Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

nach Deutschland gingen, während der Absatz nach Frankreich dauernd rückläu¬ 
fig sei; die deutsch-französischen Clearingvorschriften erschwerten jedoch die Be¬ 
zahlung des Saarexportes nach Deutschland derart, daß man eine Öffnung der 
Zollgrenze nach Deutschland verlangen müsse. Der Rückgang des Saarexports 
nach Frankreich erkläre sich aus einer bewußten Ablehnung franzosischerseits; 
darüberhinaus ziehe Frankreich seine Kredite im Saargebiet in immer stärkerem 
Maße ab. Hieraus entstehe die Gefahr eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs. 
Auf nationalsozialistischer Seite beeilte man sich darzulegen, auch Knox habe vor 
dem Dreierkomitee auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hingewiesen; konkre¬ 
te Lösungen durch das Reich unterblieben jedoch. 
Im Mai 1934 wurde mitgeteilt, Minister Goebbels habe einen Plan zur wirtschaftli¬ 
chen Erschließung des Saargebietes nach der Rückgliederung entwickelt. Er um¬ 
fasse die Erschließung des Warndt-Reviers, den Absatz für die Saarkohle und die 
Landwirtschaftserzeugnisse sowie ein Siedlungswerk; und die Erfolge der Deut¬ 
schen Regierung würden dafiir bürgen, daß ihre Pläne auch im Saargebiet nicht 
auf dem Papier blieben16. 
Die A.G. für Deutsche Elektrizitätswirtschaft gab im Mai 1934 bekannt, daß sie 
sich in der Erkenntnis, daß die Förderung der Elektrizitätswirtschaft im Saargebiet 
für dessen wirtschaftliches Gedeihen von nicht geringer Bedeutung sei, entschlos¬ 
sen habe, mindestens 400 Mill. Kilowattstunden von den Elektrizitätswerken der 
Saargruben abzunehmen, wenn sich diese wieder in rein deutschen Händen befän¬ 
den. Aus propagandistischen Gründen blieb nicht unerwähnt, daß in den Saargru¬ 
ben der elektrische Strom unter Benutzung nicht transportabler Abfallkohle herge¬ 
stellt werde; die Ausfuhr aus dem Saargebiet nach Deutschland sei im ersten Vier¬ 
teljahr 1934 um 50% gegenüber dem Vorjahr gestiegen17. 
Weitere Projektierungen wurden angekündigt. So hätten eingeholte Gutachten den 
Nachweis erbracht, daß die Möglichkeit bestehe, pfälzische Städte und Gemeinden 
auf dem Wege der Fernleitung mit Gas aus den Saar-Kokereien zu versorgen. 
Maßgebende Stellen hätten sich bereits für die Durchführung dieses Projekts ein¬ 
gesetzt. Demnach werde die Pfälzische Gas-A.G. in eine Bau- und Vertriebsgesell¬ 
schaft umgewandelt und mit der Durchführung betraut18. 
Inwieweit solche Überlegungen zur Wirtschaftsrückgliederung kaum auf einer 
verläßlichen Marktanalyse beruhten, belegen die Probleme nach dem 1. März 
1935. Zum Jahrestag der Saar-Rückgliederung meldete die deutsche Botschaft in 
Paris dem Auswärtigen Amt, Max Braun habe im "Pariser Tageblatt" unter Bezug 
auf die "Neue Züricher Zeitung", die "Frankfurter Zeitung" und auf Äußerungen 
von Kommerzienrat H. Röchling und von Koßmann darzulegen versucht, daß 
biet). SDN JO 15, 1934, S. 1.638ff., v. 9.11.1934, C.510.M.229.1934.VII. (Wirtschaftsorganisationen 
des Saargebietes, Zusatz zur Petition v. 1.11.1934). 
16 Archiv der Gegenwart 1934 (v. 6.5.1934), S. 1.415. 
17 Ebd. (v. 22.5.1934), S. 1.441. 
18 Ebd. (v. 30.5.1934), S. 1.452. 
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