Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Braun auf seine Seite zu ziehen, indem man auch den Status quo als "eine deut¬ 
sche Lösung" hinstellte oder die Möglichkeit einer zweiten Abstimmung andeu¬ 
tete, scheiterte18. 
Der Versuch, die gesamte Oppositionspresse zu kaufen, sie bereits vor der Ab¬ 
stimmung zum Schweigen oder kurz vorher auf NS-Kurs zu bringen oder Führer 
des Status quo zu kaufen, mißlang. Als Ausweichmanöver ließ sich propagandisti¬ 
sch das straffe Vorgehen der Reko gegen die Zeitungen und Druckschriften der 
Saar und des Reiches verwerten19, - eine Gefahr, die von den Status quo-Vertre¬ 
tern durchaus erkannt wurde. Verboten hatte die Reko 1933 nicht weniger als 39 
bzw. 1934 66 Zeitungen und Druckschriften, wobei die Verbote wenige Tage bis 
hin zu drei Monaten umfaßten, mit einer Gültigkeit "ab sofort" oder "bis auf weite¬ 
res"20. 
Angesichts dieser Zeitungsmisere mußte selbst das Organ der Assocation 
Française de la Sarre einräumen: "Les Sarrois, il faut le reconnaître, n'avaient pas 
confiance dans l'énergie de la Commission de Gouvernement, aussi un grand nom¬ 
bre d'eux avaient-ils adhéré à l'hitlérisme par crainte de représailles, mais les Or¬ 
donnances énergiques de la commission, l'approbation unanime de sa gestion par 
le Conseil de la S.D.N., enfin l'interdiction pour huit jours de journaux tels que le 
Merziger Journal, le Saar Front et la Saarbrücker Zeitung s'ajoutant aux faits 
d'autorité énumérés dans notre bulletin No 1 ont fait une impression sérieuse."21 
Unter dem Druck der Deutschen Front war es am 8.Januar 1935, also wenige Tage 
vor der Abstimmung, durch die noch nicht gleichgeschaltete Presse gemäß ihrer 
Denkschrift an die Abstimmungskommission zur Forderung nach einem Erlaß ge¬ 
kommen, wonach es allen Zeitungsläden und Kiosken wenigstens bis zum 20. Ja¬ 
nuar 1935 zur Pflicht gemacht werden sollte, auch Zeitungen der freien Presse gut 
sichtbar auszuhängen. Unterzeichnet war der Protest von folgenden Zeitungen 
bzw. deren Vertretern: Neue Saar-Post, Deutsche Freiheit, Grenzland, Arbeiter¬ 
zeitung, Deutsche Volkszeitung, Generalanzeiger für das Saargebiet und 
Volksstimme. Doch dieser Aufruf verhallte ohne Wirkung22. 
Ab 1. März 1935, dem Amtsantritt Bürckels in Saarbrücken, erfolgte offen die 
Ausrichtung der Presse auf die Parteilinie der NSDAP. Gegenüber dem Haupt- 
schriftleiter der NSZ-Rheinfront, E.F. Rasche, antwortete Bürckel auf die Frage, 
1 ft 
Das Angebot Dr. Königs an Max Braun: Ebd. S. 191f. Ebenso: E. Kunkel, Die Sozialdemokratische 
Partei, S. 53. 
19 Vgl. die Goebbels-Rede in Zweibrücken v. 6.5.1934: H. Heiber, Goebbels-Reden, S. 152. 
20 Rechtsgrundlage bildeten 1933 größtenteils die VO der Reko v. 18.6.1923 bzw. ab Mai 1933 die VO v. 
20.5.1933, später mit Änderung v. 28.11.1933 oder die VO v. 4.9.1934. 
21 
Association Française de la Sarre. Feuille de Renseignements Confidentiels Nr. 2 (später als Journal de 
la Sarre). Arch. dép. de la M.-et-M., Cote 4 M 227, pièce 149; ebd. eine Liste der Zeitungsverbote der 
Reko. 
22 
P. Lempert, "Das Saarland den Saarländern!", S. 499. Zur Gleichschaltung durch die prodeutschen Par¬ 
teien (Deutsche Front) vgl. auch L. Lambert, The Saar, S. 259 bzw. 283. 
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