Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

arische Abstammung und Erbgesundheit verlangte und denen die Wohltaten ver¬ 
weigerte, die diesen Anforderungen nicht genügten84. 
3. Die arbeits- und sozialpolitischen Veränderungen mit der Einführ¬ 
ung der Deutschen Arbeitsfront und des Arbeitsdanks 
Die Gewerkschaftsbewegung an der Saar hatte sich bis 1919 grundsätzlich wie im 
übrigen Reich entwickelt. Während der 15jährigen Abtrennung vom Reich waren 
die Saargewerkschaften dann weiterhin mit den deutschen Zentralgewerkschaften 
verbunden geblieben; sie arbeiteten nach den gleichen Satzungen und hörten auf 
die gleichen Vorstände. Es waren dies der Deutsche Gewerkschaftsbund mit (im 
wesentlichen) den christlich-nationalen Berufsverbänden, der Deutsche Gewerk¬ 
schaftsring mit den Hirsch-Dunker'schen1 und der Allgemeine Deutsche Gewerk¬ 
schaftsbund2 mit dem Bergarbeiterverband und dem Deutschen Metallarbeiterver¬ 
band. Alle diese Reichsverbände waren außerhalb des Saarlandes inzwischen in 
der NS-Großorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF) aufgegangen3. Mit ihr 
wollten die NS-Machthaber "der Vielheit der Arbeitnehmer- und Untemehmeror- 
ganisationen" entgegentreten, so daß, nachdem am 2. Mai die Nazis die Gewerk¬ 
schaftshäuser im Reich besetzt hatten, R. Ley am 22. Juni 1933 die konfessionellen 
Arbeitnehmervereine verbot4. An der Saar hatten sich nach den Vorgängen im 
84 Zahlenangaben zur NSV in: Saarbrücker Bergmannskalender 1940, S. 142f. Das NSV- 
Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnen-Seminar in Saarbrücken verfügte für die Aufnahme: arische Ab¬ 
stammung, Erbgesundheit, Abschluß des Lyzeums oder Mittlere Reife, hauswirtschaftliche Vorbildung, 
Ableistung des Frauenarbeitsdienstes, Ableistung des Landjahres oder des Landdienstes oder Zugehö¬ 
rigkeit zum BDM oder Frauenwerk, Eignung und Neigung zur sozialpädagogischen Arbeit. Die Mel¬ 
dung lief über die Gauamtsleitung der NSV Neustadt. LA Speyer, Best. H 3, Nr, 7.587, Bl. 1-6. 
* 1865 durch Max Hirsch (1832-1905), Grundideen der deutschen Gewerkvereine nach engl. Vorbild. 
1869 Gründung des "Verbandes deutscher Gewerkvereine" unter Beteiligung von F. Dunker und H. 
Schulze-Delitzschs. Bedeutung meist gering und im Kielwasser der Freien Gewerkschaften. 
2 
Vgl. K. Handfest, Fritz Dobisch. Ein Leben für die Arbeiterbewegung. 
3 
Im Mai 1933 wurde die DAF als Organisation der schaffenden deutschen Stirn und Faust gegründet; sie 
umfaßte als wirtschaftl. Standesorganisation die Mitglieder der ehemaligen Gewerkschaften, Angestell¬ 
tenverbände und Untemehmervereinigungen. Führer war R. Ley, der sie zu einer riesigen Wirtschafts¬ 
organisation mit großem Einfluß auf die Sozial- und Wirtschaftspolitik ausbaute. Siehe R. Schmeer, 
Aufgaben und Aufbau der Deutschen Arbeitsfront, in: Die Verwaltungsakademie, Bd. III, Nr. 47c. Vgl. 
Organisationsbuch der NSDAP S. 185ff. K.-D. Bracher, W. Sauer, G. Schulz, Die nationalsozialistische 
Machtergreifung. M. Broszat, Der Staat Hitlers. Zur "Beseitigung der Gewerkschaften und die Macht¬ 
übernahme durch die NSBO" s. M. Broszat, u.a. (Hg.), Bayern in der NS-Zeit, III, S. 93-106. 
A 
Dokumente zur Kirchenpolitik, Bd. L S. 66f. "Alle übrigen Vereine (Anm. d. Verf.: außer der DAF, 
dem ständischen Aufbau und den Organisationen, die der Fortbildung im Berufe dienten), auch sog. ka¬ 
tholische und evangelische Arbeitervereine, sind als Staatsfeinde zu betrachten, weil sie den großen 
Aufbau hindern und hemmen. Deshalb gilt ihnen unser Kampf und es ist höchste Zeit, daß sie ver¬ 
schwinden." Robert Ley wurde Ende 1932 Nachfolger von Reichsorganisationsleiter Georg Strassers, 
der zusammen mit Bürckel die Idee eines "deutschen Sozialismus” vertreten hatte. 
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