Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

vom 3. Januar 1935" etliche Geistliche (Dietrich, Hilbringen; Eisvogel, Neunkir¬ 
chen; Haas, Erfweiler; Hartz, Wallerfangen; Heibges, St. Wendel; Held, Itzbach; 
Knauf, Uchtelfangen; Lieblang, Völklingen; Ludwig, Wadgassen; Roth, Quier¬ 
schied; Dr. Schlich, Saarbrücken; Stabei, Ormesheim) dagegen, daß "in verschie¬ 
denen Zeitungen, die den Status quo vertreten, und von Rednern in solchen Ver¬ 
sammlungen" wiederholt behauptet worden sei, "ein großer Teil, ja sogar 80 - 90% 
der Geistlichen, stünden hinter der 'Neuen Saar-Post' und dem Volksbund und 
würden somit am 13. Januar für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes im 
Saargebiet stimmen"128. Solche Behauptungen seien nirgends bewiesen und könn¬ 
ten auch nicht bewiesen werden. Hatte das Verbot der Bischöfe nach Rücksprache 
mit dem apostolischen Visitator für das Saargebiet, Monsignore Panico, "die sittli¬ 
che Pflicht der Liebe zum angestammten Volkstum" herausgestellt und die Ent¬ 
scheidung für den Status quo dem Gläubigen selbst anheimgestellt, so sprachen die 
Geistlichen in gleicher Weise von der "Liebe und Treue zu ihrem deutschen Volk 
und Vaterland für sich und ihre Gläubigen"129. Unter Hinweis auf die Verwirrung 
im Saargebiet, die hauptsächlich durch die ungeklärte kirchenpolitische Lage im 
Reich verursacht worden sei, gaben sie der Hoffnung Ausdruck, daß nach der 
Rückgliederung des Saargebietes auch die letzten Schwierigkeiten und Unklarhei¬ 
ten zwischen Staat und Kirche von der Reichsregierung ausgeräumt würden. Ihre 
Zuversicht gründe auf den bis zur Abstimmung wiederholten Erklärungen Hitlers 
sowie anderer Minister, "daß das Deutsche Reich auf dem Boden des positiven 
Christentums stehe und aufgebaut werden soll(e)"130. 
Trotz aller Erklärungen und Verfügungen der beiden Bischöfe dürften für viele 
Saar-Katholiken jedoch die zahlreichen Stellungnahmen katholischer Geistlicher 
im Vorfeld der Abstimmung für einen nicht unbedeutenden Gewissenskonflikt ge¬ 
sorgt haben. Pathetisch rief wenige Tage vor der Abstimmung ein katholischer 
Pater unter Beschwörung christlich-nationaler Grundsätze aus: "Deutsch ist unsere 
Heimat, deutsch soll sie bleiben. Deutsch sind die Berge, die Täler, deutsch die 
Flüsse und die Wälder. Deutsch sind die Menschen und ihr Blut, deutsch ist die 
Sprache und das Denken, deutsch unser Herz und deutsch der Mut."131 Geradezu 
Schützenhilfe erhielt die Deutsche Front bei der Verteidigung des nationalen An¬ 
spruchs durch solche Artikel. Der saardeutsche Pater amerikanischer Staatsange¬ 
hörigkeit, Dr. Anton Fontaine (damals Fraulautern, Kreis Saarlouis), gab für die 
Saar-Katholiken die Parole zum 13. Januar aus: "Fort mit der Fremdherrschaft, zu¬ 
rück zum Vaterland!"132 
Waren damit die Argumentationen der obersten kirchlichen Behörden auf einen 
vereinfachten Nenner gebracht, so muß deren Haltung selbst jedoch differenzierter 
128 S.Z. Nr. 3v. 4.1.1935. 
129 Ebd. Nr. 3. 
130 Ebd. Nr. 3. 
131 S.Z. Nr. 5 v. 6.1.1935 (Name nicht genannt, möglicherweise der in der S.Z. Nr. 7 v. 8.1.1935 genannte 
saarländische Pater amerikanischer Staatsangehörigkeit, Dr. Anton Fontaine, Fraulautem/SLS). 
132 S.Z. Nr. 7v. 8.1.1935. 
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