Full text: Lotharingia

gespielt haben.32 Der angeblich so lukrative Sklavenhandel Verduns33 über Marseille in das 
muselmanische Spanien lag, wie die Koblenzer Zollrolle nahelegt, in den Händen jüdischer 
Kaufleute, die in Koblenz vier Denare pro Kaufsklaven bezahlten; ob dieser Handel, wie der 
zweite Zolltarif von 1209 suggeriert,34 tatsächlich bis ins 13. Jahrhundert anhielt, ist sehr 
fraglich. Frühe Judengemeinden gab es in Metz und Trier; sie können, obwohl diese Funk¬ 
tion für Trier erst sehr viel später bezeugt ist, bei der Organisation der Münzprägung, der 
Kontrolle des Münzumlaufs und bei der Silberversorgung der Münzstätten35 schon im 11. 
Jahrhundert eine bedeutsame Rolle gespielt haben. Die Friesenniederlassungen unterstrei¬ 
chen in erster Linie die Bedeutung der Rheinachse als Handelsweg; einige der friesischen 
Kaufleute standen in enger Beziehung zu geistlichen Grundherrschaften. Prüm z.B. hatte 
893 'seine' Friesen in Duisburg, und noch etwas früher, vor 800, gab es einen Friesen na¬ 
mens Ibbo in Trier, der in die Zensualität von St. Maximin eintrat und im Auftrag des Abtes 
eine wohl auch dem Handel dienende Schiffsreise nach England unternahm.36 Aber das 
blieb Episode. 
Wie in Bayern, wo wir dank der reichen Überlieferung von St. Emmeram in Regensburg 
Klosterkaufleute, deren Aktivitäten bis nach Kiew reichten, namentlich fassen können, muß 
man gerade für den lotharingischen Raum wegen der hier charakteristischen wirtschaftli¬ 
chen Dominanz großer geistlicher Grundherrschaften neben den von der Forschung immer 
stark herausgestellten freien Kaufleuten, die unter Königsschutz reisten und deren Rechts¬ 
normen bzw. gemeinschaftsstiftende Sitten der Mönch Alpert von Metz nicht verstand oder 
nicht verstehen wollte,37 mit einem erheblichen Anteil grundherrschaftlich gebundener 
Kaufleute rechnen; sie nutzten den Schutz und die vielen Zollbefreiungen der Bischöfe und 
Klöster zweifellos auch für Handelsgeschäfte auf eigene Rechnung. Kann man nicht davon 
ausgehen, daß einige der Bauernhändler unter den Prümer Salz- und Weinverkäufern, die 
bis an die Maas zogen, Neigung bekamen, aus dieser periodischen Tätigkeit einen Haupt¬ 
beruf zu machen? Immerhin haben wir aus dem Ardennenraum einen klaren urkundlichen 
Beweis mit dem vielzitierten Anselm, der sich 1003, als die Nachricht von der Bekehrung 
der Ungarn zum Christentum bis in seine Heimat vorgedrungen war, in Hungariam ire dis- 
32 Peter Johanek, Der fränkische Flandel in der Karolingerzeit im Spiegel der Schriftquellen, in: Unter¬ 
suchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa, 
Teil IV: Der Handel der Karolinger- und Wikingerzeit, hgg. v. Klaus Düwel u.a., Göttingen 1987 
S. 7-68. 
33 MGH SS III, S, 338: ob inmensum herum; vgl. Petry, Monetäre Entwicklung (wie Anm. 13), S. 151 
Anm. 11 2 u. S. 1 55. 
34 Urkundenbuch zur Geschichte der ... mittelrheinischen Territorien, bearb. v. Heinrich Beyer u.a., 
Bd. 2, Koblenz 1865 Nr. 242 S. 280-282. 
35 Für Trier bietet der um 1200 geschriebene, aber z. T. ältere Zustände konservierende Uber annalium 
jurium archiepiscopi et ecclesie Trevirensis, c. 4ff. wichtige Informationen; Elenchus fontium historiae 
urbanae, Bd. 1, Leiden 1967 Nr. 113 S. 182-185; - Raymond Weiller, Die Münzen von Trier, Teil 1.1, 
Düsseldorf 1988 S. 85f. 
36 Alfred Haverkamp, Einführung (in Sektion 12: Lothringen im hohen Mittelalter). In: Zwischen GalIia 
und Germania (wie Anm. 5) S. 115-1 28, bes. S. 1 26. 
37 Die 'Mißverständnisse' bezogen sich vor allem auf die Tieler Kaufmannsgilde. - Franz Irsigler, Zur 
Problematik der Gilde- und Zunftterminologie. In: Gilden und Zünfte. Kaufmännische und gewerbliche 
Genossenschaften im frühen und hohen Mittelalter, hg. v. Berent Schwineköper (Vorträge u. For¬ 
schungen Bd. 29), Sigmaringen 1985 S. 53-70, bes. S. 56f. 
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