Full text: Lotharingia

gern auf dem Königsthron, am 1. Februar 984 in Breisach kommen.156 Der Reimser Bischof, 
ein treuer Parteigänger der Ottonen, spricht von den alta consilia Heinrichs und vom Fran¬ 
corum impetus, vom drängenden Verlangen der beiden Könige. Wiederum Breisach am 
Rhein als Ort, der für die westfränkische Monarchie eine Rolle spielte! 
Näheres über den Hintergrund des geplanten Treffens ist von Richer von Reims zu erfahren: 
Heinrich habe sich in seinem Streben nach Krone und Szepter den westfränkischen König 
Lothar zum Bundesgenossen und Freund (sotius et amicus) zu machen versucht. Als Gegen¬ 
leistung bot er die Abtrennung der Belgica, d. h. Lotharingiens, an. Breisach dürfte nicht von 
ungefähr als Ort zur Verwirklichung dieser Pläne gewählt worden sein. Auch 984 hätte die 
Präsenz des westfränkischen Königs am Oberrhein - wie 938/39 - den Anspruch auf Lotha¬ 
ringien sichtbar gemacht. 
Während nun Lothar nach Breisach kam, hielt sich Heinrich fern, da er - so Richer - fürch¬ 
tete, daß er, wenn er Lothar entgegenkomme, bei den Fürsten in den Verdacht gerate, er 
wolle den westfränkischen König in das regnum, also in die Königsherrschaft, aufnehmen. 
Lothar mußte den Rückzug antreten und sich dabei nicht nur von den Lothringern, deren 
Gebiet er durchquerte, bedrängen lassen, sondern war darüber hinaus dem abwehrenden 
Angriff des Herzogs Konrad von Schwaben ausgesetzt, der als Sachwalter Ottos III. Lothar 
bis zur Meurthe in die Flucht schlug. 
Ziehen wir für das 10. Jahrhundert eine kurze Zwischenbilanz, die auch das frühe 11. Jahr¬ 
hundert noch miteinbezieht: Auch in der Zeit nach der Existenz des Zwischenreichs, als 
dieses sich zum Herzogtum Lotharingien weiterentwickelte,157 blieb das Elsaß in seiner 
Randlage und in seiner traditionsgesättigten Doppelorientierung nach Westen und Osten ein 
Objekt und Schauplatz für die herrschaftlich-territorialen Begehrlichkeiten beider Seiten. 
Immer wenn Lotharingien zum Casus der west-ostfränkischen Politik wurde, war auch das 
Elsaß mitbetroffen. Es wäre nun noch zu fragen, wie es denn mit der Anbindung des Elsaß 
an das schwäbische Herzogtum im 10. Jahrhundert bestellt war, um sozusagen die Gegen¬ 
kräfte auszuloten. Wie stark war - anders gefragt - die Tradition des regnum Karls des 
Kahlen oder später Karls III.? 
Die Forschung (Heinrich Büttner,158 Karl Ferdinand Werner,159 Hagen Keller160) hat längst 
beobachtet, daß dem Elsaß im 10. Jahrhundert im Rahmen des Reiches ein Sonderstatus 
zukam: Es war „Reichsland", wie Heinrich Büttner mit vorsichtigen Anführungszeichen 
156 Regesta imperii 2,3 Nr. 956f/1. MGH Briefe der deutschen Kaiserzeit 2, Nr. 39 S. 66 ff. Zum Problem 
der Datierung (1.2.984 oder 985) hier S. 67 Anm. 1. Zu den Problemen um Heinrichs des Zänkers 
Herrschaftspläne dieser Zeit jetzt F.-R. Erkens, ...more Grecorum conregantem instituere vultis? Zur 
Legitimation der Regentschaft Heinrichs des Zänkers im Thronstreit von 984, in: FrühMAStud 27. 
1993 S. 273 ff. 
157 Vgl. Boshof, Lotharingien (wie Anm. 1) passim und M. Werner, Der Herzog von Lothringen in 
salischer Zeit, in: Die Salier und das Reich 1. Hg. von St. Weinfurter. 2. Aufl. 1992 S. 367-473. 
158 B üttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 179. 
159 K. F. Werner, Heeresorganisation und Kriegführung im deutschen Königreich des 10. und 11. Jahr¬ 
hunderts, in: Ordinamenti militari in occidente nell' alto medioevo 2 (Settimane di Studio del centro 
italiano di studi sull' alto medioevo 15,2) 1968 S. 791-843, hier S. 810 f. 
160 Keller, Reichsstruktur (wie Anm. 1 53) S. 78 ff. 
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