Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

Abtsiegels in Ermangelung eines eigenen bediene39. Der "Libellus antiquarum de- 
finitionum" für die Jahre 1289-1316 enthält unter dem Titel De sigillis et sigilla- 
tione litterarum die Erneuerung des Verbots, versehen mit dem Zusatz, daß auch 
der Prior und die anderen Offizialen kein Siegel besitzen dürfen, das den Namen 
der Abtei trage40. Gerade ein solches Priorensiegel ist jedoch für das Jahr 1328 be¬ 
zeugt. Mit ihm beglaubigte der Weiler-Bettnacher Prior Dom Guillaume das 
Testament Johanns von Vinsberg41. Erst die Bulle "Fulgens sicut stella matutina" 
Benedikts XII. brachte 1335 das Zugeständnis an den Konvent, ein eigenes 
Rechtsmittel zur Hand zu haben42. Die Problematik um die Beteiligung des Kon¬ 
vents am Entscheidungsfindungsprozeß lenkt - besonders vor dem Hintergrund des 
Metzer Urteils - den Blick auf die Frage nach der rechtlichen Bedeutsamkeit der 
Formulierung "Abt und Konvent" als Aussteller in der Intitulatio des Urkunden¬ 
protokolls, die nicht nur den gesamten geistlichen Personenstand eines Klosters 
umfassen will, sondern gleichzeitig - und wohl primär - zwei voneinander zu tren¬ 
nende Rechtskörperschaften fixiert. 
Eine weitere Form der Einflußmöglichkeit besaß der Konvent bei der Abtswahl, 
besonders wenn mehrere Kandidaten zur Disposition standen und sich den Wahl¬ 
berechtigten unterschiedliche Perspektiven boten43. Bereits die Charta Caritatis 
hatte den Weg aufgezeigt, wie der Zisterzienserabt bestellt werden sollte: Der Va¬ 
terabt kam in das Tochterkloster, wo consilio et voluntate patris abbatis die aus der 
Abtei hervorgegangenen Äbte anderer Klöster und die Konventualen den künftigen 
Abt wählen sollten44. Wesentliche Fragen blieben jedoch unbeantwortet45: nach 
dem Wahlverfahren, ob die Wahl offen oder geheim stattfand, ob die einfache oder 
absolute Mehrheit genügte bzw. Einstimmigkeit nötig war etc. Grundlegend wurde 
erst die Bestimmung, auf die sich 1215 das 4. Laterankonzil mit dem Hinweis auf 
die bestehende Rechtsunsicherheit verständigte46 47. Demnach sollten drei Personen 
aus dem Wählerkreis geheim die einzelnen Stimmberechtigten befragen und 
abschließend der Versammlung das Ergebnis mitteilen. Gewählt war, in quem 
omnes, vel major, vel sanior pars capituli consenti^. Neben diesem als Skrutinium 
39 ADM H 1714, fol. 96v-97r [1257 (XI 1)]. Vgl. A. SCHNEIDER: Himmerod, S. 151, der zum Jahre 
1279 Gleiches für die Eifelzisterze belegt. 
40 NOMASTICON CISTERCIENSE, S. 436, Dist. XI,I. 
41 ADM H 1845 Nr. 1 [1328 VIII 14]. 
42CANIVEZIII,S.411 Abs. 2. 
43 Zur Abtswahl vgl. die umfangreichen Registereinträge bei CANIVEZ VIII, S. 176 (s.v. Electiö), S. 
161-163 (s.v. Depositiö) und S. 258 (s.v. intrusus)\ ferner zu Abbas allgemein S. lf. 
44 CANIVEZ I, S. XXIX Abs. XXI. 
45 Auch die Benediktsregel bietet keine Hilfen; sie bleibt (Kap. 64) bezüglich der Abtsbestellung 
sogar ausgesprochen knapp, weist aber zumindest auf die Wahl hin. 
46MANSI, Bd. XXII, Sp. 1011. 
47 Eine solche Wahl in Gorze beschreibt H.V. SAUERLAND: Eine Abtswahl im Jahre 1322, in: 
Pastor Bonus 12 (1899/1900), S. 326-329. Zwei Kandidaten mit 43 bzw, 18 Stimmen nahmen die 
Wahl an und überließen die Entscheidung dem Papst. 
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