Full text: Lotharingia

hatte.148 Nachdem Otto in Reaktion auf diesen Abfall der lothringischen Großen im Juni 
vergeblich die Burg Giselberts Chevremont bei Lüttich belagert hatte,149 wurde König 
Ludwig selbst aktiv und drang in das Elsaß ein zu dem Zweck, das Lothariense regnum 
wiederzugewinnen, das sein Vater verloren hatte. So berichtet es der Continuator Reginonis, 
und wieder wird die Funktion des Elsaß im Hinblick auf Lothringen sichtbar.150 Insofern galt 
damals auch das Elsaß noch als Teil des Zwischenreichs, obwohl das Zwischenreich nicht 
mehr existierte. In diesem Zusammenhang ist auf eine Urkunde König Ludwigs IV. vom 
24. August 938 - oder wahrscheinlich eher 939 - hinzuweisen, die er secus castrum quod 
dicitur Brisacha supra Rheni flumen verhandelt hat.151 Mit seiner Urkunde in bzw. bei der 
Burg Breisach, die damals von Gegnern König Ottos I., Anhängern Herzog Eberhards von 
Franken, besetzt war, mit seiner derart dokumentierten Anwesenheit im Elsaß, zu dem 
Breisach aufgrund seiner Insellage im Rhein in zeitgenössischer Sicht rechnete,152 wollte der 
westfränkische König gewiß seinen Herrschaftsanspruch über Lotharingien zum Ausdruck 
bringen, lag dieser Ort doch am östlichen Rand des wiederzugewinnenden Gebietes. 
Mit der Niederwerfung der Rebellion gegen Otto I. erledigte sich zunächst die lothringische 
und damit auch die elsässische Frage. Das Elsaß und hier vor allem die Pfalz Erstein, in der 
Otto II. im Jahre 975 und Otto III. im Jahre 994 Weihnachten feierten, waren mehrfach Ziel 
des herrscherlichen Itinerars.153 Während dies in den machtvollen Phasen des ottonischen 
Königtums auch weiterhin so galt, wurde das Thema bezeichnenderweise nach dem Tod 
Ottos I. 973 bzw. Ottos II. Ende 983 erneut aktuell.154 155 983, in der offenen Situation nach der 
Gefangensetzung des minderjährigen Otto III., versuchte Herzog Heinrich von Bayern, der 
„Zänker", für seine Königspläne beim westfränkischen König Lothar Unterstützung zu 
finden.'55 Hierbei sollte es, wie wir aus einem Brief Adalberos von Reims erfahren, zu einer 
heimlichen Begegnung zwischen Herzog Heinrich - Adalbero nennt ihn rei publicae hostis 
- und König Lothar und seinem mitregierenden Sohn Ludwig V., den beiden letzten Karolin¬ 
148 Flodoard, Annales a. 939, in: MCH SS 3 S. 385: Lotharienses Othonem regem suum deserunt et ad 
Ludowicum regem veniunt, qui eos recipere distulit ob amicitiam, quae inter eos...depacta erat. 
Vgl. Regesta imperii 2,1 Nr. 77a. Zum folgenden Schneidmüller, Lothringenpolitik (wie Anm. 145) 
S. 20 ff. 
149 Regesta imperii 2,1 Nr. 77b. 
1 50 Vgl. Büttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 155. 
151 Recueil des actes de Louis IV, roi de France (936-954). Ed. Ph. Lauer. 1914 Nr. 8 S. 21 ff. Zum 
Zusammenhang mit allen Nachweisen vgl. Th. Zotz, Est in Alsaciae partibus castellum Brisicau. 
Breisach als Schauplatz der politischen Geschichte im 10. Jahrhundert, in: ZBreisgauGV 111. 1992 
S. 9-23, hier S. 13. 
152 Vgl. Fl. Maurer, Breisach, in: Königspfalzen (wie Anm. 48) S. 46 ff. 
153 Vgl. Friedei, Erstein (wie Anm. 66) S. 55 ff., Th. Zotz, Der Breisgau und das alemannische Herzog¬ 
tum. Zur Verfassungs- und Besitzgeschichte im 10. und beginnenden 11. Jahrhundert (VortrrForsch 
Sonderbd. 15) 1974 S. 44 ff. und H. Keller, Reichsstruktur und Herrschaftsauffassung in ottonisch- 
frühsalischer Zeit, in: FrühMAStud 16. 1982 S. 74-128, hier S. 78, 80. 
154 Vgl. dazu Schneidmüller, Lothringenpolitik (wie Anm. 145) S. 25 ff. 
155 Hierzu und zum folgenden vgl. G. Althoff, Breisach - ein Refugium für Rebellen im frühen Mittelal¬ 
ter?, in: Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland (Archäologie und 
Geschichte. Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland 1) 1990 S. 457- 
471, hier S. 461 ff. und Zotz, Est in Alsaciae partibus (wie Anm. 1 51) S. 15 ff. 
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