Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

klärungen vom 28. Januar 1934 darauf hin, daß beim Verein der Saarpresse ganz 
konkrete Abmachungen zu einer einheitlichen Pressepolitik bestanden haben. Zu 
einer nach außen hin nur scheinbar abgeschwächteren Gangart der Deutschen 
Front, der Reichssteilen und in der direkten Einflußnahme auf die Presse kam es 
im Frühjahr 1934. Doch bestanden von seiten Bürckels nunmehr weit bessere 
Verbindungen zur Deutschen Front sowie zur Leiterin der Nachrichtenagentur 
DNB in Saarbrücken, von Roedern . 
Die Erwartungen der Partei von König, der vom Handels- und Wirtschafts¬ 
redakteur der S.L.Z. (1929-1932, wegen persönlicher Differenzen mit der Verlags¬ 
leitung selbst gekündigt) zum Chefredakteur der "Saar-Front" und Gaupressere¬ 
ferent aufgestiegen war, erfüllten sich nicht, da König mit den Forderungen der 
Parteileitung immer weniger konform lief (nach eigenen Angaben: Weigerung zur 
Veröffentlichung von Artikeln gegen Juden, gegen die christlichen Kirchen und 
von Artikeln mit persönlichen Angriffen gegen Kollegen der Hitler-feindlichen 
Presse), so daß ihn Bürckel fristlos entließ und nach der Saarabstimmung mit 
Gauverbot belegte. Der Schwedische Journalist Victor Vinde habe aufgrund seiner 
guten Informationen durch König "sensationelle Berichte von internationaler 
Bedeutung gegen den Nazismus veröffentlichen können", schreibt der Chef¬ 
redakteur der S.Z. am 17. April 1947 im Zuge von Königs Säuberungsverfahren. 
Diese Berichte konnten als erster unmittelbarer Anlaß zur Spaltung der Katholiken 
des Saarlandes und zur Bildung der katholischen Opposition angesehen werden. 
Und Johannes Hoffmann stellte am 3. Mai 1946 fest, König habe schon in seiner 
Funktion als Chefredakteur des Parteiblattes als "Überläufer aus dem schwarzen 
Lager" gegolten13. Sensationsmeldungen und Hetze gegen die Reko kamen nun¬ 
mehr von dem aus Köln-Nippes stammenden Nachfolger Königs in der Deutschen 
Saar-Korrespondenz, Dr. Kurt Hüttebräucker. 
Dem Umstand der Bindung der Saarpresse an die Parteien ist es zuzuschreiben, 
daß sich ihre Ausrichtung auf NS-Belange gewissermaßen an der anlaufenden 
Gleichschaltung der Parteien, also am Aufbau der Deutschen Front, ablesen läßt. 
Hierzu gehört der Versuch von Papens bereits im Februar 1933, den Chefredakteur 
der S.L.Z., Johannes Hoffmann, aus der Redaktion zu entfernen sowie der dann 
doch abgeblasene Versuch, über den Verwalter der Reichsanteile an den Saarzei¬ 
tungen, Max Winkler, finanziellen Druck auf den Aufsichtsrat der Saarbrücker 
Landeszeitung auszuüben. Ein weiterer Versuch zur "Anpassung" der S.L.Z. da¬ 
13 Dr. Josef König, geb. 10.10.1894 in Insheim/Pf., NSDAP von 1933-1940, nach seiner Entlassung 
durch Bürckel arbeitslos und ab 15.3.1935 bis Dezember 1940 auf Vermittlung von A, Raskin Referent 
am Reichssender Frankfurt, 1939 von den Nazis vor ein Kriegsgericht gestellt, freigesprochen, doch 
disziplinarisch bestraft; 1940 wegen einer "geringfügigen" mitit. Angelegenheit zu 8 Jahren Zuchthaus 
und weiteren empfindlichen Strafen verurteilt; 4 Monate später in 4 Jahre Gefängnis umgewandelt, 2 
Jahre in einem Offz.-Straflager verbracht, der Rest 1942 zur Bewährung ausgesetzt; diese Verurteilung 
hatte zum Parteiausschluß und zur fristlosen Entlassung beim Reichssender geführt; in der Folgezeit 
von der Gestapo auch in der neuen Anstellung (Pers.Chef d.Fa. Stahlschanz i. Mühlheim/M.) verfolgt; 
nach dem Krieg wohnhaft in Anspach/Taunus. LA Saarbrücken, Best. IV OSR 462/49. 
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