Full text: Lotharingia

1939 formulierte,161 es war, wie der Indiculus ioricatorum von 981 zeigt und wie Karl Fer¬ 
dinand Werner herausgestellt hat,162 der rheinfränkischen Einheit angeschlossen, und es 
diente - anders als das Durchgangsland Schwaben - den Ottonen mehrfach als „Zielgebiet 
der königlichen Umfahrt im Reich" (Hagen Keller163). Abweichend von der in der Forschung 
vertretenen Ansicht, daß das Elsaß zu Beginn des 10. Jahrhunderts aus dem alemannischen 
Herzogtum herausgelöst worden sei,164 ist allerdings zu betonen, daß es nie zum ducatus 
Alamannicus gehört hatte. Nun aber gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurde das Elsaß in 
auffälliger Weise Schwaben zugeordnet, allerdings zugleich auch als eigene Provinz artiku¬ 
liert - ganz vergleichbar dem, was zum regnum Karls des Kahlen überliefert ist.165 Beides 
schließt sich nicht aus und kann wohl als Ausdruck einer ottonischen Integrationspolitik 
interpretiert werden. Wenn erstmals im 1 0. Jahrhundert der ducatus Alsaciensis im Aufgebot 
von 981 begegnet166 und damit die terminologische Tradition des 9. Jahrhunderts wieder¬ 
aufgenommen wird, so spricht dies zweifellos für die Vorstellung und wohl auch verfas¬ 
sungsgeschichtliche Realität eines eigenständigen Elsaß. 988 und 993 erscheint jedenfalls 
Herzog Konrad von Schwaben in Urkunden Ottos III. für elsässische Empfänger als dux 
Alamannorum et Alsaciorum bzw. Alsaciorum et Alemannorum c/ux.167 Diesen Titel trug 
auch augenscheinlich sein Sohn Herzog Hermann II. von Schwaben (997-1003), wie dem 
Zeugnis der Annales Sangallenses zu entnehmen ist.168 
Die Doppelzuständigkeit der beiden Herzoge konradinischer Herkunft um das Jahr 1000 für 
Schwaben und Elsaß verdient als Beleg der herrschaftlichen Verklammerung beider Räume 
Beachtung.169 Zur selben Zeit mehren sich die Zeugnisse für das Eigengewicht des Elsaß: So 
lokalisiert eine Urkunde Ottos III. von 999 für den Grafen Eberhard, Markt und Münze in 
Altdorf betreffend, in provincia Alsacia impago (!) quoque Nortgeuui.170 Der Begriff provin- 
da wurde häufig im Sinne von regnum bzw. ducatus gebraucht.171 172 Aber noch etwas anderes 
fällt in den Quellen um 1000 auf: Zwei Urkunden Ottos III., in Rom 996 ausgestellt, spre¬ 
chen vom mitwirkenden consilium Francorum, Baioariorum, Saxonum, Alsatiensium, Sue- 
vorum, Lotharingiorumd72 Hier werden die „Elsässer" neben den Schwaben, aber auch im 
Verein mit anderen gentes bzw. herzogtumsbezogenen Gruppen erwähnt, auch dies wohl 
ein Indiz für die veränderte Stellung des Elsaß, das nun gewissermaßen in den Kreis der 
161 Büttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 179. 
162 MGH Const. 1 Nr. 436 S. 632 f. Vgl. Werner, Heeresorganisation (wie Anm. 159) S. 810. 
163 Keller, Reichsstruktur (wie Anm. 1 53) S. 78. 
164 Büttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 179, Werner, Heeresorganisation (wie Anm. 159) S. 810. Vgl. auch 
Parisse, Lotharingien (wie Anm. 1), der Sp. 2130 davon spricht, daß das Herzogtum Elsaß sich um 
910/11 von Lotharingien gelöst habe und Teil des Herzogtums Alemannien geworden sei. 
165 Vgl. oben S. 54 ff. 
166 Zotz, Breisgau (wie Anm. 1 53) S. 134 ff. 
167 Im Jahre 988 in MGH DOIII 47 für Murbach, im Jahre 993 in MGH DOIII 130 für Selz. 
168 Annales Sangallenses a. 1002, in: MGH SS 1,S. 81: dux Alamanniae et Alsatiae. Insofern ist C. Brühl, 
Deutschland - Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 1990 S. 641 zu modifizieren. 
169 Zu ihnen vgl. Zotz, Breisgau (wie Anm. 153) S. 138 ff. 
170 MGH DOIII 325. 
171 Vgl. Brühl, Geburt (wie Anm. 168) S. 328 Anm. 181 und S. 327 f. zum Problem des Verhältnisses 
von regnum und ducatus. 
172 MGH DOIII 197, 208. 
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