Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

dann in Berlin-Neukölln), Gauamtsleitung in Neustadt (Leiter: Lamb), Kreisamts¬ 
und Ortsgruppenleitungen mit Zellen und Blöcken8*. Dem Landkreis Saar¬ 
brücken-Land z.B., geführt von dem Kreisamtsleiter Dr. Lang, unterstand zur 
Durchführung seiner Aufgaben ein Geschäftsführer, ein Organisationsleiter, ein 
Leiter für Presse und Propaganda und ein Mitarbeiter für Rechtsfragen zur Verfü¬ 
gung. Im Landkreis existierten zwölf Ortsgruppenleitungen: Bischmisheim, Dud- 
weiler, Friedrichsthal, Gersweiler, Heusweiler, Kleinblittersdorf, Ludweiler, Pütt¬ 
lingen, Quierschied, Riegelsberg, Sulzbach und Völklingen mit ca. 2.000 ehren¬ 
amtlichen Helfern. Ihre Hauptaufgabe lag neben dem Wirken im "WHW" im 
"Erholungswerk des deutschen Volkes" (Verschickung von Volksgenossen), im 
Sommerhilfswerk "Mutter und Kind", in der Familienfürsorge, in der Bettenhilfe 
(z.B. Übergabe von 21 Betten an erbgesunde Familien aus der Gemeinde Püttlin¬ 
gen im Juli 193581 82), in der Kinderlandverschickung, in der Müttererholungsfür¬ 
sorge, in der Tuberkulose- und Diphteriebekämpfüng sowie in der Einrichtung des 
"Eintopfsonntags". Diesbezügliche Aktionen liefen hierzulande zur "Linderung der 
Not der Bergarbeiter an der Saar aufgrund von Teierschichten' infolge der verfehl¬ 
ten Politik der Reko oder der Willkür der Grubenverwaltung"; ein spezieller Ver¬ 
teilungsmodus mit der Ausgabe von Gutscheinen sorgte für die "richtige" Zutei¬ 
lung an "verdiente" Bedürftige. 
Mit laufenden Werbeaktionen, die die NSV-Aibeit als "Christentum der Tat" prie¬ 
sen, wandte sich die Organisation an die Öffentlichkeit, wobei sich aber OB Dürr¬ 
feld z.B. nicht scheute, dem Werbe- und Spendenaufruf vom 15. Juni 1935 auf der 
ersten Seite der NSZ- Rheinfront gleichzeitig die Antwort auf die "Anfrage der 
Stadtverwaltung Saarbrücken" zum Gehalt und Ruhegehalt des ehemaligen OB 
Neikes direkt anzufügen; und ganz unmißverständlich und gezielt wurde diese Of¬ 
fenlegung einer privaten Angelegenheit als ein "unerhörtes Verhalten" kommen¬ 
tiert83, um damit einerseits Stimmung gegen Neikes zu machen, andererseits die 
Spendebereitschaft der Volksgenossen anzukurbeln. 
Mit Stichtag 31. März 1939, dem sechsjährigen Bestehen der NSV im Reich, ver¬ 
öffentlichte die NSV im Gau Saarpfalz eine Zusammenstellung der bisher geleiste¬ 
ten Arbeit. Die Leistungen im Erholungswerk mit Müttererholungspflege, Kinder¬ 
heimverschickung, Kinderlandverschickung, Hitlerfreiplatzspende, Dauerkinder¬ 
gärten, Erntekindergärten, im Hilfswerk "Mutter und Kind", in der NSV-Jugend- 
hilfe, NS-Schwesternschaft, Gesundheitsfürsorge (Tuberkulosenhilfswerk und mo¬ 
torisierter Schulzahnpflege) und Emähnmgshilfswerk (wozu auch Schweine¬ 
mästereien zählten) wurden als "ideelle, seelische und politische Werte" besonders 
herausgestellt. Für den einzelnen Bedürftigen war dies sicherlich eine Wohltat; 
doch können die sozialen Wohltaten nicht darüber hinwegtäuschen, daß hinter 
dem sozialen Habitus das gleiche System steckte, das z.B. für seine Akteure die 
81 Ebd. Nr. 117 v. 20.5.1935. 
82 Ebd. Nr. 158 v. 10.7.1935. 
83 Ebd. Nr. 138 v. 15.6.1935. 
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