Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

quo, soweit sie bekannt sind, aus der Saar fortzuführen"20. Verhandlungen mit den 
Völkerbundsdelegierten und Regierungsbevollmächtigten von Frankreich hätten 
hierzu bereits stattgefunden; ferner sei beabsichtigt, alle an der Saar befindlichen 
Vermögenswerte zu liquidieren, um mit den gewonnenen Geldern die Emigranten 
zu unterstützen und die illegale Arbeit zu finanzieren. Braun verwies jedoch dar¬ 
auf, daß für die Emigranten der Völkerbund sowie die beteiligten Länder mit grö¬ 
ßeren finanziellen Mitteln einspringen müßten. Er selbst sah zu diesem Zeitpunkt 
seine Aufgabe darin, "die Saar zum Zentrum des illegalen revolutionären Kampfes 
in Deutschland überhaupt zu machen und die Einheitsfront, die an der Saar zwi¬ 
schen allen antifaschistischen Parteien geschaffen worden ist, auf das ganze Reich 
zu übertragen"21. 
Nach dem Lagebericht von Max Braun und dem vorangegangenen Bericht zur 
Volksabstimmung des englischen Vorsitzenden des Internationalen Gewerk¬ 
schaftsbundes, Walter Citrine, legte der österreichische Delegierte Sturmtahl den 
eigentlichen Bericht zur Emigrantenfrage vor. Auch er bestand auf der großen 
Verantwortlichkeit des Völkerbundes, aber auch Frankreichs, für die Emigranten 
und führte aus, Frankreich werde zunächst alle die Emigranten übernehmen, die 
schon jetzt die französische Staatsangehörigkeit besäßen; ferner werde es alle An¬ 
träge, die vor dem 1. Januar (1935) gestellt worden seien, großzügig behandeln. 
Von der französischen Industrie in Lothringen werde genau geprüft, ob Saararbei¬ 
ter entlassen werden könnten, um sie durch Emigranten zu ersetzen. Bei Arbeitern 
von der Saar, die ihren Wohnsitz nicht in Lothringen nehmen wollten, werde da¬ 
von ausgegangen, daß sie für Deutschland gestimmt haben. Ferner habe sich die 
lothringische Industrie bereit erklärt, darüber hinaus eine Reihe von Hütten- und 
Grubenarbeitern zu übernehmen. Großzügig könne mit jüdischen Flüchtlingen 
verfahren werden, da eine große Anzahl von ihnen bereits seit längerer Zeit Vor¬ 
sorge getroffen und ihr Vermögen in Frankreich angelegt habe bzw. sich darauf 
vorbereitet habe, nach Übersee oder Palästina auszuwandem. Der Kommissar für 
Palästina habe sich bereit erklärt, "das Kontingent (zu) erhöhen für Emigranten 
aus der Saar, die die nötigen Geldmittel zur Ansiedlung"22 besäßen. Weiterhin be¬ 
stehe der Plan, eine große Anzahl der Emigranten in den französischen nordafri- 
kanischen Besitzungen unterzubringen. Schwierigkeiten bestünden lediglich in der 
20 Bericht der Deutschen Gesandtschaft in Brüssel an das AA v. 23.1.1935. AA...betr. Parteien im Saar¬ 
gebiet, Bd. 15. 
21 Ebd. Bd. 15. Bezüglich der Gelder meldete der innenpol. Lagebericht der Staatspolizeistelle Saarbrük- 
ken v. 4.4.1935, daß beim Einrücken der NS-Machthaber in Saarbrücken das Vermögen der SP zum 
größten Teil bereits beiseite geschafft war, die Räume der Arbeiterwohlfahrt in der Hohenzollemstraße 
vollkommmen ausgeräumt waren, ebenso das Parteibüro in der Brauerstraße. Beschlagnahmt wurde 
lediglich das Reichsbanner in Sulzbach (seit 1933 Sozialistischer Schutzbund; als Sportschule und 
Wohnungsheim benutzt). LA Saarbrücken, Best. Gestapo Saarbrücken, Nr. 28, Bl. 4ff. Während 
allerdings der Gestapo-Bericht v. 5.2.1936 für die KP eine wachsende illegale Tätigkeit meldet, 
verzeichnet er für die SPD 1935 keine Aktionen bzw,erst 1936 beginnend geringere Aktivitäten. Ebd. 
Nr. 28, bes. Bl. 2ff. 
99 
AA...betr. Parteien im Saargebiet, Bd. 15. 
416
	        

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