Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

blieb es nunmehr wenigen Geistlichen im Saargebiet Vorbehalten, den immer grö¬ 
ßer werdenden Konflikt zwischen dem bisher erklärten Rückkehrwillen und den 
Bedenken gegen das nationalsozialistische System zu lösen bzw. mit der Christen¬ 
lehre116 in Einklang zu bringen. In den Vereinbarungen117 zur Auflösung des 
Zentrums waren zwar gerade der katholischen Presse besondere Rechte eingeräumt 
worden, diese in der Folgezeit jedoch nicht eingehalten worden. In dem Beschwer¬ 
debrief der katholischen Geistlichkeit des Saargebietes an Hitler vom 13. Novem¬ 
ber 1933, in dem diese Geistlichen für die "ehemalige Zentrumspartei" sprachen, 
"die seit 1918 im Kampf um das Deutschtum an der Saar sich unentwegt zur deut¬ 
schen Heimat bekannt und gestanden (habe)"118, wurden weiterhin die Beweg¬ 
gründe zum Aufgehen in der Deutschens Front verteidigt. 
Trotz der Unterstellung "vaterlandsloser Gesinnung" und dem Verlangen nach 
Genugtuung blieb der Wunsch der 20 Dechanten und Pfarrer, angeführt von Dr. 
Schlich und Pfarrer Bungarten, "als freies Volk in freier Abstimmung und Hingabe 
1935 für unsere deutsche Heimat zu stimmen"119, bestehen. In dem Protokoll der 
Dechantenkonferenz vom 22. Januar 1934 anläßlich des Spaniol-Interviews und 
der nationalsozialistischen Hetze gegen Schlich gab dieser zwar der Sorge Aus¬ 
druck, daß jegliche Unternehmung gegen eine Rückgliederung den kirchenfeindli¬ 
chen Elementen im Reich Anlaß biete, den Katholiken im Reich zu schaden, wies 
aber gleichzeitig auf die gewaltige Veränderung der Verhältnisse vom Januar 1933 
bis 1934 hin120. Ferner vertraute man auf eine Verzögerung des Abstimmungs- 
termins um zwei bis drei Jahre. Grundtenor blieb weiterhin die Auffassung, daß es 
116 ln diesem Zusammenhang die Äußerungen Spaniols gegenüber dem Schweden Vinde bezügl. Hitler als 
"neuer, größerer, gewaltiger Christus"; s. S.L.Z. Nr. 29 v. 30.1.1934: "Das Christentum des Na¬ 
tionalsozialismus in realistischer Beleuchtung". 
117 Handschriftl. Zusatz zur Niederschrift (Anm. 254). 
118 BA Koblenz, Best. Alte Reichskanzlei, R 431/253. 
119 Ebd. R 431/253. Zum Aufruf der saarländischen Dechanten gegen den Status quo s. Ä Müller, Kath. 
Kirche, Nr. 170. S. 329. 
120 AB Trier, Abt 59, Nr. 51, Bl. 92. Alois Spaniol, geb. 19.9.1904 in Lisdorf, Vater aus Schiftweiler 
(Saar), Lehrer, nach Schulabschluß Vertreter einer Holzgroßhandlung, Leiter für den Versand u. die 
Aufarbeitung von Grubenhölzern im Rheinland; am 1.5.1923 entlassen; Notstandsarbeiter in einem 
rhein. Dorf in der Kiesgrube, im Steinbruch und als Waldarbeiter, bis zu seiner Rückkehr an die Saar 
im November 1923; ab 1.4.1924 Arbeiter der Röhrenwerke in Bous bis 15.11.1932. Erster öffentlicher 
Auftritt bei der Jahrtausendfeier der Rheinlande 1925. NSDAP-Gruppenbildung in Saarlouis zus. mit 
Pg, Daub; er hört Vorträge zusammen mit dem Pg. u. Stadtverordneten Eckert, Gauleiter Ehrecke und 
Pg. Brück. Beitritt zur SA von Saarlouis, betreibt Aufbauarbeit mit SA-Führer Hans Harig, Saarlouis, 
und nach ihm Führer des Sturms 4, 1/70. Gründung von Ortsgruppen, Aufstieg zum Kreisleiter und 
nach Brück Landesführer des Gaues Saar. Durch eine Erweiterung des Vereinsgesetzes der Reko, wo¬ 
nach die NSDAP verpflichtet wurde, sich als selbständiger politischer Verein anzumelden, faßte er den 
Gau Saar der NSDAP in einen Landesverband zusammen und meldete gern, der bestehenden VO den 
Verein NSDAP-Saargebiet an. Zu den Anschuldigungen Spaniols gegen Schlich s. Niederschriften des 
Aufsichtsrates der SDV AG 1934. LA Saarbrücken, Best. SDV, Nr. 4 sowie (hier) X. Kap. Anm. 11. 
Vgl, G. Paul, Die NSDAP, gern. PeTS.Reg. S. 286. 
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