout en 1555." Die Zeitangabe Calmets kann sich nur auf die Jahre 1552/53 be¬ 
ziehen, als der Zug Karls V. gegen die vom Herzog von Guise im Auftrag König Heinrichs II. von 
Frankreich verteidigte Stadt Metz scheiterte. 
49 DUPRIEZ, S. 272. 
50 ADMM B 483 Nr. 55. 
51 ADMH 1774 Nr. 2. 
Die Abtei argumentierte sicher nicht nur in diesem Fall mit dem Gewohnheitsrecht: elle est en pos¬ 
session possideo quia possideo cela suffit. 
53 ADM H 1789 Nr. 5. Es handelt sich um einen Bericht über den Zustand der Abtei bei der Über¬ 
nahme durch den im Oktober 1591 vom Konvent zum Abt gewählten Matthias Durrus. 
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