Full text: Lotharingia

reichstragenden Provinzen aufgenommen erscheint, dabei, wie nicht zu übersehen, in eng¬ 
ster Verbindung mit den Schwaben und nicht mit den Lothringern. 
Zum Schluß sei noch ein kurzer Blick ins beginnende 11. Jahrhundert gerichtet, auf die 
Anfänge Heinrichs II. und auf seinen „Umgang" mit dem Elsaß: Nach dem Tod seines 
Thronrivalen Herzog Hermann von Schwaben und Elsaß im Jahre 1003 kam Heinrich im 
Juni des folgenden Jahres in den Südwesten des Reiches: Er hielt einen Hoftag in Zürich und 
ließ die ganze Alemannia einen Frieden beschwören.173 Anschließend begab er sich nach 
Straßburg, in die einstige Hauptstadt des Dukats Hermanns II., wo er ein colloquium mit 
den Alsatienses veranstaltete.174 Auch hier, in der Darstellung Adalbolds von Utrecht, spie¬ 
gelt sich der hier herausgearbeitete Befund der zwei Pole des südwestdeutschen Raumes, 
der Alemannia und der Alsatienses, von Heinrich II. getrennt behandelt, aber doch in einem 
Zusammenhang berücksichtigt. Das Elsaß wurde von diesem König, nicht zuletzt wegen 
seiner Burgund-Politik,175 intensiv in seine Herrschaftspraxis einbezogen; die Verbindung 
des Elsaß mit Schwaben war nun von Dauer, und an sie konnten hundert Jahre später die 
Staufer anknüpfen, die das Elsaß in ihre Herzogstitulatur Wiederaufnahmen. 
Schluß 
Das Elsaß - ein Teil des Zwischenreichs? Diese im Titel des Beitrags gestellte Frage kann so 
wenig eindeutig beantwortet werden, wie die Geschichte des Verhältnisses von Elsaß und 
Lotharingien einerseits und Schwaben andererseits bunt und wechselhaft ist. Es hat sich 
gezeigt, daß das Elsaß in seiner aus der Merowingerzeit stammenden Prägung als regnum 
bzw. ducatus im 9. Jahrhundert in eine Doppelorientierung geriet, die für seine Geschichte 
bis weit in das 10. Jahrhundert hinein prägende Wirkung haben sollte: Von wesentlicher 
Bedeutung war zweifellos die Schaffung des (sit venia verbo!) regnum Caroli, in welches 
das Elsaß zusammen mit dem ducatus Alamannicus und Churrätien 829 eingeschmolzen 
wurde. Auch wenn dieses regnum aufgrund der politischen Wirren im Karolingerreich nur 
kurzen Bestand hat, so scheint es doch Handlungen und Zielvorstellungen in nachfolgender 
Zeit immer wieder geleitet zu haben, und es ließen sich eine Reihe von Aktivitäten ausma¬ 
chen, die der Anbindung des Elsaß an die naturräumlich ohnehin naheliegenden Gebiete 
östlich des Rheins und damit Schwabens dienten. Andererseits wurde mit der Schaffung des 
Zwischenreichs 843 das Elsaß dessen östlicher Rand und somit nach Westen orientiert. 
Indem auf dieses Zwischenreich bald und vor allem nach dem Tod Lothars I. die „Flügel¬ 
mächte" West- und Ostfrankens reflektierten, geriet auch das Elsaß immer wieder in den 
Strudel der verschiedenen Interessen, so daß die im Titel des Beitrags gestellte Frage in 
raschem Wechsel einmal mit ja, ein anderes Mal mit nein, insgesamt wohl eher mit nein zu 
beantworten wäre. Auch für das 10. Jahrhundert, vor allem für dessen Beginn, gilt das hier 
entworfene Bild, das man resümieren könnte: Immer, wenn es um Lotharingien ging, ging es 
auch um das Elsaß. So betrachtet, wäre die Frage, ob das Elsaß ein Teil des Zwischenreichs 
war, eindeutig mit ja zu beantworten. 
173 Regesta imperii 2,4 Nr. 1572. 
174 Regesta imperii 2,4 Nr. 1572a. 
175 Vgl. hierzu R. Poupardin, Le Royaume de Bourgogne (888-1038). 1907 S. 120 ff. und neuerdings 
zusammenfassend L. Boehm, Geschichte Burgunds. 1971 S. 119 f. 
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