Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Die enge Verflochtenheit von katholischem Geist und Zentrumspolitik kam in dem 
Wahlaufruf des Zentrums am Tage vor der Landesratswahl 1932 zum Ausdruck, 
wenn Rettung für die Saar nur durch "echtes Tat-Christentum" in allen Lebensla¬ 
gen, im öffentlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben gesehen 
wurde, - dies zwar knapp drei Jahre vor dem Plebiszit, jedoch bei der Wahl des¬ 
jenigen Landesrates, der die Aufgabe haben sollte, "das deutsche Saargebiet dem 
deutschen Vaterlande wiederzugeben"111. 
Das Festhalten an der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich blieb auf katholischer 
Seite auch nach Hitlers Machtergreifung erhalten, konnte die Kirche doch im Ver¬ 
trauen auf die programmatische Rede Hitlers vom 23. März 1933, seine Regierung 
sehe in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren für die Erhal¬ 
tung des deutschen Volkstums, hoffen, daß er die zwischen den Kirchen und Län¬ 
dern abgeschlossenen Verträge respektieren und die Rechte der Kirche nicht an¬ 
tasten werde. Demgemäß glaubte die katholische Geistlichkeit an der Saar, Verfeh¬ 
lungen gegen katholische Beamte im Reich als "Taten ... untergeordneter Organe" 
abtun zu können, die "mit den feierlichen Erklärungen des Führers in Wider¬ 
spruch"112 stünden. "In der heißen Sorge um die Rückgliederung des Saargebietes" 
fühlten sich die katholischen Geistlichen verpflichtet, Hitler mitzuteilen, "daß die¬ 
se Dinge eine ungünstige Wirkung auf das Saargebiet ausüben, wo doch heute 
noch viele Tausende, die links stünden, zurückgewonnen werden müßten, damit 
die Abstimmung ein für Deutschland günstiges Ergebnis" habe113. 
Die Ausstellung des Heiligen Rocks in Trier, die nach einer Pause seit 1891 vom 
23. Juni bis 10. September 1933 wiederum durchgeführt wurde, bewegte die Mas¬ 
sen der Gläubigen in starkem Maße, wobei von kirchlicher Seite die Wallfahrt als 
" Lebensäußerung des Volksfrommen und des gläubigen Volkstums" begriffen 
wurde, - Vorstellungen, die von der politischen Seite gerne aufgegriffen und durch 
"Pilgersammel-Sonderzüge" der Saarbevölkerung nach Trier in entsprechender 
Form unterstützt wurden; solche Aktionen glichen der Saarkundgebung am Nie¬ 
derwald vom 27. August 1933, und waren sie auch in der Ausgestaltung wie in den 
Pressepublikationen nicht so aufwendig, so standen sie doch als äußeres Zeichen 
der Verbundenheit der Saarkatholiken mit dem Reich114. 
In den Ausführungen über das saarländische Zentrum habe ich bereits auf die Be¬ 
setzung von Führungspositionen mit katholischen Geistlichen hingewiesen. Nach 
der Auflösung der Zentrumspartei bzw. ihrem Aufgehen in der Deutschen Front115 
111 S.L.Z. Nr. 171 v. 12.3.1932. 
112 Brief der kath. Geistlichkeit des Saargebietes an Hitler v. 25.9.1933. AB Trier, Abt. 59, Nr. 61. 
113 Ebd. Nr. 61. 
114G. Schreiber (Hg.), Wallfahrt und Volkstum, S. 155, 277; damit im Zusammenhang ist auch die 
"Bittwallfahrt zu den Sandalen des Herrn in Prüm" im Sommer 1933 zu sehen. Ebd. S. 125. SZ Nr. 202 
v. 4.8.1933. 
1 ^ Niederschrift über die Besprechung und Vereinbarungen zwischen Vertretern der Zentrumspartei des 
Saargebietes und dem Leiter der NSDAP des Saargebietes, Spaniol, wegen der Auflösung der Zen¬ 
trumspartei. AB Trier, Abt. 59, Nr, 61 (Handschriftl. Prot.). Auflösung des Zentrums am 12.10.1933. 
93
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.