Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Anzahl saarländischer und reichsdeutscher Blätter; um bestimmte Verbotsaufhe¬ 
bungen bemühte sich teilweise erfolgreich das saarländische Mitglied der Regie¬ 
rungskommission Koßmann10. Nicht auf der Verbots-Liste der Reko erschienen 
die Status quo-Blätter, geringfügig betroffen waren die sozialdemokratischen und 
die kommunistischen Organe: das "Saarlouiser Journal", die "Saarchronik", die 
"Neue Saar-Post" (im NS-Jargon als "Saar-Pest" bezeichnet11), die "Volksstimme", 
das Blatt von Max Braun, die "Deutsche Freiheit", das "Neunkirchener Echo", die 
"Arbeiterzeitung" (das Organ der Rotfrontkämpfer bzw. der Redakteure der bis 
1933 in Berlin herausgegebenen "Rote(n) Fahne"). Sicherlich kann mit heutigen 
Maßstäben und aus retrospektiver Sicht die Pressepolitik der Reko nicht immer 
gutgeheißen werden. Doch unter der Zielsetzung einer echten demokratischen Ent¬ 
scheidung am Abstimmungstage muß zugestanden werden, daß nach dem damali¬ 
gen Wissensstand um alle Verbindungen der reichsfreundlichen Presse zur natio¬ 
nalsozialistischen Bewegung und den maßgebenden Reichsstellen gerade im 
Hinblick auf eine direkte oder allzu offensichtliche Beeinflussung der Wähler ge¬ 
wisse praktische Maßnahmen durch die Reko durchaus angebracht waren. Für die 
späteren Gleichschaltungsprozesse der Nazis waren die Verbote der Reko insofern 
von Bedeutung, als dadurch scheinbar die Grenzen der Rechtmäßigkeit verwischt 
wurden bzw. von der Propaganda als Positivum erklärt werden konnte, was in 
Wahrheit die Eliminierung einer freien Presse bedeutete. 
Nicht zu unterschätzen war vor allem die direkte Beeinflussung der Saar-Redak¬ 
tionen durch den seit Oktober 1933 gewählten Vorstand des Vereins der Saar¬ 
presse mit seinem Vorsitzenden Dr. Josef König zusammen mit Reinike, Kreutz, 
Ludwig Bruch und Schuhler (S.Z.), Theo Schlemmer ("Saarbrücker Abendblatt") 
und Singer (S.L.Z.); als Herausgeber der Deutschen Saar-Korrespondenz lieferte 
König die Nachrichten nicht nur für die Saar-, sondern auch für die Reichspresse. 
Dr. Josef König aus Insheim/Pfalz, ansässig seit 1900 in Mittelbexbach, leitete 
gleichzeitig das Pressereferat der NSDAP-Saargebiet und der Deutschen Front. 
Seine Zielsetzungen werden deutlich z.B. in seinem von Spaniol "restlos gebillig¬ 
ten und gedeckten" Rundschreiben an die Redaktionen vom 22. Dezember 193312, 
wo er die entsprechenden Redakteure mit Ausschluß aus dem Verein der Saar¬ 
presse sowie mit Nicht-Aufnahme in die Berufsliste nach der Rückgliederung 
(unter Bezug auf das im Reich am 4. Oktober 1933 erlassene Schriftleitergesetz) 
bedrohte, wenn sie weiterhin (wie im Fall der Denkschrift der Deutschen Front des 
Landesrates an den Völkerbund) "mangelnde Zivilcourage", also eine von der Par¬ 
teilinie abweichende Berichterstattung, zeigten. Königs anfänglicher Eifer ging so 
weit, daß selbst Berlin seine Aktivitäten durch Verlegung der Deutschen Saar-Kor¬ 
respondenz nach Neustadt/H. eindämmen wollte. Gleichzeitig weisen Königs Er¬ 
111 Aufhebung des Verbotes von 23 Zeitungen u. Zeitschriften: VO Nr. 65 v. 24.1.1935, Amtsb. d. Reko d. 
Sg. Siehe oben I. Kap. 5.2. 
11 Junge Saarfront, Kampfblatt der HJ des Saargebietes, 21. Folge, 17. Brächet (Juni): "Die neue Status 
quo-Gesellschaft mbH, Kommunisten, Sozis und Auchkatholiken", 
^ AA..betr. Presse, Bd. 6 u. LA Speyer, Best. Bez.Amt Kusel, Nr. 1.416 II, Bl. 378. Vgl. F. Jacoby, 
Herrschaftsübemahme, S. 13lf. 
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