Full text: Lotharingia

Reformzusammenhänge hingewiesen. Für die Abtei des hl. Aper,69 die vor den Toren von 
Toul lag, wohl das älteste Kloster des Bistums war und den Bischöfen bis in das ausgehende 
9. Jahrhundert hinein als Grablege diente, aber auch das monastische Zentrum der Diözese 
schlechthin bildete, konnte seither nicht nur der Anschluß an die karolingische Klosterre¬ 
form als recht sicher gelten,70 für sie ließ sich darüber hinaus vielmehr auch die bei anderen 
monastischen Gemeinschaften lediglich vermutete Kontinuität71 zwischen den Reform¬ 
bestrebungen des frühen 9. und des frühen 10. Jahrhunderts nachvollziehen. Als Leitfaden 
dafür dienten vier Urkunden: ein Diplom Karls des Kahlen vom 24. November 86972 und 
eines von Karl III. vom 21. Juni 88573 sowie zwei Privilegien von den Touler Bischöfen 
Frothar und Gauzlin, von denen das eine um 836, das andere am 11. Oktober 936 ausge¬ 
stellt worden sein soll.74 
Die Konsistenz dieses Leitfadens ist allerdings inzwischen durch André Schoellen in Frage 
gestellt worden, der in seiner unveröffentlichten maîtrise aus dem Jahre 1985 die beiden 
Bischofsurkunden als Fälschungen des 12. Jahrhunderts charakterisiert.75 Jedoch begründet 
69 Zu dieser vgl. R[obert] Fawtier, L'abbaye de Saint-Evre-Ies-Toul depuis les origines jusqu'en l'année 
1552, in: Positions des mémoires présentés à la faculté des lettres pour l'obtention des diplômes d'étu¬ 
des supérieures, Paris 1906, S. 141-145, bes. 141 ff., und Michele Schaeffer, Les abbayes Saint-Evre 
et Saint-Mansuy aux Xe et XIe siècles, in: Etudes Touloises 27 (1982) S. 55-63, bes. 55 f., sowie Boshof, 
Kloster und Bischof (wie Anm. 6), S. 199, 201,211 ff. und 221 f. 
70 Vgl. dazu auch Josef Semmler, Benedictus II: una regula - una consuetudo, in: Benedictine Culture 
750-1050, ed. by W. Lourdaux and D. Verhelst (= Mediaevalia Lovaniensia Series I, Studia XI), 
Leuven 1983, S. 1-49, bes. 18 f. 
71 Vgl. dazu Anm. 8. 
72 Recueil des Actes de Charles II le Chauve, roi de France, par Georges Tessier, 3 Bde., Paris 1943- 
1955, Nr. 330. 
73 D K III (Bearb. v. P[aul] Kehr, Berlin 1937) 125. 
74 Diese beiden Urkunden sind bislang nur in älteren Drucken herausgegeben, vor allem bei: Augustin 
Ca I met, Histoire de Lorraine, Bd. 2, 21 748, preuv. S. 1 29-131 und S. 181-183; die Urkunde Frothars 
aber auch bei Jean Mabillon, De re diplomatica libri VI, Tom. I, Neapel 1789, S. 544 f. Nr. 79 (der 
das verlorene Original in der „Notatio" auf S. 545 wie folgt beschreibt: „Omnes subscriptiones diversa 
manu. Frotharius majusculis litteris, Notariusque subscribunt sine sigillo. Inter Frotharium & Presbyteros 
spatium est vacuum, itemque inter Presbyteros et Diaconos. Tota charta scripta est elegantissimo 
charactere, ut aiiae ecclesiasticae."), und in der Sammlung Gallia christiana XIII, Paris 1 785, instr. S. 
447-449 Nr. III. Eine kritische Edition liegt noch nicht vor, wird aber offenkundig in Nancy vorbereitet. 
Die Vorarbeiten dazu stellte freundlicherweise Michel Parisse, dem dafür gedankt sei, zur Verfügung: 
André Schoellen, Les actes des évêques de Toul, des origines à 1069, masch. memoire de maîtrise 
Nancy 1985, Nr. 1 und Nr. 9 (wo beide Schriftstücke als Fälschungen charakterisiert werden). - Zu Fro¬ 
thar vgl. auch Chr. Pfister, L'évêque Frothaire de Toul, in: Annales de l'Est 4 (1890) S. 261-313, und 
Karl Hampe, Zur Datierung der Briefe des Bischofs Frothar von Toul, in: NA 21 (1 896) S. 747-760. 
75 Vgl. Schoellen (wie Anm. 74) S. 11 sowie die Vorbemerkungen zu seinen in der vorhergehenden 
Anm. angeführten Urkundeneditionen. 
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