Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

"Musterstaat" des Völkerbundes entstanden; an der Saar fehlten zur Zeit 30.000 
Häuser und aufgrund einer Erhebung der letzten Tage gebe es 18.000 Berg- und 
Hüttenarbeiter ohne Wohnung. Bürckel habe daher das Gausiedlungsamt Saar¬ 
land-Pfalz in Bad Dürkheim beauftragt, Abhilfe zu schaffen. Nach Auskunft des 
Leiters dieses Amtes, Bürgermeister Imbt, sei der Plan für das erste Jahr bereits 
fertiggestellt und die Finanzierung von 2.000 Häusern restlos gesichert; die NS- 
Presse titulierte diese Siedlungstätigkeit als "Bürckelprogramm"8. Die Vorarbeiten 
des Projekts übernehme das Siedlungsamt, während die Ausführung selbst beim 
Siedlungsverband Saarland-Pfalz GmbH (Bad Dürkheim) liege. 
Die Planung erstreckte sich auf eine stattliche Anzahl von Bauvorhaben: 
Kreis Saarbrücken-Land 400 Stellen, 
Kreis Saarbrücken-Stadt 350 Stellen, 
Kreis Saarlouis 350 Stellen, 
Kreis Merzig 100 Stellen, 
Kreis Homburg 150 Stellen, 
Kreis St. Ingbert 250 Stellen, 
Kreis St. Wendel 100 Stellen, 
Kreis Ottweiler 300 Stellen. 
Die Siedlungen sollten über das ganze Saarland als sogenannte "Nebenerwerbs¬ 
siedlungen" verteilt werden, die 100 qm Land umfaßten; dabei sollten vornehmlich 
"Stammarbeiter" untergebracht werden, die eine feste Arbeitsstätte in der Industrie 
hatten. Die damit freiwerdenden Wohnungen sollten nach einer Übereinkunft mit 
den Gemeinden solchen Familien zukommen, die bisher in Baracken gewohnt 
hatten, kam es nach NS-Jargon doch darauf an, "wertvolle Familien bodenständig 
zu machen". Auch Angestellte und Beamte konnten Siedlungen erhalten, was 
letztlich auf eine Verteilung nicht im sozial-bedürftigen Sinne, sondern auf 
Parteigläubigkeit hinauslief. Die Gesamtfinanzierung dieser ersten Projektierung 
sollte 10 Mill. RM umfassen. Das Bauland stellte im wesentlichen die 
Staatsforstverwaltung (3,50 RM/qm) zur Verfügung; gerodet und bearbeitet wurde 
es von sogenannten Notstandsarbeitem und dem freiwilligen Arbeitsdienst. Für die 
Siedlung selbst wurde ein neuer Haustyp geschaffen, dessen Entwurf auf den 
bisher in der Pfalz und im Reich gewonnenen Erkenntnissen beruhte. 
o . . . . 
NSZ-Rheinfront Nr. 212 v. 11.9.1935. Wohlweislich wurden Förderprogramme des Reiches als Eigen¬ 
leistungen hingestellt. Vgl.den Erlaß des Reichs- und Preuß, Arbeitsministers, aufgrund des Gesetzes 
zur Förderung des Wohnungsbaues v. 30,3.1935 (RGBl. I, S. 469), zur bes. Förderung von ländlichen 
Handwerkern, Forstarbeitem, Deicharbeitem, Landarbeitern und Heuerlingen bei Erbhofbauem. LA 
Saarbrücken, Best. Landeskulturverw., Nr. 422. 
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