Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

unter massiven Druck des Metzer Stadtregiments, weil er keine Güter in die Stadt 
brachte. Trotz der Androhung von Güterentzug und Leibesstrafe erklärte er, der 
Herzog (mondit Seigneurj habe ihm dies untersagt. Er bedauerte zwar die Zwie¬ 
spältigkeit seiner Gefühle in dem Konflikt, rechtfertigte sich aber mit der Loyalität 
gegenüber Herzog Karl II.95 
Die gegenüber Weiler-Bettnach gewonnene Position dürfte auch bei den nachfol¬ 
genden Abtswahlen von den Herzögen in die Waagschale geworfen worden sein, 
wie die Herkunft der Äbte ausweist. Konkrete Hinweise liegen erst wieder für eine 
gescheiterte Wahl 1559 vor. Der herzogliche Kandidat Christoph von Wallerfangen 
fand nicht die Zustimmung des Konvents, aber auch der hauseigene Bewerber wur¬ 
de trotz seiner Wahl nicht zum Abt ernannt96. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 
urkundliche bzw. urkundlich verbriefte Rechtstitel der Abtei - wieviele ist ungewiß 
- im Besitz Herzog Karls III. In seiner Abwesenheit appellierten Abt und Konvent 
an Christine von Dänemark, die Witwe Herzog Franz' I., und baten sie um die 
Rückgabe. Nach Anfertigung eines (Teil-)Inventars lieferte sie die Stücke aus97. 
Den "Höhepunkt" der Einflußnahme erreichte das Haus Lothringen schließlich 
1614 mit der Erhebung des ersten Kommendatarabtes in Weiler-Bettnach98. Dieses 
Ereignis steht jedoch nur am Ende einer langen Kette von Eingriffen, die seit dem 
13. Jh. das Selbstbestimmungsrecht von Abt und Konvent kontinuierlich einge¬ 
schränkt haben. Zunächst ausgehend von Schutzversprechen für einzelne Güter, 
kulminierten sie in der massiven Kontrolle des innerklösterlichen Bereichs, am be¬ 
eindruckendsten ablesbar an der Abtswahl. Um die Wende vom 14. zum 15. Jh. 
gibt es keinen Zweifel mehr an der vogteilichen Umklammerung Weiler-Bettnachs. 
Ob die Abtei ausdrücklich in den Steuerlisten der Prévôté Sierck (seit 1424)99 oder 
den Aufzeichnungen über die Erhebung der allgemeinen Steuern ("aides") im ge¬ 
samten Herzogtum (Anfang 16. Jh.)100 genannt wird, scheint vor diesem Hinter¬ 
grund marginal. Daß die Quellen den Begriff der Vogtei/"vouerie" offenbar bewußt 
vermieden und statt dessen weiterhin von der "garde" sprachen, ändert am Sach¬ 
verhalt nichts. 
Lesquelles annemis [- des \\&no%s\ firent encor plusieurs aultre mal, tant à Viller l'Abbaïe comme 
aultre parts; car la gueres devent dictes, esmeute pour les dites pomme, ce empiroit de jour en 
jour. 
9-* Urkunde vom 23. Mârz 1428 (vgl. Anm. 93): maix il est bien vray que après le commandement de 
Mons. de Lorraine, que m'ayt estey fait par son Officier de Sirkes, et par son propre messagier 
Pierray, de rien menner à Mes, ne par my, ne par mes subgets, sur pene de tout perde, j'ay laixié à 
savoir à mesdis subgets que se gardexent de dommaige, en faisant comme ung leaul Seignour doit 
et est tenu de faire à ses subgets... 
96 ADMM B 909 Nm. 37 u. 38. 
97 ADMM B 483 Nr. 55; vgl. auch DUPRIEZ, S. 282. 
98 KAISER: Mathias II Durras. 
99 ADMM B 9352ff. 
100 ADMM B 30 HT. 
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