Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Reichsorganisationsleiter Ley und dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach 
unterstellt. Der projektierte Standort der "AHS Saarpfalz" war Landstuhl 
(Kirchberg), seit 1938 auch für die Gaue Baden und Hessen zuständig. Während 
des Baues der Schule in Landstuhl (Grundsteinlegung im Januar 1938) war die 
"AHS Saarpfalz" auf der Ordensburg Sonthofen, später auf der Ordensburg Vo¬ 
gelsang untergebracht* 1. Ferner bestand eine "Nationalsozialistische Oberschule 
Saarpfalz", die frühere Realanstalt in Weiherhof am Donnersberg; aus dieser auch 
"NS-Gauoberschule Saarpfalz" genannten Schule entstand im Oktober 1941 eine 
Nationalpolitische Erziehungsanstalt2. 1940/1941 kam es zur Gründung von Ober¬ 
schulen für Jungen in St. Avold, Pfalzburg und Sierck sowie von Oberschulen für 
Mädchen in Forbach, Saarburg und Saargemünd. Nach der Beschlagnahme des 
Missionshauses durch die Gestapo am 10. Januar 1941 wurde ab Ostern 1941 eine 
Napola im Schulgebäude der Steyler Mission in St. Wendel eingerichtet; die Aus¬ 
musterung der ersten Intematsschüler fand vom 8.-13. Juli 1941 in St. Wendel 
statt. Der Aufbau begann mit 70 Jungen und einem "Stammzug" von 30 Jungen, 
der von der Napola Oranienstein bei Diez an der Lahn nach St Wendel verlegt 
worden war. Geführt wurde diese jüngste Napola vom Leiter der Anstalt in Orani¬ 
enstein, dem der Hundertschaftsführer Weber beigegeben war; die Lehrer der Na¬ 
pola waren z.T. bis Februar 1945 im Missionshaus tätig. 
2.3.6. Der Aufbau der Hochschule für Lehrerbildung in Saarbrücken 
Es erscheint einleuchtend, daß es für diese Schulen "im Geiste des Nationalsozia¬ 
lismus'" einer entsprechend geschulten Lehrerschaft bedurfte. Die Umgestaltung 
des gesamten Schulwesens hatte auf Reichsebene seit 1935 (bis 1941) dazu ge¬ 
führt, daß auch die Lehrerausbildung neue Wege ging; dies betraf sowohl die Um¬ 
strukturierung der Lehrinhalte "im Sinne der Bewegung" als auch die Schulung 
der Lehramtsanwärter durch Dozenten, die den ideologischen Anforderungen des 
NS-Regimes zumindest nicht zuwiderliefen1. Demgemäß wurde dann am 11. No¬ 
vember 1936 eine Hochschule für Lehrerbildung in Saarbrücken (Hohenzollemstr. 
59) vom Reichserziehungsminister und von Bürckel feierlich eröffnet. Die Hoch¬ 
schule, am Platz der heutigen Marienschule, nahm (nur) die männlichen Lehr¬ 
amtsbewerber für das Volksschulwesen auf. Hochschuldirektor wurde Prof. Dr. 
Emst Osterloh. 
Mit Beginn des Wintersemesters kamen ca. 130 Studenten mit ihren Dozenten am 
6. November 1936 nach Von der Heydt in die von Kreisleiter Weber zur Verfü¬ 
1 NSZ-Westmark v. 27.4.1941 u. H. Scholtz, Nationalsozialistische Ausleseschulen, S. 177, 205, 209, 
247. Die Bauarbeiten wurden durch den Krieg zuerst unterbrochen und 1940 fortgesetzt. 
A Vgl. H. Scholtz, Nationalsozialistische Ausleseschulen, S. 339f. u. S. 8. D. Wolfanger, Die nationalso¬ 
zialistische Politik, S. 123 u. NSZ-Westmark v. 25.7.1941 u. 23.10.1941. Zur Napola St Wendel: 
Saarländische Tageszeitung v. 7.6.1941. 
1 B. Hamann, Geschichte, S. 176-183. Auf Reichsebene fand im Lehrkörper ein weitgehender Personal¬ 
austausch statt. Etwa 60% republiktreuer, besonders liberal und sozialistisch gesinnter Dozenten 
verloren ihre Lehrbefugnis. Ebd. S. 180. 
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