Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

September 1941 begannen Verhandlungen und Besichtigungen vor Ort zur Linien¬ 
führung einer Reichsautobahn von der Saar nach Metz mit Abzweigung nach 
Luxembourg; aufgrund der Kriegsereignisse unterblieb jedoch die Gesamtaus- 
führung12. 
Bekanntlich unterblieb auch der Kanalbau bis heute; sicherlich können nicht alle 
Unterlassungen einer verfehlten Nazipolitik angelastet werden, doch bleibt die 
Tatsache bestehen, daß das Projekt vor der Rückgliederung in den Raum gestellt 
und noch Jahre später "gepflegt" wurde13. Der Saarwirtschaft wurde der Kanalbau 
durch die Pfalz zum Rhein bei Ludwigshafen als Möglichkeit zur Wiedererschlie¬ 
ßung des nach Versailles verlorenen Kohleabsatzgebietes Bayern und 
Württemberg hingestellt. Dagegen führte eine am 14. Mai 1935 ergangene 
"Verordnung über die Einführung von Vorschriften auf dem Gebiete des 
Autobahn- und Straßenwesens im Saarland"14 ab 1. Juni des Jahres das Gesetz 
über die Errichtung eines Unternehmens "Reichsautobahnen" nebst den zur 
Änderung, Ergänzung und Durchführung dieses Gesetzes ergangenen Vorschriften 
im Saarland ein und verlagerte damit den Schwerpunkt der infrastrukturellen 
Maßnahmen auf den Bereich des Straßennetzes. 
Propagandistisch waren zahlreiche Zukunftsprojekte gerade zu Beginn des Jahres 
1934, in der Endphase der 15jährigen Sonderverwaltung des Saargebietes, von 
Reichsstellen in den Raum gestellt worden, ohne daß hierzu überhaupt die rechtli¬ 
chen und finanziellen Grundlagen gegeben waren. Die wirtschaftlichen Spitzen¬ 
verbände der Saar hatten in einer Eingabe an das Dreierkomitee schon im Novem¬ 
ber 1934 darauf hingewiesen15, daß 60% der Fertigwarenausfuhr des Saargebietes 
12 Zum Planungsverlauf s. die Vorgänge von 1937-1942: LA Saarbrücken, Best. Landeskulturverwal¬ 
tung, Nr. 482. Die Linienführung im Bereich des Saarlandes entspricht bis Saarbrücken etwa dem 
heutigen Verlauf, führt dann über den nördlichen Warndt Richtung Charleville bis zu einem AB-Rreuz 
Sanry-les-Vigy und kreuzt hier die AB Metz-Luxembourg. Zur Zuständigkeit in Umlegungsagelegen- 
heiten s. IV. Kap. 2.4, 
1*1 
Meldung zur Gründung des Saar-Pfalz-Rheinland- Vereins im Januar 1936 unter Beteiligung der Städte 
Saarbrücken, Mannheim, Ludwigshafen, Kaiserslautem und Neustadt sowie maßgebender Wirt¬ 
schaftskreise. LA Saarbrücken, Best. Gestapo Saarbrücken, Nr. 28, Bl. 78. Zum genauen Verlauf des 
angeblich projektierten Saarpfalz-Rhein-Kanals s. die Unterredung des "Völkischen Beobachters" v. 
13.1.1938 mit J. Bürckel. Vgl. C. Groten, Die Rückkehr, S. 384. Groten berichtet von "umfangreichen 
Plänen über einen Ausbau des saarländischen Wasserstraßennetzes. Neben einer Kanalisierung u. 
Schiffbarmachung der Saar bis zur Stadt Merzig wird vornehmlich der Bau einer Kanalverbindung 
durch die benachbarte Pfalz zum Rhein bei Ludwigshafen erwogen". Zum Saar-Pfalz-Kanal als Aus¬ 
gleich für die Saarwirtschaft zur Wiedererschließung des Kohleabsatzgebietes Bayern und Württem¬ 
berg s. S.L.Z. Nr. 203 v. 27.7.1935: "Die Bedeutung des Saar-Pfalz-Kanals". 
14 RGBl. 1935 I, S. 686. C. Groten spricht z.B. von 428 km Gesamtlänge bei den Provinzial- u. 
Staatsstraßen u. 673 km bei den Kreisstraßen zum Zeitpunkt der Rückgliederung. Siehe C. Groten, Die 
Rückkehr, S. 382. 
15 SDN JO 15, 1934, S. 1.634-1.638, v. 1.11.1934, C.496.M.220.1934.VII. (Wirtschaftsorganisationen 
des Saargebietes, Handelskammer usw., Petition wegen der wirtschaftl. Schwierigkeiten im Saarge¬ 
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