Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

Metz in der ersten Hälfte des 14. Jh. eine schwere wirtschaftliche Krise, die sich 
zweifellos auf Weiler-Bettnach auswirkte, das weitgehend auf diesen Umschlag¬ 
platz fixiert war. Als 1327 unmittelbar nach Kriegsende Petrus Guigonis, der Ar- 
chidiakon von Vie, als päpstlicher Kollektor das Bistum Metz bereiste, vermochten 
einige Klöster keine Kurialabgaben zu leisten. Die Äbte von Weiler-Bettnach und 
Pontiffroy excusaverunt se propter paupertatem, quia combusti fuerunt tempore 
guerre, das von den Auseinandersetzungen unberührte Kloster Wörschweiler zahlte 
dagegen 100 s.21 Als 1361 Johannes de Hoyo, der Primicerius der Metzer Kathe¬ 
drale, als Kollektor Benefiziengelder erhob, erhielt er in Weiler-Bettnach 5 fl., ei¬ 
nen weniger als in Wörschweiler; das Schlußlicht bildete Pontiffroy mit 2 fl.22 Die 
drei Klöster nahmen damit innerhalb der Männerklöster der Metzer Diözese die 
hinteren Ränge ein. Eine 1354/55 angelegte Besteuerungsliste für alle Männerklö¬ 
ster des Ordens stufte Weiler-Bettnach mit vier Pfund Tumosen als contributio mo¬ 
derata sehr niedrig ein23. Es fällt auf, daß vorrangig in der Filiation von Morimond 
bescheidene Beiträge unterhalb von 10 Pfund zu finden sind24. Diese Listen weisen 
zwar die permanente Finanznot als generelles Problem aus, doch könnte die Tatsa¬ 
che, daß Weiler-Bettnach, sein Tochterkloster Wörschweiler und das ihm zumin¬ 
dest zeitweise unterstellte Pontiffroy besonders darunter litten, auch auf eine inef¬ 
fektive Wirtschaftsführung in und Kontrolle durch Weiler-Bettnach hindeuten. Ge¬ 
rade in dieser schwierigen Zeit lebte mit Johannes de Borbona in Weiler-Bettnach 
ein Mönch, der über herausragende Fähigkeiten auf dem Gebiet der Finanzverwal¬ 
tung verfügte. Von seinem Namen ausgehend, scheint nicht ausgeschlossen, daß er 
auf höhere Weisung nach Weiler-Bettnach gesandt worden und nicht dort in den 
Orden eingetreten war. Borbona läßt sich möglicherweise als Bourbonne-les-Bains 
identifizieren25, das wenige Kilometer südöstlich von Morimond liegt. 
Vom Vaterabt in Morimond mit der Begutachtung der wirtschaftlichen Situation in 
Viktring beauftragt, delegierte der Abt von Weiler-Bettnach die Ausführung an Jo¬ 
hannes, der 1338 nach Kärnten reiste, um taxacionem personarum regularium ac 
edam proventuum, fructuum et redituum durchzuführen26. Die Visitation fällt so¬ 
mit in die Amtszeit des als Chronist berühmten Abtes Johann von Viktring, der 
möglicherweise von dem aus Weiler-Bettnach anreisenden Mönch Johannes über 
21 KIRSCH, S. 117. 
22 KIRSCH, S. 303; SAUERLAND: Urkunden, Nr. 139 S. 201-219, hier S. 205. 
23 JOHNSEN/KING, S. 80. Die contributio mediocris betrug 5 lb. 6 s. 8 d., die contributio duplex 8 
lb. und die contributio excessiva 10 lb. 13 s. 4 d. Die Taxierung erbrachte je nach Hebesatz für den 
Zisterzienserorden Einnahmen in Höhe von 9.000, 12.000, 18.000 oder 24.000 Pfund (ebd., S. 
28f.). 
24 Ebd., S. 31. Die Zahlen lassen indes nicht immer verläßliche Rückschlüsse auf die Finanzkraft der 
Klöster zu, zumal das Datum der Taxierung des wirtschaftlichen Leistungsvermögens der jeweili¬ 
gen Häuser unklar bleibt, in Einzelfällen - bei aufgehobenen Klöstern - aber bis zu drei Generatio¬ 
nen zurückreicht. 
25 GRAESSE/BENEDICT/PLECHL, S. 352, führen nur diesen relevanten Ortsnamen an. 
26 F. SCHNEIDER: Studien, S. 159f. und S. 187 Nr. 57; ROSCHER, S. 71. 
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